Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Auffrischungsimpfungen für Senioren und immungeschwächte Menschen vor einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) verteidigt. "Ich will nicht warten, bis in den Pflegeheimen wieder Menschen sterben", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Samstag). "Dass wir jetzt mit den Booster-Impfungen begonnen haben, ist vorausschauendes, vorsorgliches Handeln. Damit schützen wir Menschenleben."

Mehrere Bundesländer haben damit angefangen, Pflegebedürftigen, über 80-Jährigen und Menschen mit Immunschwäche die dritte Impfung anzubieten, wenn die letzte mindestens sechs Monate zurückliegt, weil nach diesem Zeitraum die Wirkung deutlich nachlassen kann. Die Stiko plant nach Angaben ihres Chefs Thomas Mertens eine Empfehlung zeitnah.

Dritte Corona-Impfung auch ohne Stiko-Empfehlung: Spahn will "Menschenleben schützen"

Spahn verwies auf Studien, "die eindeutig belegen, dass Booster-Impfungen für Hochbetagte, Pflegebedürftige und Menschen mit bestimmten Immunerkrankungen Sinn machen". Er betonte: "Wir haben genug Impfstoff, um mit Booster-Impfungen für mehr Schutz zu sorgen."

Die Impfquote bezeichnete Spahn als "noch zu niedrig", um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. "Wir sehen derzeit eine Pandemie der Ungeimpften." Die Infektionszahlen bei den Ungeimpften seien mehr als zehn Mal höher als bei den Geimpften, 90 Prozent der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen seien ungeimpft.