Neubrandenburg

Leonie misshandelt, bis sie starb: Stiefvater der Sechsjährigen verurteilt

Der Stiefvater der 6-jährigen Leonie wurde verurteilt: Im Januar 2019 war das kleine Mädchen die Treppe heruntergefallen. Die Mutter und ihr neuer Ehemann hatten Leonie einfach zurück ins Bett gelegt.
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Der Angeklagte Stiefvater steht in Neubrandenburg vor Gericht. Er schweigt allerdings bislang, will zum Tod der kleinen Leonie nichts sagen. Die Sechsjährige war im Januar eine Treppe runtergefallen und an den schweren Verletzungen gestorben. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Der Angeklagte Stiefvater steht in Neubrandenburg vor Gericht. Er schweigt allerdings bislang, will zum Tod der kleinen Leonie nichts sagen. Die Sechsjährige war im Januar eine Treppe runtergefallen und an den schweren Verletzungen gestorben. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Update, 9. Januar 2020: Stiefvater zu Lebenslanger Haft verurteilt

Knapp ein Jahr nach dem Tod der sechsjährigen Leonie ist ihr Stiefvater zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Neubrandenburg sprach den 28-Jährigen am Donnerstag des Mordes durch Unterlassen, der Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig. Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie in Torgelow in Vorpommern gefunden worden.

Im September 2019 hatte der Prozess um den gewaltsamen Tod der 6-jährigen Leonie begonnen. Der Vater hatte zu Beginn der Verhandlung aber erst einmal geschwiegen:

Im Mord-Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow in Vorpommern hat der angeklagte Stiefvater zum Prozessauftakt keine Angaben gemacht. "Mein Mandant soll sich erst an die Verhandlungssituation gewöhnen", begründete Verteidiger Bernd Raitor vor dem Landgericht Neubrandenburg am Dienstag die Entscheidung. Er kündigte an, dass der Angeklagte die Aussagen anderer Zeugen und der Mutter von Leonie abwarten wolle.

"Damit wollte er die Straftaten vertuschen"

Dem 28-jährigen Stiefvater werden Mord durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener in sieben Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte hat das bisher bestritten. Er lebte mit Leonie, ihrem kleineren Bruder, deren Mutter und einem gemeinsamen Baby in der Wohnung in Torgelow. Laut Anklage soll er Leonie seit November 2018 fünfmal schwer misshandelt und nicht rechtzeitig medizinische Hilfe geholt haben. "Damit wollte er die Straftaten verdecken", erklärte Oberstaatsanwalt Bernd Bethge. Leonie starb am 12. Januar unter anderem an schweren Kopfverletzungen.

Der zwei Jahre alte Bruder soll zweimal vom Stiefvater misshandelt worden sein.

Der Angeklagte hatte bei einer Haftprüfung erklärt, dass das Mädchen mit einem Puppenwagen am 12. Januar eine Treppe mit 15 Stufen hinuntergefallen war, erläuterte die damalige Haftrichterin Daniela Lieschke als Zeugin vor dem Landgericht. Danach soll der Angeklagte das Kind hochgetragen und die Mutter, gegen die ebenfalls ermittelt wird, Leonie ins Bett gelegt und ihr wegen Kopfschmerzen und Nasenbluten einen Kühlakku gegeben haben. Danach sei die Frau einkaufen gegangen. Später sei Leonie wieder in der Wohnung "herumgesprungen."

"Das sind nicht meine Kinder"

Auf die Frage, warum man sich den Kopf des Kindes nicht genauer auf ernste Verletzungen hin angeschaut und ärztliche Hilfe geholt habe, sei vom Angeklagten der Satz gefallen: "Das sind nicht meine Kinder." "Das hat er öfter gesagt", betonte Lieschke. Gegenüber Mitarbeitern des Jugendamtes habe er aber erklärt, seine Kinder nehme ihm niemand weg. Ihr Eindruck als Haftrichterin war, dass der Mann sich immer wieder in Widersprüche verstrickt habe.

 

Laut Anklage soll der Stiefvater Leonie schon am 8. Januar geschüttelt, getreten und anderweitig misshandelt haben. Am 12. Januar habe er erst abends die Rettungskräfte angerufen, nachdem das Mädchen auch noch erbrochen hatte. Als die Mediziner kamen, soll das Mädchen bereits tot gewesen sein. Später wurde festgestellt, dass Leonie schwere Kopfverletzungen, mehrere Rippenbrüche sowie Frakturen an Schlüsselbein und Daumen hatte.

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