Die Kultusministerinnen und -minister der Länder haben das Ziel bekräftigt, dass es in diesem Schuljahr nicht wieder zu Schulschließungen kommen soll.

Es sei «unerlässlich», die Schulen offen zu halten und den Präsenzunterricht dauerhaft zu sichern, hieß es in einem gemeinsamen Beschluss nach Beratungen der Minister am Freitag in Potsdam. Ein sofortiges Ende aller Corona-Maßnahmen an Schulen hält die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst (SPD), allerdings nicht für richtig, wie sie nach dem Treffen sagte. Je nach Bundesland hatte es zuletzt Lockerungen bei der Maskenpflicht im Unterricht gegeben. Im Saarland muss an Schulen grundsätzlich keine Maske mehr getragen werden.

Die Hilfsorganisation Save the Children berichtete am Freitag von einer weltweiten Zunahme von psychischen Erkrankungen bei Kindern durch Lockdown-Maßnahmen wie Schulschließungen. Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland bewegen sich momentan eher seitwärts. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) hat es seit August aber vermehrt Corona-Fälle an Kitas und vor allem Schulen gegeben. Die Kultusminister zeigten sich davon nicht überrascht und sehen darin auch keinen Grund zur Sorge.

Keine große Bewegung bei Corona-Zahlen

Die Zahl der innerhalb eines Tages festgestellten Neuansteckungen wurde am Freitag vom RKI mit 10.429 angegeben. Vor einer Woche waren es 10.118 Ansteckungen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 63,8 (Vortag 62,6, Vorwoche 64,3, Vormonat 82,7). Auch bei der Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner - dem inzwischen für eine mögliche Verschärfung von Corona-Maßnahmen wichtigsten Paramater - gab es im Wochenvergleich wenig Veränderung: Sie lag am Donnerstag bei 1,61, was in etwa dem Wert der Vorwoche entspricht. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

In seinem Wochenbericht schreibt das RKI, dass die übermittelte Häufigkeit von Corona-Ausbrüchen an Schulen und Kitas in diesem Jahr etwa zwei Monate früher steige als im Vorjahr. Demnach wurden für die vergangenen vier Wochen 201 Kita- und 481 Schulausbrüche übermittelt. Ab zwei festgestellten Infizierten an einer Einrichtung wird dies als Ausbruch definiert.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), zeigte sich nicht überrascht. «Wir wussten, dass die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu den Erwachsenen höher sein werden, weil wir eine spätere Impfempfehlung haben beziehungsweise für die unter 12-jährigen Kinder gar keine Impfempfehlung und auch keinen Impfstoff.» Da aus einer Inzidenz nicht automatisch eine Erkrankung oder schwere Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen folge, sondern dies Ausnahmen seien, «ist es einfach für uns nicht besorgniserregend», fügte sie für die Kultusminister hinzu.

Maßnahmen wie die Maskenpflicht und Tests an Schulen sind nach Ansicht der KMK-Präsidentin weiterhin notwendig. Eine komplette Abschaffung von einem auf den anderen Tag werde es nicht geben. Sie begründete das mit der Abwägung, die dabei getroffen werden müsse: Das Robert Koch-Institut (RKI) empfehle, an den Masken festzuhalten - anders als die Kinder- und Jugendärzte, die davon abrieten. «Ich hoffe sehr, dass wir irgendwann diese Maßnahmen nicht mehr brauchen.» Das sei aus ihrer Sicht spätestens irgendwann im nächsten Jahr der Fall.

Fazit aus vergangenem Winter gezogen

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) begründete die Aufrechterhaltung der Maßnahmen an vielen Schulen auch mit der öffentlichen Debatte und den Erfahrungen aus dem vergangenen Winter. Da hätten sich die Kultusminister für ihre Position, die Schulen möglichst offenzuhalten, heftig gegen Angriffe und Vorwürfe wehren müssen. Nach wie vor weise etwa das Robert Koch-Institut «stets auf die besonderen Gefahren des Schulbetriebs» hin, sagte Rabe. «Wenn wir ein ernstes Interesse daran haben, die Schulen offen zu halten, dann nehme ich lieber eine Sicherheitsmaßnahme mehr (...), als dass es wieder zu erneuten Schulschließungsdebatten kommt.»

Einer Analyse der Hilfsorganisation Save the Children zufolge hat es durch Corona-Lockdowns weltweit einen «besorgniserregenden Zuwachs» an Fällen von Depressionen, Angstzuständen, Einsamkeit und sogar Selbstgefährdung bei Kindern gegegeben. Ausgewertet wurden Umfrageergebnisse von mehr als 13.000 Kindern in 46 Ländern. 83 Prozent berichteten demnach über einen Anstieg von negativen Gefühlen aufgrund der Pandemie. Diese Gefühle zeigten sich bei der Mehrheit der Kinder (96 Prozent) weitaus stärker, nachdem Schulen bereits über 17 Wochen geschlossen waren.

Die Corona-Maßnahmen seien wichtig, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Aber soziale Isolation könne bei Kindern Angst und Depressionen hervorrufen, sagte Marie Dahl, Leiterin des Bereichs psychische Gesundheit von Save the Children.

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