Ein Befreiungsschlag sieht anders aus. Zwar ist es dem SPD-Kanzlerkandidaten gelungen, mit der lückenlosen Offenlegung seiner Nebeneinkünfte die wenig transparenzfreudigen Widersacher der Regierungskoalition in Zugzwang zu bringen; bei den Generalsekretären Dobrindt und Döring herrscht derzeit betretenes Schweigen. Sein Kalkül jedoch, sich aus der Defensive zu manövrieren, ist noch nicht vollends aufgegangen.

Steinbrück muss sich weiter rechtfertigen. Nicht mehr, weil der politische Gegner den Finger in die Wunde legt. Die Stadtwerke der Stadt Bochum - in beiden Fällen stehen Parteifreunde des SPD-Kanzlerkandidaten an der Spitze - klagen an: Steinbrück hätte - wie zuvor Joachim Gauck, Senta Berger, Peter Maffay, Joschka Fischer oder Uli Hoeneß - das höchste seiner 89 Rednerhonorare spenden sollen. Die kommunalen Stadtwerke wollen mit dieser Praxis dem Eindruck begegnen, die Stromzähler müssten auch für prominente Gastredner rotieren. Der Honorarredner Steinbrück bestreitet diese Absprache.

Unabhängig davon, wer in diesem konkreten Fall Recht hat oder Recht bekommt: Transparenz allein, die bloße Offenlegung der Nebeneinkünfte, reicht nicht. Die Einnahmen müssen in der Höhe begrenzt, der maximale Zeitaufwand klar definiert werden. Jeder Arbeitnehmer muss Art und Umfang einer Nebenbeschäftigung anzeigen. Was für ihn recht ist, muss für den Volksvertreter billig sein.

Aller Ehren wert wäre ein Ehrenkodex, den die Abgeordneten selbst niederschreiben. Sie sollten dort auch festlegen, ob und wann ein Volksvertreter gegen Honorar für Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft tätig werden darf. Nachdem ein Abgeordneter sein Salär aus Steuermitteln bezieht, bedient er sich in einem solchen Fall mit einem honorarpflichtigen Engagement ein zweites Mal aus Mitteln der Bürger. Auch dafür muss es klare Grenzen geben.