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Spargelsaison

Spargelernte wegen Corona-Krise in Gefahr - Landwirte hoffen auf politische Hilfe

Die Spargelernte bereitet Landwirten in Deutschland große Sorgen: Tausende Erntehelfer könnten aufgrund der Entwicklungen wegen des Coronavirus den Spargelfeldern fern bleiben. Zudem sehen Bauern den Einsatz von ungeübten Kräften aus anderen Bereichen kritisch.
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Saisonbeginn
Die Spargelernte könnte für viele Landwirte 2020 zum Problem werden. Foto: Andreas Arnold/dpa

Wenn die Temperaturen steigen und der Frühling in Deutschland beginnt, ist auch die Spargelsaison nicht weit entfernt. Doch die Landwirte haben dieses Jahr ein unerwartetes Problem: Das Coronavirus. Die aktuellen Entwicklungen rund um das Virus betreffen mittlerweile so gut wie alle Bereiche des normalen Lebens. 

Im Hinblick auf die Spargelernte könnte das auch viele Bauern besonders hart treffen. Wie die Zeit berichtet wird befürchtet, dass tausende von Helfern wegen der Corona-Krise bei der Ernte fehlen könnten. Gleichzeitig seien ungeübte Aushilfen aus anderen Branchen kein gleichwertiger Ersatz, so die Ansicht der Bauern.

Landwirte fürchten um ihre Spargelernte

Im Gespräch mit der Zeit erklärt der Spargelbauer Matthias Beeck aus Reinfeld (Schleswig-Holstein), warum die Corona-Krise für seinen Betrieb so gefährlich ist. Demnach arbeite er bereits seit vielen Jahren mit dem gleichen Team, bestehend aus 24 Erntehelfern aus Polen, zusammen. Die Arbeitsabläufe seien eingeübt und jeder wisse genau, was er zu tun habe. Die Corona-Krise könnte Matthias Beeck dieses Jahr allerdings einen Strich durch die Rechnung machen - denn während die eine Hälfte seines Teams bereits die Spargelernte vorbereitet, ist die andere Hälfte noch nicht eingetroffen. Ob sich das jedoch in naher Zukunft ändert sei ungewiss, denn die europaweiten Reisewarnungen, Kontrollen und die kilometerlangen Staus zwischen Deutschland und Polen verhindern eine genaue Planung der weiteren Arbeit - auch wenn die Arbeiter selbst gewillt seien, zu kommen.

Sollte der Spargel dieses Jahr nicht rechtzeitig abgeerntet werden, hätte das wohl auch für die Ernte im nächsten Jahr weitreichende Folgen. Aber auch die Gastronomie würde darunter leiden. Denn Spargelrestaurants wie das von Matthias Beeck, welches ihm als zweites Standbein dient, hätten unter den aktuellen Umständen wohl kaum eine Überlebenschance.

Der Situation von Matthias Beeck ist kein Einzelfall: "Etwa 300.000 geschulte Erntehelfer aus den Balkanländern kommen pro Jahr nach Deutschland", sagt Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer gegenüber der Zeit.

Verschärfte Hygienemaßnahmen, um Ansteckungsgefahr mit Coronavirus zu verringern

Der Spargelbauer Christoph Werner aus Deinste (Niedersachsen) habe extra 100 Erntehelfer aus Rumänien einfliegen lassen. So soll versucht werden, die Ernte immerhin vom Feld holen zu können. Allerdings wartet er auf 100 weitere Helfer aus Polen. Da diese aber nach der Ernte in Polen eine 14-tägige Quarantäne absitzen müssen, befürchtet er diesbezüglich einige Absagen der Arbeitskräfte.

Im Gespräch mit der Zeit erklärt Christoph Werner verschärfte Vorsichtsmaßnahmen, die wegen der Corona-Krise eingeführt wurden. Bei den eingeflogenen Arbeitern wurde demnach schon am Flughafen die Körpertemperatur gemessen. Bei der Ernte "arbeiten alle viel im Freien, meist in festen Kleingruppen mit ausreichend Mindestabstand."

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner schlug vor kurzem vor, Mitarbeiter aus Unternehmen, die wegen der Corona-Krise ihren Betrieb einstellen mussten, in der Landwirtschaft einsetzen zu wollen. Viele Spargelbauern sehen dem Einsatz von ungeübten Aushilfskräften (besonders aus der Gastronomie- und Pflegebranche) kritisch entgegen. Denn: Die Spargelernte ist eine körperlich anstrengende Arbeit. Sechs Tage die Woche werde jeweils um die zehn Stunden täglich gearbeitet - das sei nicht für jeden geeignet.

Ungeübte Erntehelfer arbeiten weniger effektiv

Auch Matthias Beeck äußerte sich gegenüber der Zeit skeptisch zu diesem Vorschlag. Zwar sei er über jeden Helfer froh, jedoch merkt er auch an: "Wir haben das schon mal mit Arbeitssuchenden probiert. Das Experiment hat nicht lange gedauert." Beck benötige ungefähr zwei bis drei branchenfremde Helfer, um einen geübten Erntehelfer aus Osteuropa ersetzen zu können. Daniela Rixen, die Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, gibt zwar zu, dass der Umgang mit einem Spargelmesser erst einmal gelernt werden müsse - aufgrund der anstehenden Hochkonjunktur der Landwirtschaftsbetriebe jedoch jede Hilfe benötigt werde.

Hilfsarbeiter aus anderen Branchen überhaupt möglich?

Felix Löscher, ein Landwirt aus Winsen an der Luhe (Niedersachsen), hofft auf ein positives Signal aus der Politik. Er habe sich beim Arbeitsamt über Hilfsarbeiter aus anderen Branchen informiert - jedoch sei eine Beschäftigung von Personen, die bereits woanders angestellt sind, schwer umzusetzen. Wegen der unsicheren Umstände in Zeiten der Corona-Krise hofft er auf ein Entgegenkommen der Politik: "Erntehelfer sind kurzfristig beschäftigte. Das heißt, sie dürfen nur 70 Tage bei uns arbeiten. Wenn diese Regelung auf 90 oder 100 Tage ausgeweitet werden würde, wäre uns schon etwas geholfen", wird er in der Zeit zitiert.

Neben den Landwirten würde eine schlechte Spargelsaison auch andere Bereiche der Gesellschaft betreffen. So würden auch Gastronomen, Händler, Mitarbeiter in allen Bereichen und Großmärkte darunter leiden. Die drei Monate der Spargelernte seien demnach enorm wichtig für alle Beteiligten, viele Spargelbauern verdienen in dieser Zeit ihren gesamten Jahresumsatz, so Felix Löscher.

Knappe Spargelernte würde wohl auch Verbraucher treffen

Auch wenn noch nicht absehbar ist, inwiefern eine knappe Spargelernte letztendlich auch den Endverbraucher betrifft, so kann davon ausgegangen werden, dass der Spargel durch die Ernteausfälle wohl teurer werden wird. Weitaus dramatischer formuliert es Fred Eickhorst, Sprecher der Spargel- und Beerenanbauer, gegenüber der Zeit: "Geschlossene Grenzen und Einreiseverbote wegen Corona hätte Konsequenzen für die gesamte Lebensmittelversorgung." Schließlich gehe es nicht nur um die Spargelernte, denn gleich darauf folge bereits die Erdbeerernte.