Berlin
Gesundheitspsychologie

Studie zeigt: Wenn Paare zusammenziehen, nehmen sie zu

Paare, die zusammenziehen, legen an Gewicht zu. Das zeigt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Für die Studie wurde die Gewichtsentwicklung von 20.000 Menschen über einen Zeitraum von 16 Jahren verglichen.
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Zusammenziehen spielt bei der Gewichtszunahme eine gewichtige Rolle. Symbolfoto: Toa Heftiba/Unsplash
Zusammenziehen spielt bei der Gewichtszunahme eine gewichtige Rolle. Symbolfoto: Toa Heftiba/Unsplash

Wer in einer Partnerschaft lebt, hat ein höheres Körpergewicht als Singles - und dabei spielt es auch keine Rolle, ob das Paar verheiratet ist. Was aber eine Rolle spielt: ob das Paar zusammen wohnt oder nicht. Das erste Zusammenziehen eines Paares führt nämlich zu einer Gewichtszunahme - bei beiden Partnern. Das hat jetzt das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in einer Studie herausgefunden, deren Ergebnisse im Journal Health Psychology veröffentlicht wurden. Für die Studie haben Wissenschaftler des Max-Planck-Insitituts, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sowie die Universitäten aus Mannheim und Leipzig Daten von 20.000 Menschen über einen Zeitraum von 16 Jahren ausgewertet.

Änderung im Beziehungsstatus sorgt für Änderung der Essgewohnheiten

Laut Studie nehmen Paare nach dem Zusammenziehen doppelt so viel zu, wie Paare in den ersten vier Ehejahren. Der Effekt sei auch sichtbar, wenn man andere wichtige Einflüsse, etwa das Alter, den Gesundheitszustand oder das Kinderkriegen, herausrechne. "Das heißt, dass diese Gewichtszunahme vor allem mit der Beziehungsveränderung zusammenhängt. Denn eine Änderung des Beziehungsstatus bedeutet oft auch eine Änderung der alltäglichen Essgewohnheiten [...]. In Gesellschaft isst man in der Regel mehr und nimmt somit mehr Kalorien zu sich", sagt Ralph Hertwig, Ko-Autor der Studie und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Interessant: Trennen sich Paare wieder, nehmen Partner wieder ab, der Body-Mass-Index (BMI) sinkt bei Frauen und Männern weitestgehend wieder auf den Wert vor dem Zusammenziehen. Wenn sich Ehepartner nach einer Trennung aber scheiden lassen, nehmen beide Geschlechter am meisten zu. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein unverheirateter Mann, der vor dem Zusammenziehen leicht übergewichtig ist, im Durchschnitt etwa 7,5 Kilogramm zunimmt, nachdem er je mindestens vier Jahren ohne Trauschein zusammengelebt hat, verheiratet, getrennt und geschieden war", sagt Jutta Mata, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim. Bislang sei dieser Zusammenhang von Gewichtszunahme und sozialen Einflüssen kaum beachtet worden, heißt es seitens der Forscher.

Zur Studie

Mit der Studie wurden erstmals die Langzeiteffekte von Veränderungen im Beziehungsstatus auf den BMI untersucht. Dafür verglichen die Wissenschaftler Daten von 20.950 Menschen zwischen 19 und 100 Jahren in Deutschland über einen Zeitraum von insgesamt 16 Jahren. Die Daten stammen aus der Längsschnittstudie des "Sozio-oekonomischen Panels" (SOEP), mit der das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung repräsentative Daten über die Bevölkerung in Deutschland erhebt. In Interviews wurden die demographischen Daten, wie Alter, Geschlecht, Familienstand, aber auch Größe und Gewicht abgefragt. Zusätzlich wurde nach wichtigen Lebensereignissen, wie Geburt oder Veränderungen im Berufsleben, wahrgenommenem Stress, dem subjektiven Gesundheitsempfinden und dem Verhalten mit Blick auf Ernährung, Sport und Rauchen gefragt.