Berlin
Umwelt und Politik

Von wegen Klimaschutz: So viele Kilometer fliegen Bundestagsabgeordnete

Bundestagsabgeordnete sind im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr geflogen. Ausgerechnet die Grünen nehmen dabei eine Spitzenposition ein.
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Ein Flugzeug startet vom Flughafen Tegel. Bundestagsabgeordnete flogen im Jahr 2018 deutlich weiter als im Jahr 2017. Foto: Annette Riedl/dpa
Ein Flugzeug startet vom Flughafen Tegel. Bundestagsabgeordnete flogen im Jahr 2018 deutlich weiter als im Jahr 2017. Foto: Annette Riedl/dpa

Ungeachtet der Debatte über mehr Klimaschutz haben Bundestagsabgeordnete nach einem Medienbericht im vergangenen Jahr deutlich größere Strecken mit dem Flugzeug zurückgelegt als 2017. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Samstag) unternahmen ausgerechnet die Grünen seit Beginn der Legislaturperiode pro Kopf die meisten Einzelreisen: Seit Herbst 2017 flogen ihre 67 Abgeordneten 126 Mal in Eigenregie, jeder rechnerisch also 1,9 Mal. Im Durchschnitt aller Fraktionen waren es 1,2 Flüge pro Abgeordnetem.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit sind Abgeordnete 2018 damit rund 9,08 Millionen Meilen (etwa 14,6 Millionen Kilometer) geflogen, wie die Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstag) unter Berufung auf Angaben der Bundestagsverwaltung melden. 2017 waren es demnach noch 7,4 Millionen Meilen.

Damit flog jeder der 709 Parlamentarier 2018 im Durchschnitt 13.000 Meilen, was etwa einem Flug von Frankfurt nach Singapur und zurück entspricht.

Reisen ins Ausland und in den eigenen Wahlkreis

Allerdings wurde in den Jahren 2015 und 2016 noch deutlich mehr geflogen: 2015 legten Bundestagsabgeordnete 11,4 Millionen Flugmeilen zurück, 2016 rund 11,1 Millionen.

Mitglieder des Bundestages nutzen das Flugzeug dem Bericht zufolge teils für Reisen in ihren Wahlkreis, oder um sich vor Ort über Entwicklungen in ihren Fachbereichen zu informieren. So reisten Mitglieder des Verteidigungsausschusses 2018 in den Kosovo, um dort stationierte Bundeswehrsoldaten zu besuchen.

88 solcher Delegationsreisen von Ausschüssen und Unterausschüssen sind nach Angaben der Bundestagsverwaltung in der laufenden Wahlperiode bisher genehmigt worden. Wie hoch der Anteil der Reisen in den Wahlkreis war, sei nicht zu erfahren gewesen, schreiben die Funke-Zeitungen.

Inlandsflüge besonders schädlich

Die neun Millionen Meilen schlagen grob mit 4.000 Tonnen ausgestoßenem Kohlenstoffdioxid zu Buche, wie Dietrich Brockhagen vom CO2-Kompensationsanbieter Atmosfair den Funke-Zeitungen sagte. Das entspreche etwa 2.000 deutschen Autos, die jeweils 12.000 Kilometer im Jahr fahren. Ein Ausgleich dieses Ausstoßes über Atmosfair, zum Beispiel durch die Finanzierung von Windkraftanlagen, würde rund 90.000 Euro kosten.

Der Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup kritisierte die "gewaltige Menge" der geflogenen Kilometer. Mit Blick auf Flüge zwischen Berlin und Wahlkreisen einzelner Abgeordneter wies er in den Funke-Zeitungen darauf hin, dass Kurzstreckenflüge besonders klimaschädlich seien.

Im Bundeshaushalt 2019 sind dem Bericht zufolge 900.000 Euro für die Klimaneutralisierung von Flugreisen der Bundesregierung und der nachgeordneten Behörden eingestellt. Die Flüge von Abgeordneten seien früher ebenfalls ausgeglichen worden, mittlerweile aber nicht mehr, hieß es. In einer Funke-Umfrage unter den Fraktionen gaben dem Bericht zufolge nur die Grünen an, dass die Fraktion die Flüge ihrer Abgeordneten kompensiere. Die anderen Fraktionen hätten keine Angaben gemacht, hieß es.rowa/mit dpa,epd