Berlin
Prozess in Berlin

Während kleiner Junge (1) reanimiert wird: Autofahrer soll Retter behindert und Krankenwagen demoliert haben

Ein kleiner Junge schwebt in Lebensgefahr und wird in Berlin-Moabit reanimiert. Der Rettungswagen blockiert den Wagen eines 23-Jährigen. Der wird wütend und demoliert den Einsatzwagen. Ein Einzelfall? Leider nein!
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In Berlin beginnt ein Prozess gegen einen 23-Jährigen, der Rettungskräfte behindert haben soll, als diese gerade einen einjährigen Jungen reanimieren. Foto: Marcel Kusch/dpa
In Berlin beginnt ein Prozess gegen einen 23-Jährigen, der Rettungskräfte behindert haben soll, als diese gerade einen einjährigen Jungen reanimieren. Foto: Marcel Kusch/dpa

Weil er Rettungskräfte behindert haben soll, die gerade einen kleinen Jungen wiederbelebten, kommt ein Autofahrer an diesem Dienstag (9.15 Uhr) in Berlin vor Gericht. Der 23-Jährige soll den Ermittlungen zufolge wütend geworden sein, weil sein Auto durch den Einsatz im November 2017 in Berlin-Moabit blockiert worden war.

Er habe verlangt, den Rettungswagen wegzufahren, um ihm das Ausparken zu ermöglichen. Als die Helfer nicht reagierten, habe er einen Seitenspiegel des Einsatzwagens beschädigt. Mehrere Zeitungen hatten damals berichtet, der Mann habe gegenüber der alarmierten Polizei geäußert, es sei ihm egal, wer da gerade wiederbelebt werde.

Autofahrer zu Geldstrafe verurteilt

Der Mann wurde vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Der Angeklagte hatte zuvor gestanden. Er erkenne sich in seinem damaligen Verhalten nicht wieder, erklärte der 23-Jährige. Vor Ort habe er "nicht wahrgenommen, worum es geht" und seine Wut an dem Einsatzwagen ausgelassen. Er sei froh, dass der kleine Junge gerettet werden konnte. Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe bereits im Vorfeld des Prozesses 2000 Euro an die Eltern des Kindes gezahlt.

Wegen Behinderung hilfeleistender Personen und gemeinschädlicher Sachbeschädigung verhängte das Gericht eine Strafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro. Unter Einbeziehung von zwei früheren Verurteilungen bildete das Gericht allerdings eine Gesamtstrafe von 20 Monaten Haft auf Bewährung.

Pyrotechnik auf Rettungswagen geworfen und auf Defibrillator gepinkelt

Weitere Bürger, die die Arbeit von Rettungskräften behindert haben sollen, sitzen an demselben Morgen in der Hauptstadt bei anderen Richtern ebenfalls auf der Anklagebank. So soll ein 38-Jähriger Pyrotechnik auf einen Rettungswagen geworfen und auf einen sogenannten Defibrillator gepinkelt haben. Solche Geräte werden bei Herzstillstand zur Wiederbelebung eingesetzt und können Leben retten.

Eine 35-Jährige steht derweil in einem anderen Fall vor Gericht, weil sie in ihrer Wohnung einen Rettungssanitäter mit einem Kartoffelschälmesser angegriffen haben soll. Der Sanitäter floh damals. Die Staatsanwaltschaft strebt in dem Verfahren die Unterbringung der Frau in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Gewerkschaften klagen schon seit längerer Zeit über eine Zunahme von Attacken gegen Einsatzkräfte. Seit Mai 2017 werden Angriffe auf Polizisten, Rettungspersonal und Feuerwehrleute härter bestraft. Seither drohen für solche Attacken bis zu fünf Jahre Gefängnis.