Corona-Pause vor der nächsten Herbstwelle? Fehlanzeige. Trotz Sommer steigt die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland schon wieder. Am Mittwoch (15. Juni 2022) meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Sieben-Tage-Inzidenz von 472,4. Im Vergleich zur Vorwoche hat sich der Wert damit fast verdoppelt. 

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck blickt daher zunehmend mit Sorge auf den Herbst und Winter. Vor allem eine Großveranstaltung sieht er dabei kritisch: die Fußball-Weltmeisterschaft aus Katar und die dazugehörigen Fernseh-Live-Übertragungen. "Dadurch kreieren wir gegebenenfalls auch wieder größere Ausbrüche, oder es kann auch zu einem Superspreading-Event kommen, und darauf muss man sich vorbereiten", sagte Streeck im RTL-Nachtjournal.

Streeck warnt vor "Superspreading-Event": So sollten wir uns auf den Corona-Winter vorbereiten

Grund dafür sei, dass das Public Viewing aufgrund der ungewöhnlichen Jahreszeit in Innenräumen, und nicht wie sonst üblich draußen stattfinden wird. Eine Hilfe könnte dann wieder das Tragen von Schutzmasken sein. "Wir wissen, dass die Maske funktioniert und dass die Maske einen Schutz gibt", sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Bonn. Aber vor allem müsse man die Risikogruppen in den Alten- und Pflegeheimen besser schützen. Dazu gehören gute Hygienekonzepte, aber auch eine vierte Impfung für die Risikogruppen. Jüngere bräuchten diese im Moment aber nicht, für sie reiche eine Dreifach-Impfung.

Streeck ist nicht der Einzige, der sich fürs Maskentragen und eine Auffrischungsimpfung stark macht. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sowie der Vorsitzende des Virchowbundes für niedergelassene Ärzte, Dirk Heinrich, plädieren dafür.

Grund für die aktuelle Sommerwelle sind unter anderem neue Omikron-Varianten, die sich leichter ausbreiten. Laut einer Hochrechnung des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) macht der Subtyp BA.5 bereits bis zu 50 Prozent der Neuinfektionen aus. "BA.5 hat eine erhöhte Immunflucht", sagte Streeck. "Geimpfte können sich wieder infizieren, weil das Immunsystem die Variante nicht mehr ganz so gut erkennen kann. Zusätzlich ist sie auch etwas stärker ansteckend." Auf den anstehenden Herbst und Winter müssen man sich deswegen schon jetzt sehr gut vorbereiten. Auch die Sublinie BA.4 ist den Daten zufolge auf dem Vormarsch. Laut ALM mache sie bis zu 16 Prozent des Infektionsgeschehens aus.

mit dpa