Intensivmediziner sprechen sich dafür aus, bei der Pandemiebekämpfung nicht mehr ausschließlich die Inzidenzwerte in den Fokus zu stellen. "Mit steigender Impfquote ist der Inzidenzwert alleine weniger aussagekräftig, um die potenzielle Gefahr für das Gesundheitssystem messen zu können", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Christian Karagiannidis, der "Rheinischen Post" am Samstag (3. Juli 2021).

"Wir rechnen damit, dass die Inzidenzwerte im Herbst, wie in England aktuell schon der Fall, stärker steigen werden als die Zahl der Intensivpatienten", so der Intensivmediziner.

Andere Faktoren einbeziehen und kein Lockdown für Geimpfte

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) äußerte sich am Freitag ähnlich: Die Inzidenzwerte würden weiter eine wichtige Rolle spielen, "weil sie natürlich eine Aussage darüber treffen, wie viele Leute sich neu mit Corona infizieren", sagte er. "Aber wenn wir jetzt in der Situation sind, dass eine hohe Zahl von Bürgern geimpft ist, müssen wir natürlich weitere Faktoren einbeziehen."

Ganz wichtig sei die Frage, wie gut die Impfung gegen neue Varianten wie Delta wirke. Wegen der Delta-Variante empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) jetzt Kreuzimpfungen, wenn Menschen als ersten Impfstoff Astrazenca erhalten haben. Die Delta-Variante sei zwar wesentlich ansteckender als andere Corona-Varianten. Zum Glück sei sie aber auch weniger tödlich

Kanzleramtschef Helge Braun machte Geimpften zudem Hoffnung, dass es für sie auch bei einer neuen Corona-Welle keinen neuen Lockdown geben dürfte - wenn die Impfungen sich auch gegen Varianten behaupten. "Solange unsere Impfung sehr gut wirkt, kommt ja ein Lockdown zulasten derer, die vollständig geimpft sind, auch nicht infrage", sagte der CDU-Politiker.