Mit verdeckten Ermittlern und hartem Durchgreifen will die Bundespolizei ukrainische Frauen am Bahnhof Hannover-Messe vor Männern aus dem Rotlichtmilieu schützen. Die Geflüchteten würden schon im Zug von Frankfurt/Oder mit Flyern über das Phänomen der unlauteren Anwerbeversuche hingewiesen, sagte Michael Schuol, Vize-Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover, am Mittwoch (30. März 2022).

Es gebe klare Hinweise, dass Personen aus dem organisierten kriminellen Milieu bewusst junge Frauen ansprechen, die im Rotlichtmilieu arbeiten sollten. Außerdem gebe es auch andere Männer, die Anschluss suchten, was strafrechtlich nicht relevant, aber nicht gewollt sei.

Bundespolizei warnt: Männer aus dem Rotlichtmilieu haben es auf ukrainische Frauen abgesehen

Der Bahnhof Laatzen und das angrenzende Messegelände von Hannover sind zu einem Drehkreuz zur Verteilung der aus der Ukraine geflüchteten Menschen ausgebaut worden. Viele Frauen und Kinder bleiben nur wenige Stunden oder eine Nacht dort, bis es für sie in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland weitergeht.

Bislang sind an dem Bahnhof der Bundespolizei zufolge 16 Männer auffällig geworden. Es habe sogenannte Gefährderansprachen gegeben, sagte Schuol. Gegen zwei Männer sei in Absprache mit der Deutschen Bahn ein Betretungsverbot des Bahnhofs für vier Wochen ausgesprochen worden. Hinweise darauf, dass Frauen mit Kriminellen mitgegangen sind, gibt es Schuol zufolge bislang nicht.

"Wir sind darauf angewiesen, dass wir Hinweise von Bürgern bekommen", betonte er. Teils seien die angesprochenen Frauen selbst auf die Beamten zugekommen und hätten von den Anwerbeversuchen berichtet. Auch aus Franken gab es bereits Warnungen.

Diakonie fordert Registrierung von Geflüchteten - und Helfern

Das Evangelische Werk für Diakonie blickt ebenso mit Sorge auf eine mögliche Ausbeutung geflüchteter Frauen aus der Ukraine. Sie kämen in einer Krisensituation in ein fremdes land, seien verzweifelt und auf Hilfe angewiesen und deshalb besonders gefährdet, in die Fänge von Menschenhändlern zu geraten, sagte Maria Loheide aus dem Vorstand von Diakonie Deutschland in München. Sie forderte eine Registrierung der Geflüchteten, aber auch der ehrenamtlichen Helfer. Auch Privatunterkünfte müssten registriert und kontrolliert werden. Zahlen zu möglichen Vorfällen gibt es noch nicht.

Nach Auskunft Loheides bieten die Ankunftsstellen mittlerweile ein gutes Angebot an Beratung und Information, Flyer und auch Hinweise in den sozialen Medien auch in mehreren Sprachen. Als mögliche Gefahren nannte sie neben der Zwangsprostitution auch die Ausbeutung der Arbeitskraft, etwa in Privathaushalten als 24-Stunden-Pflegekraft. Es gebe bereits einige Rückmeldungen in diese Richtung. "Auch das ist im Prinzip Menschenhandel", sagte Loheide. Berufs- und Studienabschlüsse müssten deshalb schnell anerkannt werden, damit die Frauen ihrer Qualifikation entsprechend auf Wunsch schnell wieder arbeiten können.

Vor einer Woche hatte bereits die europäische Polizeibehörde Europol vor Verbrecherbanden gewarnt, die die Notlage von aus der Ukraine geflüchteten Frauen und Kinder ausnutzten.