• Sturmtief Ignatz zieht über Deutschland
  • Deutschlandweit Schäden gemeldet
  • Zugverkehr in Teilen Deutschlands eingeschränkt - Gleise teils blockiert
  • Sturm zieht Richtung Südosten - Schäden in Franken

Sturmtief "Ignatz"  hat in vielen Teilen Deutschlands Schäden hinterlassen. Dabei haben vor allem umgestürzte Bäume und umherfliegende Äste und andere Gegenstände für Schäden gesorgt - gerade im Verkehr gab es vielerorts Probleme. 

Update vom 21.10.21, 15.15 Uhr: Erste Bilanz und weitere Warnungen - deutschlandweit zahlreiche Einsätze

Das Sturmtief über Deutschland hat am Donnerstag zu starken Einschränkungen im Bahnverkehr geführt. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurde der Regionalbahnverkehr bis auf Weiteres eingestellt, wie die Deutsche Bahn (DB) mitteilte. In Nordrhein-Westfalen fuhren zeitweise keine Fernverkehrszüge. Besonders im Saarland, in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern komme es zu Zugausfällen und Verspätungen, teilte die DB mit. Im Laufe des Tages rechnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit schweren Sturmböen und teilweise orkanartigen Böen.

"Hunderte Mitarbeitende sind im Einsatz, um Bäume und andere Hindernisse aus den Gleisen zu räumen, Oberleitungen zu reparieren und Schäden aufzunehmen", teilte eine DB-Sprecherin mit. Fahrgäste, die aufgrund des Unwetters ihre Reise verschieben wollen, könnten ihr gebuchtes Ticket ab sofort bis einschließlich sieben Tage nach dem Ende der Störungen einlösen. Am frühen Nachmittag rollten die ersten Fernverkehrszüge wieder durch NRW.

Für den Donnerstagnachmittag und -abend warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vor einer Sturmflut an der Nordsee sowie im Weser- und Elbegebiet. Das Hochwasser werde an der Nordseeküste 1,00 bis 1,50 Meter und im Weser- und Elbegebiet etwa 1,50 Meter über dem Mittleren Hochwasser betragen, hieß es. Weitere Sturmfluten am Freitag seien nicht ausgeschlossen. Der Scheitelpunkt in Hamburg-St.-Pauli soll am Donnerstag um kurz nach 18.00 Uhr erreicht werden.

In Schwentinental bei Kiel richtete ein Wirbelsturm schwere Schäden an. Feuerwehr-Einsatzleiter Kai Lässig zufolge habe der Wirbelsturm im Ort eine "Schneise der Verwüstung" auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen. Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es nach seinen Angaben nicht.

Vielerorts rückten die Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume, herabgefallener Äste und Teile von Dächern aus. Im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg kollidierte in der Nacht ein Güterzug mit einem herabgefallenen Ast auf dem Gleis. Die Berliner Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus. Seit dem Morgen habe es bereits Dutzende wetterbedingte Einsätze gegeben. In Hamburg-Ohlsdorf stürzten zwei etwa 15 Meter hohe Bäume auf ein Auto und ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus. Verletzt wurde dabei niemand.

Auch in Bayern verursachte der Sturm erste Schäden. Die Polizei meldete Dutzende Einsätze. Teilweise kam es auch zu Stromausfällen. In Düsseldorf rückte die Feuerwehr meist wegen loser Äste, umgekippter Bäume oder Absperrungen an Baustellen aus. In mehreren Orten in der Pfalz sowie in Koblenz fiel am Vormittag der Strom aus. Umgestürzte Bäume und herabfallende Äste sorgten auch in Teilen Brandenburgs, Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens für Stromausfälle, wie ein Sprecher der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom am Nachmittag mitteilte. Etwa 50 000 Kunden seien betroffen.

In Thüringen wurden zahlreiche Einrichtungen wie der Zoopark Erfurt und der Tierpark Suhl geschlossen - auch städtische Friedhöfe in Erfurt. Geplante Bestattungen und Trauerfeiern fielen aus.

Im Harz kippten zahlreiche Bäume um und versperrten auch einige Straßen, wie der Nationalpark und die Polizei mitteilten. Die Landesforsten und der Nationalpark warnten davor, Wälder zu betreten. "Jetzt in den Wald zu gehen, ist absolut unverantwortlich. Auch wenn der Sturm abgeflaut ist, dann können Bäume noch jederzeit umfallen", warnte Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz am Donnerstagvormittag.

Auf dem Brocken sei die Lage bereits am Mittwoch dramatisch gewesen, sagte Knolle. Besonders Touristen seien unverantwortlich gewesen. Bilder vom Gipfel zeigten demnach Kinder, die dort herumwirbelten und sich nicht mehr hätten halten können, sowie Erwachsene mit Kinderwagen.

Der DWD ging in einem Streifen über die Mitte bis in den Osten und Nordosten Deutschlands von schweren Sturmböen und teilweise orkanartigen Böen von bis zu 105 Kilometern pro Stunde aus. Im Bergland könne es sogar Orkanböen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde geben. Im Laufe des Nachmittags sollte der Wind von Westen her wieder nachlassen.

Am Freitag sind laut DWD im Norden noch stürmische Böen, Schauer und Gewitter möglich, während sich das Wetter ansonsten beruhigt. Im Süden ist es dann in einem breiten Streifen vom Schwarzwald bis nach Ostbayern länger sonnig. Die Höchstwerte liegen zwischen 8 und 13 Grad. Es wird kühler als an den Vortagen.

Update vom 21.10.21, 13.15 Uhr: Bahn stellt Fernverkehr in NRW und Thüringen ein

Ignatz hat Folgen: Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr am Donnerstag wegen Sturmschäden zuerst in ganz Nordrhein-Westfalen eingestellt. Die Einstellung des Fernverkehrs hat auch auf andere Gebiete in Deutschland Einfluss. In Thüringen wurde die Höchstgeschwindigkeit der Züge auf allen Strecken zunächst auf 80 Kilometer pro Stunde reduziert, mittlerweile wurde aber auch hier der komplette Fernverkehr eingestellt. Hunderte Bahnmitarbeiter seien derzeit damit beschäftigt, umgestürzte Bäume und andere Hindernisse von den Gleisen zu räumen, erklärt eine Sprecherin der Bahn. Außerdem müssten kaputte Oberleitungen repariert werden.

Originalmeldung vom 21.10.21, 10.30 Uhr: Zahlreiche Einsätze wegen Sturmschäden

Im Saarland und Rheinland-Pfalz  hatten Feuerwehr und Polizei "alle Hände voll zu tun", wie ein Sprecher der Polizei am Morgen bestätigte. Auch im Zugverkehr gab es Probleme, nachdem ein Güterzug in der Nacht mit einem Ast kollidiert war. Durch die dadurch nötige Umleitungen hatten Fernzüge zwischen Köln und Koblenz zwischen 20 und 90 Minuten Verspätungen, wie die dpa berichtet.  

Der Zugverkehr war auch im Norden Deutschlands beeinträchtigt. So hatte ein umgestürzter Baum eine Oberleitung beschädigt - die Züge zwischen Kiel, Flensburg  und Hamburg hatten teilweise erhebliche Verspätungen.  In Hamburg hatte ein umgestürzter Baum zudem ein Haus und ein Auto beschädigt. Der 15 Meter hohe Stamm hatte zwar erhebliche Schäden verursacht, aber glücklicherweise sei kein Mensch verletzt wurden. 

In Nordrhein-Westfalen blieben hingegen größere Schäden bislang aus. Zwar waren auch hier zahlreiche Einsatzkräfte im Einsatz, größere Störungen oder gar Verletzte gab es bisher nicht zu beklagen.

Unwetter zieht nach Süden - Bayern und Franken betroffen

Auch in Bayern hatte es bereits Schäden durch Ignatz gegeben - hier vor allem in Franken.  Die Integrierten Leitstellen in Unterfranken meldeten am Donnerstagmorgen Dutzende Einsätze, meist wegen umgestürzter Bäume, umgefallener Bauzäune oder von Dächern gewehter Dachziegel. Teilweise kam es zu Stromausfällen und gesperrten Zugstrecken. In Würzburg wurde ein Baugerüst an einer Rettungswache des Roten Kreuzes umgeweht. Menschen kamen ersten Informationen zufolge nicht zu Schaden.

Die Sturmwarnungen für Franken gelten derweil noch bis in die Abendstunden. Der Höhepunkt ist hier laut DWD noch nicht erreicht. rowa/mit dpa

Vorschaubild: © Wolfram Steinberg (dpa)