Handyverbot an Schulen? Wenn es nach dem Hamburger Suchtforscher Rainer Thomasius geht, wäre diese Maßnahme sehr sinnvoll und könnte Kinder schützen.

Die Jugendlichen seien im Schnitt an Werktagen drei Stunden im Internet unterwegs, an Wochenenden vier Stunden, sagte der Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters an der Uniklinik Eppendorf dem "Hamburger Abendblatt". "Das ist zu viel." Nach seinen Studien seien knapp fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen internetsuchtgefährdet.

Die Eltern sollten ihre Kinder beim Surfen stärker kontrollieren. Thomasius: "Mich erschreckt, dass in unseren Studien 50 Prozent der befragten Eltern gar keine zeitliche Vorgabe machen." Ein Drittel wisse nicht, auf welchen Seiten ihre Kinder im Netz unterwegs sind. Viele Eltern seien möglicherweise sogar froh, wenn sich ihre Kinder dank des Internets ruhig verhalten. "Aber diese Ruhe ist fatal."

Thomasius fordert auch strengere Regeln für die Computerspiele-Industrie. Altersangaben seien oft zu niedrig, da viele Spiele Glücksspiel-Charakter hätten. Gefährlich sei auch, wenn Strategiespiele den Spielern keine Pausen mehr gestatten würden. "Wer bei diesen Spielen offline geht, riskiert, dass das, was er erschaffen hat, von anderen Teilnehmern zerstört wird."

Im Deutschen Suchtzentrum an der Uniklinik Eppendorf werden jedes Jahr 1.600 junge suchtkranke Menschen behandelt. Jeder vierte Behandlungsfall geht auf eine Internetabhängigkeit zurück. Im Schnitt waren die Internetsüchtigen 18 Monate nicht mehr in der Schule, um ständig online zu sein. Gefährdet sind in erster Linie männliche Jugendliche, ihr Anteil liegt bei 95 Prozent. Mädchen geht es dagegen vor allem um Kommunikation in sozialen Netzwerken.