"Schwuchelbinde" getragen - AfD-Politiker steht nach homophoben Tweet vor Parteiausschluss: "Das ist nicht die AfD" - mit diesem Statement distanziert sich die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, auf Twitter von einem Post ihres Parteikollegen Uwe Junge. Er könne sich die Partei demnächst von außen anschauen, schob sie hinterher. Weidel, die sich in einer Partnerschaft mit einer Frau befindet, reagierte damit auf einen homophoben Tweet des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der AFD-Fraktion im Landtag in Rheinland-Pfalz.

Der hatte am Samstagabend über die Armbinde von Kapitän Neuer "beschwert". Er teilte zudem einen Bericht der Sportschau, wonach die Arena in München beim letzten Vorrundenspiel der Deutschen gegen Ungarn in Regenbogenfarben beleuchtet werden soll - als Statement gegen ein von der Regierung Orbán beschlossenen Gesetz gegen Homosexualität. Junge schrieb: "Münchner Arena soll beim Ungarn-Spiel in Regenbogenfarben leuchten und Neuer trägt die Schwuchtelbinde statt unserer Nationalfarben." Jetzt fehle noch der Kniefall und "ihr werdet immer mehr Fans verlieren", fügte der Politiker an.

Nach "Schwuchtelbinde"-Tweet: Weidel fordert Politiker zum Austritt aus AfD auf

Mittlerweile hatte Junge seinen Tweet gelöscht. In einem weiteren Post entschuldigt er sich für den Begriff "Schwuchtelbinde" - inhaltlich bleibe er aber dabei, schrieb er, "dass derartige Statements nichts an oder auf dem Trikot der Nationalmannschaft zu suchen haben." Unsere Farben seien schwarz, rot und gold.

Ob Junge damit dem drohenden Parteiausschluss entgegenwirken möchte, ist unklar. Mit seinem Tweet sei er „eindeutig zu weit gegangen“, sagte Alice Weidel im Interview mit Welt. Er solle die Partei verlassen. Zur einer Münchner Arena in Regenbogenfarben äußerte sich Weidel allerdings nicht. Der Plan gleich mehrere Stadträte in München trifft auf breite Zustimmung. Bereits über 73.000 haben eine Petition auf change.org unterzeichnet.

Doch ob die bunten Farben, die weltweit als Symbol für Toleranz und sexuelle sowie geschlechtliche Vielfalt gelten, wirklich vom Stadionrund aus in die Welt strahlen, war drei Tage vor dem Spiel noch offen. Das letzte Wort hat als EM-Ausrichter die Europäische Fußball-Union UEFA - und die hat sich offiziell noch nicht zu der Initiative geäußert.

Arena in München in Regenbogenfarben? Sie muss entscheiden

Das werden die Fußballfunktionäre aber wohl bald müssen, denn am Montag will der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die UEFA mit einem Brief zum Regenbogen-Protest auffordern. «Der OB wird bereits morgen einen Brief an die UEFA schreiben», sagte seine Sprecherin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist ein wichtiges Zeichen für Toleranz und Gleichstellung», sagte Reiter.

Das Spiel Deutschland gegen Ungar steigt am Mittwoch (23.06.2021) um 21 Uhr. Nach dem torreichsten Spiel der EM bisher - das Spiel gegen Portugal gewann Deutschland mit 4:2 - können sich die Deutschen berechtigte Hoffnungen auf das Achtelfinale machen. In Bamberg jubelten die Fans auf der Altenburg über den Sieg der deutschen Nationalmannschaft.