Die Berliner Polizei nahm in der Walpurgisnacht und am 1. Mai insgesamt 123 mutmaßliche Störer fest, nach 161 im Vorjahr. Bei den Krawallen wurden 124 Polizisten verletzt - die meisten durch Stein- und Flaschenwürfe, wie die amtierende Polizeichefin Margarete Koppers am Mittwoch sagte. 2011 waren es rund 100 verletzte Beamte gewesen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einem gelungenen Einsatz, aber nicht von einem Erfolg: «Berlin hat ein verlängertes Wochenende hinter sich, das viel Licht hatte, aber nicht ohne Schatten auskam.» Die 7000 Einsatzkräfte hätten besonnen gehandelt: «Die Polizei hat einen schwierigen, aber sehr guten Job gemacht».

Am Dienstagabend war wie in den Vorjahren bei der sogenannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration in Kreuzberg Gewalt ausgebrochen. Einsatzkräfte wurden mit Flaschen und Steinen attackiert. Knallkörper wurden gezündet, Müllcontainer brannten. Schäden gab es an einer Bankfiliale, zwei Tankstellen und einem Supermarkt.

Die Polizei löste den Demonstrationszug nach gut zwei Stunden auf Bitte des Versammlungsleiters vorzeitig auf, nachdem vor dem Jüdischen Museum die Gewalt eskaliert war. Ursprünglich wollte der Zug unter dem Motto «Der Druck steigt - für die soziale Revolution» erstmals weiter ins Regierungsviertel in Berlin-Mitte ziehen.

Nach der aufgelösten Demonstration lieferten sich vor allem schwarz gekleidete Demonstranten über Stunden ein Katz- und Maus-Spiel mit den Einsatzkräften. Etliche Störer wurden festgenommen und mehrere Beamte verletzt. Diese Ausschreitungen seien ein Relikt, «das einige nicht ablegen wollen oder ablegen können», sagte Henkel. Die überwältigende Mehrheit der Bürger habe friedlich gefeiert.

Wowereit und Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigten sich mit dem Vorgehen der Polizei zufrieden. Henkel hatte an der Strategie der Vorjahre festgehalten: Danach hielt sich die Polizei zurück, so lange es friedlich blieb; bei Gewalt wurde aber konsequent durchgegriffen.

Auch die Hamburger Polizei zeigte sich zufrieden: «Es war ruhiger als in den vergangenen Jahren», sagte Sprecher Holger Vehren. Hier nahm die Polizei 28 Demonstranten fest und 17 in Gewahrsam - ebenfalls deutlich weniger als 2011.

Im Hamburger Schanzenviertel kam es nach der Revolutionären 1. Mai-Demonstration am Dienstagabend vereinzelt zu Ausschreitungen. Polizisten wurden angegriffen, Müllcontainer brannten, Knallkörper wurden gezündet. Rund um das alternative Kulturzentrum Rote Flora setzte Polizei mehrfach Wasserwerfer ein.

Unter dem Motto «Keine Alternative zur Revolution!» waren zuvor gut 1400 Demonstranten - einige von ihnen vermummt - von St. Pauli bis in den Stadtteil Ottensen gezogen. Schon dabei hatten Teilnehmer Böller auf die Einsatzkräfte geworfen und bengalische Feuer gezündet. Mehr als 1000 Beamte bildeten ein dichtes Polizeispalier, auch die Reiterstaffel war im Einsatz. Fünf Beamte wurden verletzt.