Vom Stalking über Vergewaltigung bis hin zum Mord: Ingesamt 138.893 Menschen sind in Deutschland im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner geworden. 147 Frauen wurden dabei getötet, wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten "Kriminalstatistischen Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2017" des Bundeskriminalamts hervorgeht.

"Häufiger als jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet", sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). "Diese Zahlen sind schockierend, denn sie zeigen: Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort - ein Ort, an dem Angst herrscht." Ein aktueller Fall aus Coburg beschäftigt aktuell die Ermittler. Ein 34-jähriger Mann hat am Montag seine von ihm getrennt lebende Ehefrau getötet. Der Mann wurde festgenommen.

Dunkelziffer noch höher?

Zu den erfassten Delikten gehören Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung sowie Zuhälterei und Zwangsprostitution. Mehr als 82 Prozent der Betroffenen seien Frauen. Fast die Hälfte von ihnen habe in einem Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Giffey ging davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen deutlich höher ist als in der Statistik erfasst.

Die Auswertung des BKA zeigt zudem, dass rund zwei Drittel der Tatverdächtigen deutsche Staatsbürger sind. Ein Migrationshintergrund wird nicht erfasst. "Häusliche Gewalt geht durch alle Gruppen", betonte Giffey. Generell sei die Gefahr höher, wenn Alkohol, Geldsorgen und psychische Probleme im Spiel seien. Doch auch in gut situierten Familien gebe es Fälle.

Die Leiterin des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen", Petra Söchting, stellte die neue Kampagne "Aber jetzt rede ich" vor, die Frauen ermutigen soll, sich bei Gewalt Hilfe zu holen. Obwohl jede dritte Frau statistisch mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erfährt, suchen den Angaben nach nur 20 Prozent der Betroffenen Unterstützung.

Bessere Hilfe für Frauen und Kinder

Das Hilfetelefon ist beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben angesiedelt. In fünf Jahren seit seiner Gründung seien mehr als 140.000 Menschen per Telefon, Chat oder E-Mail beraten worden. Söchting sagte, die Zahl der Anfragen steige.

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, die Hilfestrukturen für Frauen und Kinder zu verbessern, die von Gewalt betroffen sind. Auch ein bedarfsgerechter Ausbau sowie die finanzielle Absicherung der Arbeit von Frauenhäusern soll erreicht werden. Giffey sagte, dass ein Runder Tisch von Bund, Ländern und Kommunen bereits eingerichtet worden sei. Derzeit gebe es bundesweit 350 Frauenhäuser und 600 Fachberatungsstellen, die rund 30.000 Frauen und Kinder versorgen könnten. Der Bedarf sei aber wesentlich größer. Giffey sprach sich dafür aus, langfristig einen Rechtsanspruch auf Schutz gegen Gewalt zu schaffen.

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