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Ernährung

Vegane Ernährung: Millionen Menschen würden satt werden

Israelische Forscher haben untersucht, wie viele Menschen von einer veganen Ernährung der amerikanischen Bevölkerung profitieren würden. Ein Überblick.
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Laut israelischen Wissenschaftlern könnten rund 350 Millionen Menschen von der US-amerikanischen Ernährungsumstellung profitieren. Symbolbild: Fotolia/Jd-photodesign
Laut israelischen Wissenschaftlern könnten rund 350 Millionen Menschen von der US-amerikanischen Ernährungsumstellung profitieren. Symbolbild: Fotolia/Jd-photodesign
Israelische Wissenschaftler mit neuer Studie zum Verzicht von Fleisch: Würde auf Fleisch sowie andere Tierprodukte verzichtet werden, könnte die amerikanische Landwirtschaft doppelt so viele Menschen ernähren, wie bisher. Zu diesem Schluss kommt das israelische Forscherteam rund um Ron Milo, vom "Weizmann Institute of Science" in Rechovot (Israel). Sie haben sich mit der Frage beschäftigt, wie viel mehr Lebensmittel produziert werden könnten, wenn auf Fleisch und Tierprodukte verzichtet werden würde. In die Analyse bezogen die Wissenschaftler den Ressourcenbedarf für die Erzeugung von Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch sowie von Milchprodukten und Eiern, mit ein.


Produktion von Rindfleisch am aufwendigsten

Der Studie nach ist der Aufwand bei Rindfleisch am umfangreichsten: Eine Fläche, die für die Produktion von vier Gramm Rindfleisch ausreicht, kann für die Produktion von 100 Gramm pflanzlicher Nahrung (mit vergleichbarem Eiweiß- und Kaloriengehalt) dienen.

Die Differenz betrachtet das Forscherteam um Milo als Verlust, der der Ernährungsweise geschuldet ist. Im Falle von Schweinefleisch liegt die Differenz bei 90 Prozent, bei Milchprodukten bei 75 Prozent, bei Hühnerfleisch bei 50 Prozent und eine 40 prozentige Differenz besteht bei Eiern.


350 Millionen Menschen zusätzlich

Die Kalkulation der Wissenschaftler sieht vor, dass bei einer veganen Ernährung rund 350 Millionen Menschen mehr durch die Erzeugnisse der Landwirtschaft ernährt werden könnten - bei einer US-amerikanischen Bevölkerung von 323 Millionen Menschen: "Die hier vorgestellten Berechnungen zeigen, dass die Bevorzugung einer pflanzlichen Kost gegenüber einer weniger effizienten tierbasierten Kost potenziell mehr Menschen ernähren kann als die vollständige Beseitigung konventioneller Lebensmittelverluste", beschreiben die Forscher die Ernährungsumstellung in ihrer Arbeit.

In der Kalkulation ist eine Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft nicht eingeplant. Die Werte beziehen sich auf den aktuellen Stand der landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Zu der Studie der israelischen Forscher des "Weizmann Institute of Science" äußerte sich auch ein deutscher Wissenschaftler: Matin Qaim von der Universität Göttingen zeigte sich einverstanden mit der These des Forscherteams, dass tierische Produkte sehr viel Ressourcen verbrauchen würden. Zusätzlich hält er das angewendete Rechenmodell für valide.

Er widerspricht dem Team allerdings in der Annahme, dass ein kompletter Veganismus Sinn mache. Der Agrarökonom betont, dass es besonders bei Risikogruppen wie Schwangeren und Kindern zu Mangelernährung kommen könnte. Nichts desto trotz stimmt der Göttinger Wissenschaftler zu, dass "eine deutliche Reduktion des Konsums tierischer Produkte" Sinn macht - vor allem in den Ländern, in denen sehr viel tierische Produkte konsumiert werden.


Kommentar: Übertragbarkeit der Studie fragwürdig

Unabhängig von sinnvollen Berechnungen der Studie, ist zu hinterfragen, ob die Berechnungen zur US-amerikanischen Landwirtschaft auf die Leistungsfähigkeit und Produktivität von Agrarsektoren anderer Länder übertragbar sind.

tu/dpa
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