Schaprode
Ausgrabungen

Blauzahns Wikingerschatz auf Rügen: 13-jähriger Finder geht wohl komplett leer aus

Archäologen haben auf Rügen einen Wikingerschatz aus dem 10. Jahrhundert geborgen. Noch nie wurden so viele Silbermünzen und Schmuck des Dänenkönigs Harald Blauzahn gefunden. Schade: Der 13-jährige Finder des Schatzes geht wohl leer aus.
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Am Wochenende haben Archäologen einen wertvollen Wikingerschatz in einem Acker auf Rügen gefunden. Foto: Stefan Sauer/dpa
Am Wochenende haben Archäologen einen wertvollen Wikingerschatz in einem Acker auf Rügen gefunden. Foto: Stefan Sauer/dpa

Sensation - Wikingerschatz auf Rügen gefunden: Auf Rügen hat der 13-jähriger Luca Malaschnitschenko am Wochenende in einem Acker einen wertvollen Silberschatz aus der Wikingerzeit gefunden. Erst dachte der Schüler, es handele sich lediglich um ein Stück Metall. Doch bald begriff er, dass er etwas Großes im Acker entdeckt hatte. Genauer gesagt: Es war der Fund seines Lebens - der Schatz des legendären Königs Blauzahn.

Zunächst habe er gedacht, das sei "irgendein Alu-Schrott", so Luca. Doch später erklärten die Archäologen ihm, was er da tatsächlich in der Hand hielt. "Das war ein sehr cooles Gefühl."

Sicher ist: Der Schatz stammt aus dem 10. Jahrhundert, der Umbruchsepoche von Wikingerzeit zu Christentum. Ein Teil der Münzen kann der Regentschaft des legendären Dänenkönigs Harald Blauzahn (910-987) zugeordnet werden. Der Schatz geht jetzt an das Land Mecklenburg-Vorpommern, damit die Archäologen die Fundstücke untersuchen können. Später kommt er in ein Museum. Der ehrliche Finder geht wohl leer aus. Bei historischen Funden gibt es generell keinen Finderlohn. Übergibt ein Hobby-Archäologe eine gefundene historische Münze beispielsweise nicht an das Land begeht er sogar eine Straftat.

So will man das "Raubgräbertum" eindämmen. Fair muss man das deshalb trotzdem nicht finden. Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) kritisiert diese Praxis, weil eine solche Abgabepflicht im Endeffekt nur zu einer "drastischen Steigerung der Unterschlagungen" führe. Sie spricht sich deshalb für einen "fairen Finderlohn" aus. Luca macht es nach eigenen Angaben nichts aus, dass er gar nichts für seine Entdeckung bekommt. "Ich werde immer weiter suchen gehen. Es wäre natürlich toll, wenn ich noch mehr Schätze finden würde." Das ist eine bewundernswerte Einstellung, aber wäre es nicht angemessen, dem Jungen seine Ehrlichkeit wenigstens ein kleines bisschen zu versilbern? Wie wäre es mit einer Dauerkarte fürs Museum, in dem der Schatz schließlich landen wird? Lebenslang freier Eintritt für den ehrlichen Finder des Schatzes von König Blaubart - das wäre doch was.

 


Wikinger-Schatz auf Rügen: Größter Einzelfund von Blaubart-Münzen


Die Wissenschaftler fanden, nachdem Luca sie informiert hatte, den Schatz auf einem 400 Quadratmeter großen Acker nahe der Ortschaft Schaprode. Sie bargen Hals- und Armreifen, zerhackten Ringschmuck , Perlen, Fibeln, einen Thorhamer und etwa 500 bis 600 teilweise zerhackte Münzen. Mehr als 100 der gefundenen Münzen ordneten Wissenschaftler der Regierungszeit des Dänenkönigs Blauzahn zu. Die große Anzahl der gefundenen Münzen ist außergewöhnlich, so der Archäologe und Grabungsleiter Michael Schirren vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege: "Dieser Schatz ist der größte Einzelfund von Blauzahn-Münzen im südlichen Ostseeraum und damit von herausragender Bedeutung".

 

 


Dänenkönig Harald Blauzahn: Begründer des dänischen Reiches


Der Dänenkönig Harald Blauzahn wurde als Wikinger geboren und gilt als Begründer des dänischen Reiches. Er einte das Land, führte das Christentum ein und setzte Reformen um. Der umstrittene Herrscher war historischen Quellen zufolge nach der verlorenen Ostseeschlacht gegen seinen Sohn Sven Gabelbart (965-1014) im Jahr 986 nach Pommern geflohen, wo er ein Jahr später auf der Jormsburg (wohl beim heutigen Wolin/Swinemünde) starb.

Bereits 1872 und 1874 wurden in der Nähe der Ausgrabungsstätte - auf der wenige Kilometer entfernten Insel Hiddensee - der berühmte Hiddensee Goldschmuck gefunden, der ebenfalls Blauzahn beziehungsweise seinem engen Umfeld zugeschrieben wird.

 

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