Deutschland ist wegen der Corona-Pandemie wieder ungewohnt beschaulich ins neue Jahr gestartet. Einige größere Feierlichkeiten gab es bei frühlingshaften Temperaturen aber trotzdem, auch etliche schwere Unfälle mit Feuerwerkskörpern ereigneten sich. Das Hantieren mit vermutlich selbstgebauten Böllern kostete einen Mann in Hennef bei Bonn das Leben. In Thüringen starb ein 20-Jähriger bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers. Auch in Franken kam es zu Unfällen: Unter anderem wurden in Bayreuth und Forchheim Menschen verletzt. 

Zahlreiche Böller waren zu hören und Raketen zu sehen, obwohl in Deutschland vor dem Jahreswechsel kein Feuerwerk verkauft werden durfte, um Rettungsdienste und Krankenhäuser nicht durch Verletzte weiter zu belasten. Einiges stammte mutmaßlich aus illegalen Quellen. Der Verein Deutsche Umwelthilfe sah in einer ersten Einschätzung eine deutlich niedrigere Feinstaubbelastung als in der Zeit vor der Pandemie.

Kleine Silvesterfeiern und mildes Wetter: 2022 startet ungewöhnlich

Private Feiern waren in Deutschland wegen der Pandemie und vor allem aus Furcht vor der neuen Omikron-Virusvariante nur in kleinem Rahmen erlaubt. Große Feiern wie die traditionelle Silvestersause am Brandenburger Tor fielen häufig gleich ganz aus - ebenso das dazugehörige große Feuerwerk.

Noch etwas war in der Silvesternacht ungewöhnlich: Am letzten Tag des alten Jahres war es rekordverdächtig mild, ein bundesweiter Rekordwert wurde nach Messungen des Deutschen Wetterdiensts (DWD) aber haarscharf verfehlt. Der Höchstwert wurde demnach am Freitag in Freiburg mit 16,9 Grad gemessen. Der Höchstwert für einen 31. Dezember in Deutschland liegt bei 17,0 Grad, die 1961 im baden-württembergischen Müllheim gemessen wurden. Lokal wurden aber an den meisten ausgewerteten Stationen neue Höchstwerte aufgestellt.

In der Hauptstadt versammelten sich in der Nähe um Mitternacht mehrere Tausend Menschen. Viele von ihnen wollten laut Polizei den Jahreswechsel am Brandenburger Tor feiern und standen zu nah beieinander. Beamte hätten die Menschen aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, die Menschenmenge habe sich nach und nach aufgelöst. Die Berliner Polizei hatte vor Mitternacht auf Twitter darauf hingewiesen, dass die Fernsehshow «Willkommen 2022» des ZDF von außen nicht einsehbar sei. Auf der Bühne traten unter anderem Bonnie Tyler, Adel Tawil und die Band Glasperlenspiel auf - wegen der Pandemie ohne Publikum. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) war per Video zugeschaltet und sagte mit Blick auf die Pandemie, für 2022 sehe er "Licht am Ende des Tunnels".

Schwere Böller-Unfälle - unter anderem in Forchheim und Bayreuth: Auch in Franken werden Menschen verletzt 

  • Ein drei Jahre altes Mädchen wurde in Forchheim in Oberfranken beim Silvesterfeuerwerk verletzt. Es erlitt leichte Verbrennungen an der Hand. Den Vater erwartet laut Polizei eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.
  • Im Landkreis Bayreuth erlitt ein 25-Jähriger eine schwere Augenverletzung, als mehrere Geschosse einer Feuerwerkbatterie in seinem Gesicht landeten. Er kam in eine Spezialklinik.
  • In Leipzig wurde ein Mann beim Zünden eines vermutlich ebenfalls selbstgebauten Böllers lebensbedrohlich verletzt, wie ein Polizeisprecher sagte. Im Osten von Berlin wurden gleich zwölf Menschen bei der Explosion von illegalem Feuerwerk verletzt. Der jüngste Verletzte ist laut Feuerwehr ein elfjähriger Junge. Im Berliner Unfallkrankenhaus wurden unter anderem fünf «Bölleropfer mit Verbrennungen und Handverletzungen operativ versorgt». Zwei Menschen würden behandelt, die sich Körperteile abgesprengt hätten, sagte eine Sprecherin.
  • Mindestens zwei Menschen wurden in Hamburg beim Abbrennen von Feuerwerk schwer verletzt. In einem Fall explodierte nach Angaben der Polizei ein Böller in einer selbstgebastelten Abschussvorrichtung und verletzte einen 50-jährigen Mann schwer im Gesicht, er schwebe in Lebensgefahr. Trotz eines Ansammlungsverbots waren nach Worten der Beamten Tausende Menschen in der City unterwegs.
  • Bei der Explosion einer Gasflasche während einer Silvesterfeier in Melle (Niedersachsen) wurden mehrere Menschen verletzt, ein 18-Jähriger erlitt Verbrennungen.
  • Nach einem Wohnungsbrand in der Nacht zum Neujahrstag starb in Augsburg ein Mann. Der 67-Jährige war bei dem Feuer zunächst schwer verletzt von der Feuerwehr aus der Wohnung geholt worden. Danach habe die Wohnung voll gebrannt, teilte die Feuerwehr am Samstag mit. Der Mann kam in eine Spezialklinik, wo er nach Polizeiangaben starb. Wieso es zu dem Feuer kam, war zunächst unklar, die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf.
  • In Eichstätt verletzte sich ein 24 Jahre alter Mann beim Zünden eines Böllers schwer. Durch die Explosion sei ihm ein Finger der linken Hand komplett abgetrennt worden, hieß es bei der Polizei.
  • Im emsländischen Meppen wurde ein Mann in der Silvesternacht von einem Notarztwagen überfahren und starb. Seine Identität konnte zunächst nicht geklärt werden.
  • Bei einer familiären Silvesterfeier in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) führte der Genuss von Haschkeksen zu Übelkeit und Magenschmerzen. Die vier Feiernden riefen noch vor Mitternacht den Rettungsdienst.
  • In Stuttgart kam es gegen Mitternacht beim zentralen Schlossplatz zu Auseinandersetzungen. Einige aggressive Partygänger hätten die Beamten bedrängt und mit Böllern beworfen - die Polizei ging nach eigenen Angaben mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Menge vor. Mit einer Schreckschusswaffe schoss ein Mann in Wörth (Rheinland-Pfalz) auf Polizisten, zwei Beamte wurden leicht verletzt.

Hennef: Tödlicher Böller-Unfall auf privater Silvesterfeier

Der tödliche Böller-Unfall in Hennef ereignete sich laut Polizei bei einer privaten Silvesterfeier von zehn Leuten. Kurz nach Mitternacht habe es einen sehr lauten Knall gegeben, zwei Männer hätten schwer verletzt am Boden gelegen. Für einen 37-Jährigen kam jede Hilfe zu spät, ein 39-Jähriger kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik. Ein 23-Jähriger Österreicher kam südwestlich von Wien bei der Explosion einer Kugelbombe ums Leben.

Der in Thüringen tödlich verunglückte Mann habe einen Böller gezündet, der dann explodierte, sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend auf Anfrage. Der Vorfall habe sich in der Silvesternacht in einem Ort im Saale-Holzland-Kreis ereignet. Wie es dazu kommen konnte, werde noch ermittelt.

Bereits am Silvestertag war bei einer Silvesterknallerei ein zwölfjähriger Junge in den Niederlanden ums Leben gekommen. Ein weiterer Junge erlitt unweit von Enschede schwere Verletzungen. Die Kinder hatten nicht selbst mit Feuerwerkskörpern hantiert, sondern zugeschaut, wie ein Mann Magnesiumpulver zur Explosion brachte. Der Mann wurde festgenommen.

Ausschreitungen in Stuttgart - ansonsten ruhige Silvesternacht 

Infolge von Ausschreitungen in der Silvesternacht im Leipziger Osten ermittelt die Polizei wegen Landfriedensbruchs. Etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht seien Meldungen zu brennenden Gegenständen auf einer Straßenkreuzung eingegangen, teilte die Polizei in der Nacht mit. Auf der Eisenbahnstraße hätten sich Personen «im mittleren dreistelligen Bereich» gesammelt. Aus einer Gruppe heraus seien Einsatzkräfte und Fahrzeuge der Polizei beworfen worden. Es habe keine Verletzten gegeben.

Tendenziell blieb es in Deutschland aber weitgehend ruhig: "Hier und da gab es ein paar Böller, hier und da eine kleine Schlägerei. Im Verhältnis zum Anlass war das aber minimal», sagte ein Polizeisprecher in Hamburg. Ein Sprecher der Polizei in Kiel sagte: «Das war deutlich weniger als vor Corona." Größere Zwischenfälle habe es nach vorläufiger Übersicht neben dem tödlichen Böller-Unfall in Hennef nicht gegeben, hieß es in NRW. Allerdings wurden dort mehr Straftaten und mehr Verletzte registriert als im Vorjahr. Das bundesweite Verkaufsverbot von Feuerwerk führte nach einer ersten Einschätzung des Vereins Deutsche Umwelthilfe an einigen Orten zu einer deutlich geringeren Feinstaubbelastung in der Silvesternacht. Die Belastung der Luft mit dem potenziell gesundheitsschädlichen Feinstaub sei laut einer ersten Auswertung behördlicher Messdaten um teilweise weit über 90 Prozent zurückgegangen verglichen mit dem letzten Silvester ohne Verbot 2019/2020.

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