Die Richter müssen daher erstmals die Grenzen präsidialer Ausdrucksweise ausloten. Gleichzeitig wollen sie offenbar eine Klagewelle unterbinden: «Wie wollen Sie verhindern, dass nicht alle Äußerungen auf den Tisch des Verfassungsgerichts landen, weil sie in irgendeiner Form parteipolitische Relevanz entfalten», fragte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle zum Beispiel den NPD-Anwalt Richter.

Der Bundespräsident sei eine Integrationsfigur, sagte Richter. Wenn er gesellschaftliche Themen aufgreife, müsse er sachlich bleiben. Gauck habe die erforderliche sachliche Ebene verlassen und die NPD und ihre Anhänger kurz vor der Bundestagswahl direkt angegriffen und verunglimpft. «Das geht in Richtung Schmähkritik», meinte Richter.

Ein Bundespräsident dürfe seine Wortwahl dem Publikum anpassen, widersprach Wieland. Hier habe Gauck eine jugendgerechte Sprache für seine Zuhörer gewählt. «Da gibt es noch viel schlimmere Ausdrücke als «Spinner»».