Karlsruhe (Baden)
Samenspende

"Solo-Mamas": Immer mehr Frauen verwirklichen ihren Kinderwunsch alleine

Viele Frauen wünschen sich Kinder. Doch manche finden einfach keinen geeigneten Partner für die Familiengründung. Deswegen greifen immer mehr Frauen zur Samenspende.
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Immer mehr Frauen entscheiden sich  für eine Samenspende, um alleine ihren Kinderwunsch zu realisieren. Symbolfoto: Christin Klose/dpa
Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Samenspende, um alleine ihren Kinderwunsch zu realisieren. Symbolfoto: Christin Klose/dpa

Maria Herbst (Name geändert) dachte das erste Mal mit 24 Jahren an eine Samenspende. "Ich hatte damals zwar einen Freund, aber da war schon der Gedanke, im Zweifelsfall auch alleine ein Baby zu bekommen", erzählt die 31-jährige Informatikerin am Telefon. An ihrem 30. Geburtstag war sie wieder single, doch der Kinderwunsch bestand nach wie vor. "Der Gedanke, dass die Fruchtbarkeit ab dem dritten Lebensjahrzehnt sinkt, war sehr präsent in mir", sagt sie.Sie begann auf Dating-Portalen nach einem Partner zu suchen, konnte aber keinen passenden Mann finden. Da entstand das erste Mal die Idee, auch alleine ein Kind bekommen zu können. Sie recherchierte im Internet und stieß auf sogenannte "Single-Moms" oder "Single Moms by choice". "Da war mir klar, das geht, ich will ein Kind", sagt Marie Herbst.

Sie wurde schwanger

Noch im selben Jahr entschied sich Marie Herbst für einen offenen Spender aus Dänemark. Sie wählte das Land, weil sie dort Informationen über die Biografie und die Interessen des Spenders erhalten habe. "Offen" bedeutet, dass das Kind später die Möglichkeit hat, Kontakt zu seinem Erzeuger aufzunehmen. Zwei Zyklen und neun Monate später brachte Marie Herbst ihren ersten Sohn zur Welt. Gerade am Anfang habe sie eine Mordsangst gehabt, ob sie es alleine schaffe und sei "total platt" gewesen. "Aber mein Kind macht mich sehr glücklich", unterstreicht sie.

Immer mehr "Single-Moms"

Im Jahr 2019 scheint das Familienmodell der "Single-Moms", offensichtlich gar nicht mehr so ungewöhnlich zu sein. Es gibt keine offiziellen Zahlen zu Frauen, die sich künstlich befruchten lassen, allerdings hat beispielsweise das Berliner "Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche" beobachtet, dass immer mehr Frauen auch ohne Partner schwanger werden. Auch Constanze Bleichrodt, Geschäftsführerin der Münchner Samenbank "Cryobanl" bestätigt diesen Trend: "Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt, aber irgendetwas ist passiert."Noch vor ein paar Jahren hätten sich Singlefrauen nur gelegentlich an sie gewendet. Im vergangenen Jahr habe die Praxis schon 51 Frauen behandelt. "Und alleine in den ersten zweieinhalb Monaten von 2019 kamen schon 54 Frauen zur Beratung", erzählt Bleichrodt. Somit machten "Single-Moms" im ersten Quartal 2019 schon 36 Prozent ihrer Klientinnen aus.

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Mögliche Ursachen

Das Samenspenderregistergesetz, das 2018 in Kraft getreten ist, könnte laut Bleichrodt ein Grund dafür sein, dass immer mehr Frauen ihren Kinderwunsch alleine realisieren. Es räumt Samenspender-Kindern das Recht ein, bei einem zentralen Register Auskünfte über ihren Erzeuger einzuholen. "Sicher spielt aber auch der Erfahrungsaustausch im Internet und das Interesse der Presse eine Rolle", fügt sie hinzu. Momentan dürfen nur Ärzte aus Bayern und Berlin Frauen ohne Partner künstlich befruchten. Die Kosten variieren je nach Klinik und Samenbank. Wenn die Behandlung beim ersten Mal klappt, kostet sie circa 2.000 Euro. - kann aber auch deutlich teurer werden.

Menschen sind später erwachsen

In ihrem Buch "Dann mach ich es halt allein" von der Soziologin Christina Mundlos schreibt sie, dass Männer und Frauen sich heute noch nicht so früh erwachsen fühlen wie noch vor 50 Jahren. Beide Geschlechter wollen erst Mal beruflich auf eigenen Beinen stehen und ihre Freiheit genießen, bevor es an die Familienplanung geht. Viele Frauen beginnen aber ab 30 ihre biologische Uhr ticken zu hören, wohingegen viele Männer einer "solchen Verantwortung" zögerlich gegenüberstünden. Gut verdienende Akademikerinnen griffen dann am häufigsten auf die Reproduktionsmedizin zurück.

Ein langer Entscheidungsprozess

Laut Soziologin Mundlos hätten sich fast alle Solo-Mamas ursprünglich eine klassische Familie gewünscht. Doch aus Angst, für immer kinderlos zu bleiben, wird eine künstliche Befruchtung für viele Frauen eine realistische Option. Mundlos erklärt, dass die Entscheidung für eine Alleinerziehende-Mutterschaft so gut wie nie leichtfertig getroffen werde. "Oft geht eine langwierige Phase der Entscheidungsfindung voraus." Alle möglichen Hürden, wie finanzielle Belastungen und Einschränkungen im Alltag werden abgewogen. Aber auch kritische Reaktionen aus dem Umfeld werden von vielen Frauen befürchtet. Marie Herbst erzählt, dass vor allem ältere Menschen ihrem Vorhaben skeptisch gegenüber standen. "Mein Vater fand es zunächst ganz furchtbar. Er meinte, das wird doch kein richtiges Kind", berichtet sie. Heute habe ihr Vater eine sehr enge Bindung zu ihrem Sohn. "Darüber bin ich sehr froh, denn so hat mein Kind auch ein männliches Vorbild."

Kein Platz für einen Partner

Für einen Partner sieht Marie Herbst in den nächsten Jahren erstmal keinen Platz in ihrem Leben.

"Es hat viele Vorteile, Solo-Mama zu sein, zum Beispiel muss ich nicht über die richtige Erziehung streiten", sagt sie. Ab Sommer wird sie wieder zu 80 Prozent in ihrer alten Stelle arbeiten. Über ein zweites Kind würde sie sich freuen, könne sie sich aber derzeit nicht leisten.

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