Tessa Ganserer ist Pionierin und Symbolfigur zugleich: Die Grünen-Landtagsabgeordnete aus Nürnberg war die erste aktive Politikerin in einem deutschen Parlament, die sich - im November 2018 - als transgeschlechtlich outete. Und jetzt ist sie neben ihrer Parteikollegin Nyke Slawik aus Nordrhein-Westfalen eine der ersten beiden Transgender-Frauen, die in den Bundestag gewählt wurden.

Im Wahlkreis Nürnberg-Nord lieferte sich Ganserer am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPD-Kandidatin Gabriela Heinrich um Platz zwei hinter Sebastian Brehm (CSU). Ganserer kam schließlich auf 22,6 Prozent der Erststimmen, Heinrich auf 21,9 Prozent. Wegen ihres 13. Listenpaltzes bei den bayerischen Grünen zieht Ganserer nun in den Bundestag ein. Gegenüber dem BR teilte sie mit, sie habe ein "super Ergebnis" eingefahren - das sei ein Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft.

"Ein historischer Moment": Nürnberger trans Frau zieht in den Bundestag ein 

"Erst einmal bin ich super happy", sagt die 44-Jährige am Montag auf Anfrage der Deutschen Presseagentur und ergänzte: "Das ist ein historischer Moment, mit Signalwirkung über Deutschland hinaus." Im Bundestag will Ganserer vor allem für die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Anerkennung von queeren Menschen kämpfen - ein Kampf, der seit ihrem Coming-out vor fast drei Jahren auch ein persönlicher ist.

Seit 2013 sitzt Ganserer im bayerischen Landtag, die ersten Jahre noch unter ihrem männlichen Vornamen. Ursprünglich stammt sie aus Zwiesel im bayerischen Wald. Sie lebt aber seit Jahren in Nürnberg, mit ihrer Frau und ihren beiden Kindern. Die studierte Wald- und Forstwirtin bezeichnet sich selbst als "Vollblutpolitikerin, Grüne durch und durch". In die Partei trat sie 1998 ein, weil sie nach 16 Jahren unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zum politischen Wandel beitragen wollte. Das Wahlergebnis zeigt nach ihrer Ansicht eindeutig: Die Menschen in Deutschland wünschten sich einen ökologischen, sozial gerechten und gesellschaftlichen Aufbruch. "Jetzt gilt es erst mal zu sondieren, in welcher Konstellation uns das gelingen kann."

Auch Nyke Slawik wird künftig im Bundestag sitzen. Die Transfrau war in Nordrhein-Westfalen auf Platz elf der Grünen-Landesliste, und erhielt 11,3 Prozent der Erststimmen im  Wahlkreis Leverkusen - Köln IV. "Wahnsinn! Ich kann es noch gar nicht so recht fassen", twitterte Slawik am Sonntagabend. "Ich hoffe, dass wir heute ein neues Kapitel der Selbstbestimmung in der Politik aufschlagen und die jahrelange Bevormundung queerer Menschen beenden können." Die Leverkusenerin möchte sich für "für eine vielfältige, soziale Gesellschaft und eine mutigere Klimapolitik" einsetzen, wie sie auf ihrer Webseite schreibt. In den vergangenen Jahren hatte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für zwei Grünen-Abgeordnete im NRW-Landtag gearbeitet. 

Nach der Amtszeit geoutet

Im Bundestag gab es bisher nur eine Transperson, die sich aber erst nach ihrer Amtszeit outete. "Die Bundestagswahlen 2021 sind in dieser Hinsicht ein historischer Moment", hatte Gabriel_Nox Koenig vom Bundesverband Trans* e.V. im Vorfeld der Wahl erklärt. Denn mit Ganserer und Slawik sowie zwei weiteren Politikerinnen, die es nicht ins Parlament schafften, waren laut Verband zum ersten Mal offen lebende trans Menschen auf den Wahllisten vertreten.

Auch lokale Kulturveranstaltungen werden immer diverser. Ein Beweis dafür war Coburgs diesjährige Samba-Königin.