Zahlreiche Unwetter, Tornados in mehreren Teilen Deutschlands und das erste Mal schon Temperaturen über 30 Grad: Was das Wetter angeht, war der Mai 2022 ein extremer Monat. Doch wie werden die kommenden Monate? Setzt sich der Extremwetter-Trend im Sommer weiter fort? Wetterexperten geben eine deutliche Einschätzung.

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Teilen Europas macht sich der Trend zum Extremwetter bereits bemerkbar. In Spanien gab es bereits jetzt Temperaturen über 42 Grad. Sie sind ein Vorgeschmack auf den Sommer: Denn in Südeuropa, prognostizieren Meteorologen, gibt es überhaupt keine kühlen Sommermonate mehr. Es ist also immer warm und oft auch heiß. Werte von 40 oder 45 Grad wird es dort auch in diesem Jahr wieder geben.

Sommer 2022: Voraussichtlich heiß und trocken

Für Experten ist klar: Die hohen Temperaturen im Mai sind kein Zufall. „Der Klimawandel ist an allen Orten präsent“, sagt Dr. Peter Hoffmann (48) vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gegenüber der Bild Zeitung. Es handele sich dabei nicht bloß um Einzelereignisse - auch die Mittelwerte würden übers Jahr ansteigen.

Wetterextreme wie Trockenheit, aber auch Starkregen nehmen zu - auch in unseren Breiten. „Wir könnten uns entwickeln wie eine nördliche Mittelmeer-Region", prognostiziert der Potsdamer Forscher.

Doch was genau bedeutet das für den Sommer 2022 in Deutschland? Früher waren die Monate zwischen Juni uns September in unseren Breiten eher feucht - und genau das könnte sich nun dauerhaft ändern. Stattdessen könnte es so heiß und trocken werden wie auf Sizilien. Prognosen des europäischen Wetterdiensts ECMWF bestätigen das: Im Klimamittel wird jeder Sommermonat zwischen 1 und 2 Grad zu warm ausfallen. Für Deutschland gilt: Im Süden wird es warm bis heiß und im Norden eher durchschnittlich, mit dem Risiko auf etwas mehr Regen.

Wetterextreme in Deutschland: Hitzewellen nehmen zu

Der voraussichtlich heiße und trockene Sommer 2022 setzt die Wettertradition der vergangenen Jahre fort:  „In weiten Teilen des Landes haben wir praktisch Dauer-Dürre seit 2018, da gehen wir ins fünfte Dürrejahr“, sagt Wetterexperte und Buchautor Toralf Staud (49, „Wir Klimaretter“). Auch die Anzahl von Hitzewellen nehme zu.

Der Progonose schließt sich auch der Wetterexperte Dominik Jung an. Er sieht in den jüngsten Prognosen der Wetterdienste ECMWF viele Probleme auf uns zukommen. Wenig Regen insgesamt und zu hohe Temperaturen: „Damit dürften wir an die sehr warmen und extrem trockenen Sommer aus dem Jahr 2018 und 2019 rankommen, diese vielleicht sogar noch überbieten", so Jung. 

Dies hätte womöglich weitreichende Folgen. Die letzten beiden Jahre waren zwar etwas niederschlagsreicher, hätten aber bei weitem nicht ausgereicht, um die trockenen Jahre zuvor auszugleichen. Der Frühling 2022 war bisher äußerst trocken. Laut Dominik Jung bräuchte es zwei bis drei nasse Winter, um das Wasserdefizit in Deutschland wieder auszugleichen. Viel Wind und sogar Sturmböen, die häufiger auftreten, trocknen den Boden zusätzlich aus. 

Folgen der Trockenheit: Ernteausfälle und Lieferengpässe

Ein weiterer trockener Sommer würde die Landwirtschaft hart treffen und damit uns alle. Es könnte zu schlechteren Ernten und damit zu Lieferengpässen kommen. Durch den Ukraine-Krieg gebe es ja ohnehin schon Probleme mit Weizenlieferungen, diese Situation könnte sich noch verschärfen, so Jung. 

In der Folge könnten Preise für Lebensmittel weiter steigen, wenn die Lieferungen mit Weizen weniger werden oder ausbleiben. "Landregen wäre dringend nötig", sagt Dominik Jung gegenüber wetter.net und blickt mit Sorge auf die Sommermonate. Momentan sieht es nicht nach Besserung aus. 

Vorschaubild: © Sina Schuldt (dpa)