In den kommenden Wochen werden die Corona-Zahlen nicht weiter sinken - sondern stagnieren. Das erwartet und prognostiziert zumindest der Virologe Alexander Kekulé am Dienstag (01. Juni 2021) im Podcast "Corona-Kompass" von MDR Aktuell. 

"Es gibt einzelne Bereiche, in denen die Inzidenz noch sehr hoch ist. Die Menschen dort stehen einer Impfung oft kritisch gegenüber oder sind für dieses Thema nur schwer zu erreichen. Bis solche Gruppen durchimmunisiert sind, dauert es eine Weile", so der Mediziner.

Kekulé: Corona-Zahlen werden stagnieren - im Herbst nächste Welle zu erwarten

Kekulé geht davon aus, dass die Corona-Zahlen stagnieren und kritisierte zugleich, dass es bislang kaum gelungen sei, Subpopulationen zu identifizieren. Dazu bräuchte es mehr Daten. Doch hier stelle sich das Robert Koch-Institut als "Tiger mit Maulkorb und festgebundenen Pfoten" heraus, da das Institut einfach keine Daten habe. "Dabei gibt es Beispiele aus dem Ausland, wo man diese Daten erhoben hat, und dann auch besser mit der Pandemie umgehen konnte", erklärt Kekulé.

Der Virologe und Mediziner erwartet außerdem weitere Wellen im Herbst. Bis dahin müssten noch viele Baustellen im Kampf gegen das Coronavirus behoben werden: "Das Allerwichtigste ist, dass wir diejenigen erreichen, die ein hohes Ansteckungsrisiko haben und sich möglicherweise nicht immer ganz vernünftig verhalten", erklärt er und weiter: "Das Zweitwichtigste ist, dass wir Infektionen am Arbeitsplatz unter Kontrolle kriegen. Dann müssen wir uns Gedanken machen über die Einschleppung aus dem Ausland. Und wir benötigen mehr Daten, um zu verstehen, was eigentlich passiert."

Alexander Kekulé ist mit seiner Erwartungshaltung nicht allein. Auch Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass es im Herbst lokale vierte Wellen geben wird. Auch er kritisiert, dass es zu wenig Daten gebe - darüber, wo wie viele Menschen geimpft werden. Ihm zufolge wäre es wichtig, dort, wo nur wenige Menschen geimpft sind, das Impfen zu fördern.