Rufe nach einer Rückkehr zur Wehrpflicht finden laut Umfragen in der Bevölkerung keine eindeutige Zustimmung. Nach dem am Freitag  (10. Juli 2020) veröffentlichen ZDF-«Politikbarometer» sind 50 Prozent der Befragten der Meinung, dass die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll - 47 Prozent sind dagegen. Für eine allgemeine einjährige Dienstpflicht für junge Männer und Frauen sprachen sich demnach aber 77 Prozent aus, dagegen 22 Prozent. Die Frage wurde auch vor dem Hintergrund der Debatte um Rechtsextremismus in der Bundeswehr gestellt. Dass dieser «sehr weit verbreitet» sei, meinen 11 Prozent, «weit verbreitet» sagen 35 Prozent, «nicht so weit» 40 Prozent und 2 Prozent sehen überhaupt keine solchen Tendenzen.

Nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov befürworten 48 Prozent eine Wiedereinführung einer allgemeinen Wehrpflicht, wie es von der Wehrbeauftragten Eva Högl ins Spiel gebracht worden war. Dagegen seien 38 Prozent. 52 Prozent stimmen der Aussage zu, dass mit Abschaffung der Wehrpflicht die demokratische Einbettung der Bundeswehr schwieriger geworden ist. Etwas mehr als die Hälfte der Deutschen (52 Prozent) befürwortet die Einführung eines neuen Freiwilligendienstes bei der Bundeswehr, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihn unter dem Titel «Dein Jahr für Deutschland» vorgestellt hat.

Eine Kantar-Umfrage im Auftrag der Funke-Mediengruppe hatte zuvor ergeben, dass sich 57 Prozent für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht aussprechen und 42 Prozent dagegen sind. Ein Prozent der Befragten wollte sich nicht festlegen. Im Osten Deutschlands sind die Befürworter der Wehrpflicht demnach mit 69 Prozent stärker vertreten als im Westen (55 Prozent), unter Frauen (60 Prozent) stärker als unter Männern (55 Prozent). Die Zustimmung wachse dabei mit dem Lebensalter. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen wollen lediglich 31 Prozent die Wehrpflicht zurück, bei den über 60-Jährigen sind es 72 Prozent.