• Umfrage zeigt: Die meisten Ungeimpften wollen sich nicht impfen lassen
  • Mehr als die Hälfte der Deutschen ist vollständig geimpft
  • Mehrheit der Deutschen für Einschränkungen für Ungeimpfte
  • Debatte um Impfpflicht wird weiter heftig geführt

Über die Hälfte der Deutschen ist zweimal gegen das Coronavirus geimpft - es ist also noch nicht erreicht, was das Ziel der breit angelegten Impfungen war und ist: Eine Impfquote von 60, besser 70 Prozent. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitus INSA im Auftrag der "Bild am Sonntag" (BamS) ergibt nun aber, dass lediglich ein gutes Viertel jener, die sich bisher Ungeimpften sich vorstellen können, noch ein Impfangebot anzunehmen. Die Impfzentren wären bereit - sie sind nur zu einem Drittel ausgelastet. Organisation von Terminen ist also nicht das Problem. Über 50 Prozent, genauer 54 Prozent der bisher ungeimpften Deutschen, wollen sich auch grundsätzlich nicht impfen lassen. Rund 19 Prozent sind noch unentschlossen. Als Hauptgrund nannten zwei Drittel derjenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, laut der Umfrage mangelndes Vertrauen in die Impfstoffe. 

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet unterdessen laut "BamS" Einschränkungen für Ungeimpfte, sollten die Corona-Fallzahlen auch weiter steigen. Laut "Bild" sind 61 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Ungeimpfte keine Sportveranstaltungen mehr besuchen sollen. Rund 58 Prozent wollen Theater-, Kino- und Museumsbesuche für diese Gruppe verbieten, immerhin noch 54 Prozent wollen, dass Ungeimpfte bei steigenden Fallzahlen aus Restaurants ausgeschlossen werden. 

Einschränkungen für Impfunwillige im Herbst?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Bildzeitung, er gehe davon aus, dass Impfverweigernde mit Einschränkungen rechnen müssten. "Im Herbst, wenn die Fallzahlen sehr hoch sind, wird es eine Reihe von Einschränkungen für Ungeimpfte geben müssen: Sie werden etwa nicht mehr in die Innenräume von bestimmten Restaurants, in Bars oder Clubs gehen können, also an Orte mit einem hohen Ansteckungsrisiko", so Lauterbach. Gegenüber der Rheinischen Post sagte Lauterbach: "Corona-Verhaltensbeschränkungen sind im Wesentlichen im Herbst vorbei, nicht aber für die Ungeimpften. Der Druck auf Ungeimpfte wird dann automatisch steigen."

Einen Vorgeschmack auf mögliche Einschränkungen geben die Regelungen zur Rückreise nach Deutschland, die seit dem 1. August gelten: Wer seither nach Deutschland einreist und über 12 Jahre alt ist, muss einen Corona-Test vorlegen - dies gilt nicht für vollständig Geimpfte und Genesene. Diese Regelungen könnten sich auf andere Lebensbereiche ausweiten. Ein Hotel in Bayern ist vorgeprescht und zeigt, wie es im Herbst aussehen könnte: Dort dürfen ab Oktober nur noch Geimpfte (ab 18 Jahren) unterkommen und speisen. 

Sowohl um möglichen Einschränkungen, als auch um eine Impfpflicht hat es in den vergangenen Tagen eine heftige Debatte gegeben. In der bayerischen Regierung hatte es einen heftigen Schlagabtausch zwischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gegeben.Aiwanger wehrte sich gegen Kritik daran, dass er sich gegen eine Impfung entschieden hatte: "Ich wurde vor laufender Kamera zu meinem Impfstatus gefragt und vertrete die Meinung, dass Impfen ein wichtiger Baustein der Corona-Bekämpfung ist, aber trotzdem eine persönliche Entscheidung bleiben muss. Das hat nichts mit Schamanentum oder Querdenken zu tun, sondern ist ein persönliches Freiheitsrecht", sagte Aiwanger, der bislang auf eine Corona-Impfung verzichtet hat. Der Infektiologe Andrew Ullmann (FDP) forderte gar den Rücktritt von Aiwanger. Er nannte Aiwangers Verhalten "unverantwortlich". 

Kommt eine Impfpflicht in Deutschland? 

Markus Söder hatte zuvor bereits betont: "Wer partout nicht will, und das respektiere ich, aber der muss dann auch die Konsequenz und die Verantwortung dafür übernehmen" - damit meinte er sowohl, dass auf lange Sicht nur Vollgeimpfte vollständige Freiheitsrechte erhalten würden und Impfunwillige für Corona-Tests selbst bezahlen sollen. Letzteres, also das Ende der kostenlosen Corona-Tests, soll nun im Herbst bundesweit kommen. 

Die Bundesregierung berät derzeit über mögliche Einschränkungen für Ungeimpfte, eine"Impfpflicht durch die Hintertür" wolle man jedoch vermeiden, so eine Regierungssprecherin in der vergangenen Woche. Immer wieder im Gespräch ist eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Lehrkräfte oder Erzieher*innen und Pflegekräfte. Hier ist die Debatte ebenfalls noch nicht entschieden. Aktuell wird vor allem in Berlin über konkrete Pläne zu einer Impfpflicht für Lehrkräfte gestritten.

In einem Kommentar hierzu hat sich inFranken.de-Redakteur Robert Wagner für eine Impfpflicht ausgesprochen: Er findet den Kampf gegen Impfverweiger*innen aussichtslos und nennt sie egoistisch - daher müsse eine Imfpfpflicht eingeführt werden. 

 

 

Das Meinungsforschungsinstitut Insa hat 1001 Personen am 30. Juli 2021 befragt. Die Fragen lauteten:

Sind Sie gegen das Coronavirus geimpft (mindestens eine Impfdose)?

(ja, nein, weiß nicht)

Falls nein: Wollen Sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen?

(ja, nein, weiß nicht)

Falls nein: Warum wollen Sie sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen?

(Ich traue den zugelassenen Impfstoffen nicht; Ichglaube nicht, dass die Impfungen notwendig sind; Ich habe keine Angst vor einer Corona-Infektion; Ich kann mich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen; Ich hatte bislang keine Zeit; Ich weiß nicht, wie ich an eine Impfung komme; aus anderen Gründen)