Vor gut zehn Monaten, am 1. Dezember 2020, wurden bei einer Amokfahrt in Trier fünf Menschen getötet und zahlreiche Menschen verletzt. Vor Gericht schildern Ermittler nun, wie sich der mutmaßliche Täter nach seiner Festnahme geäußert hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. Der 52-Jährige soll mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Amokfahrer gab an, sich nicht erinnern zu können: "Er machte einen Filmriss geltend"

Laut eines Ermittlers konnte sich der mutmaßliche Amokfahrer von Trier in seiner ersten Vernehmung nicht an die Tat erinnern. Und zwar ab dem Moment, als er in die Fußgängerzone eingebogen war bis zur Festnahme. "Er machte einen Filmriss geltend", so ein Kripobeamter am Mittwoch, 6. Oktober, vor dem Landgericht Trier.

Der 52-Jährige sei insgesamt vier Mal vernommen worden und habe dabei lediglich immer wieder "von dumpfen Aufschlägen, die er wahrgenommen hat", gesprochen. 

In diesem Artikel berichteten wir bereits über den Prozessauftakt.

Menschen schrieen und liefen davon - Angeklagter habe "Bilder im Kopf"

In der zweiten Vernehmung habe er gesagt, "er habe jetzt Bilder im Kopf", sagte der Kriminalbeamte zu den Aussagen des Angeklagten. Sie seien aber nicht konkret gewesen.

Zudem habe er berichtet, er habe Menschen weglaufen sehen und schreien hören. Als die Beamten ihm Bilder und Videos von der Amokfahrt zeigten, habe er gesagt: "Ich hasse mich selbst für den Scheiß, den ich gemacht habe." Es tue ihm leid für die Menschen, denen etwas passiert sei. Später habe er zu der Tat nichts mehr sagen wollen.

Täter habe "wirre Gedanken": Ihm standen angeblich 350.000 bis 500.000 Euro zu

Dem Ermittler zufolge gab der Angeklagte an, dass "sein letzter Gedanke" vor der Fahrt der "Unmut über das erfahrene Unrecht" gewesen sei. Er kämpfe seit Jahrzehnten vergeblich darum, 350.000 bis 500.000 Euro zu bekommen, die ihm zustehen würden.

Am Tag vor der Tat sei er sicher gewesen, dass er die Summe von einem Notar ausgehändigt bekomme. Er sei aber wieder mal "abgewimmelt worden". Der 52-Jährige habe verstärkt "wirre Gedanken und eine irrationale Gedankenwelt" gezeigt, sagte der Polizist.

Der Mann sei überzeugt, dass er das Geld für eine "Versuchsreihe" bekommen solle, an der er 1973 als Kind teilgenommen habe. Es sei dabei um Erprobung eines "radioaktiven Mittels" gegangen, das ihm gespritzt worden sei, berichtete der Ermittler aus der Vernehmung. Wegen des Geldes habe er sich an zahlreiche Behörden gewandt, darunter die Polizei, Amtsgerichte und Stellen in Berlin. Ohne Erfolg. "Er fühlte sich im Stich gelassen."

In einem weiteren Artikel berichteten wir davon, was der Angeklagte bei seiner Vernehmung gesagt hat.

Täter hatte während der Tat 1,39 Promille und stand unter Einfluss zahlreicher Medikamente

Vor der Tat habe der Mann am Vormittag Bier und Schnaps getrunken. Der Atemalkoholwert habe nach der Festnahme bei 1,39 Promille gelegen, sagte der Polizist. Zudem habe er angegeben, 12 bis 13 Medikamente eingenommen zu haben. Seit April 2020 habe der Elektriker keinen Job und keine Wohnung mehr gehabt. Er habe in seinem Auto an verschiedenen Plätzen in Trier übernachtet.

Einmal habe der Angeklagte auch ausgesagt, er habe "aus Versehen" jemanden angefahren und sei dann "in Panik durch die Innenstadt geflüchtet". Ein weiteres Mal habe er dann alle Aussagen widerrufen und behauptet, er sei das Auto nicht gefahren. Bei Nachfragen nach der Tat habe er emotionslos und gefühlskalt reagiert.

Angeklagter leidet laut Sachverständigen unter einer Psychose 

Er habe über die vergangenen Jahre einen regelrechten Groll gegen Anwälte und Notare entwickelt, sagte eine Kripobeamtin. Daher habe er zunächst auch abgelehnt, einen Anwalt sprechen zu wollen. Sich selbst beschrieb er als "hilfsbereiten und sehr höflichen Menschen." Er sehe sich nicht als Alkoholiker.

Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer Psychose. Zum Prozessauftakt am 19. August habe der Angeklagte vor Gericht gesagt, er wolle keine Aussage machen. Der Prozess gegen den Deutschen ist bis Ende Januar 2022 terminiert.