Bereits am 13. Dezember soll Deutschland den Impfstoff für 5- bis 11-Jährige erhalten – das verkündete noch Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch. Ursprünglich war die Lieferung von Biontech erst für den 20. Dezember geplant. Nach der EU-Zulassung fehlt somit nur noch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Laut Stiko-Mitglied Martin Terhardt sei das kein Problem. In der Sendung von Markus Lanz verkündete der Kinderarzt am Mittwochabend, dass mit der Lieferung des Impfstoffes auch die entsprechende Empfehlung der Stiko vorliegen werde. Es sollte nicht die einzige Aussage sein, mit der das Stiko-Mitglied an diesem Abend für Verwunderung sorgte. 

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"Wir haben im Sommer geschlafen", bemängelte Terhardt zunächst. Man habe über den Sommer hinweg bundesweit keine richtige Strategie entwickelt, wie hinsichtlich einer zu niedrigen Impfquoten vorgegangen werden müsse. Den schwarzen Peter hierfür hatte jedoch unter anderem Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, am Vortag bei Markus Lanz bereits Expertengruppen wie der Stiko zugeschoben: Der CDU-Politiker hatte behauptet, die Politik sei aus Kreisen der Wissenschaft falsch beraten worden. "Wir mussten als Stiko schon mehrfach eine Faust in der Tasche machen", entgegnete Terhardt konfrontiert mit derartigen Vorwürfen.

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Nichtsdestotrotz räumte der Mediziner ein, dass auch er sich häufig ein schnelleres Handeln gewünscht habe. Tatsächlich liege die Geschwindigkeit, mit der die Ständige Impfkommission Empfehlungen aussprechen könne, aber vorrangig daran, wie das Team zusammengestellt sei. Die Stiko sei lediglich ein ehrenamtliches Gremium und bestehe aus insgesamt 18 Mitglieder. Da lediglich drei Stellen der Stiko-Geschäftsstelle des Robert-Koch-Instituts (RKI) überhaupt hauptamtlich besetzt seien, sei der derzeitige Aufbau "für Pandemien nur begrenzt geeignet", erläuterte der Facharzt in der Talkshow.

 

Normalerweise dauere es im Schnitt zwei Jahre, bis die Stiko eine Impfempfehlung ausspreche, erklärte Terhardt. "Wir haben das jetzt auf mehrere Wochen eingedampft, weil wir für sehr viel verschiedene Impfstoffe Entscheidungen treffen mussten." Das habe angesichts der Notlage auch funktioniert, doch kurzfristigere Empfehlungen seien allein aufgrund der "Ressourcenknappheit" kaum möglich. Für "schnelle Entscheidungsbedürfnisse" sei die Stiko schlichtweg nicht gemacht.

Dass die Stiko nach wie vor auf ehrenamtlicher Basis arbeitet, sorgte im ZDF-Studio für Bestürzung. "In diesem Land, das passt einfach nicht zusammen, dass die Stiko ehrenamtlich - mit 18 Leuten - mit dieser Art von Ressourcen ausgestattet sind", fasste der Physiker und RKI-Wissenschaftler Dirk Brockmann zusammen. Er forderte eine Neuorganisation: Man benötige interdisziplinäre Teams, die hauptberuflich ihre Expertise anwenden und erweitern könnten. "Für die Stiko würde das bedeuten, sehr viel Geld, sehr viele Leute, die mit Expertise sofort reagieren", so Brockmann.

Organisation der Stiko ist "einigermaßen frappierend"

SPD-Ministerpräsident Stephan Weil begrüßte eine Umstrukturierung ebenfalls. "Wer auch immer Gesundheitsministerin oder Gesundheitsminister wird: Die erste Frage an die Stiko sollte sein, welche Ressourcen sie brauchen. Und dann sollte genau das sehr schnell bereitgestellt werden", so der niedersächsische Ministerpräsident. Die derzeitige Organisation sei "einigermaßen frappierend", stellte der sichtlich verblüffte Politiker fest - und sprach damit aus, was sich wohl auch viele Zuschauer zu Hause dachten.


So konnte etwa ein Twitter-Nutzer sein Entsetzen kaum verbergen: "Lerne gerade, dass die Stiko, die zentrale Institution zur Zulassung und Beurteilung von Impfstoffen, aus 18 ehrenamtlichen Ärzten besteht, die nach Feierabend beraten. Seit 2 Jahren hat sich daran nichts geändert. Seid ihr verrückt, Jens Spahn, RKI und Regierung?" Auch ein anderer User zeigte sich fassungslos: "3 hauptamtliche Mitarbeiter der Stiko. 2021 in einer Pandemie. Das muss ich erstmal sacken lassen."

Zum Weiterlesen: Wieso der Chef der Stiko seine eigenen Kinder nicht impfen lassen würde. 

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