Deutschland steckt bereits mitten in der vierten Corona-Welle. Doch im Vergleich zum vorigen Pandemie-Jahr läuft vieles anders. Das macht auch der aktuelle Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) deutlich, der am Donnerstag (26. August 2021) veröffentlicht wurde.

Schon seit Anfang Juli 2021 ist die Zahl der Corona-Infektionen allmählich gestiegen. Das ist "wesentlich früher und schneller als im vergangenen Jahr, als vergleichbare Inzidenzen erst im Oktober erreicht wurden", so die Experten des RKI. Die Inzidenz in Deutschland liegt am Freitag (27. August 2021) bei 70,3. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist aber die Verteilung der Neuinfektionen unter den Altersgruppen: Treiber der Pandemie sind derzeit eher die jungen Erwachsenen.

RKI-Wochenbericht: Vierte Corona-Welle vor allem unter jungen Erwachsenen

In der Altersgruppe der 10- bis 24-Jährigen werden besonders hohe Sieben-Tage-Inzidenzen verzeichnet, sie lagen in der Kalenderwoche 33 alle über 100. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Ansteckungen unter den 15- bis 34-Jährigen lag diesen Donnerstag bei 115 pro 100 000 Einwohnern. Das ist fast doppelt so hoch wie der bundesweite Vergleichswert 66 in der Gesamtbevölkerung. In der Altersgruppe ab 60 Jahren, wo bereits viele geimpft sind, steigen die Inzidenzen dagegen nicht mehr über 17 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede was die Ansteckung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen angeht: Die Werte schwankten am Donnerstag zwischen 122 Fällen pro 100 000 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen und 15,5 in Sachsen-Anhalt. Dennoch schlussfolgert das RKI: "Die vierte Welle nimmt insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung weiter an Fahrt auf und breitet sich zunehmend auch in höhere Altersgruppen aus."

Die Positivrate unter den rund 680 500 PCR-Tests ab Mitte August stieg ebenfalls deutlich an: Mit fast 8 Prozent lag sie rund fünf Mal höher als noch vor einem Monat (1,63 Prozent). Das ist ein Signal für Dynamik in der Pandemie. Ein Viertel der neu Infizierten hat sich wahrscheinlich im Urlaub im Ausland angesteckt, im Moment zumeist in der Türkei.

Immer mehr jüngere Corona-Patienten in Kliniken

Auch in den Krankenhäusern ist die neue Infektionswelle bereits zu spüren. "Der zuletzt allgemein abnehmende Trend setzt sich zurzeit nicht fort, die Werte befinden sich noch auf niedrigem Niveau, steigen nun aber sichtbar an", heißt es im RKI-Bericht. Unter den neuen hospitalisierten Fällen sind zunehmend jüngere Menschen, insbesondere aus der Gruppe der 35- bis 59-Jährigen. Während zu Beginn des Jahres noch die meisten Corona-Patienten in den Kliniken zwischen 60 und 79 Jahre alt waren, liegt das Altersmittel nun bei 46 bis 48 Jahren.

Doch woher kommt der Aufwärtstrend an Neuansteckungen unter jungen Menschen? Die RKI-Experten sehen einen möglichen Grund in der abnehmenden Impfbereitschaft. Die Impfquote in Deutschland steigt von Woche zu Woche nur langsam. Nach Stand 25. August waren rund 65 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal und fast 60 Prozent vollständig geimpft. In der Woche zuvor lag der Anteil der Erstimpfungen bei etwa 64 Prozent und 58 Prozent hatten bereits beide Impfdosen erhalten. Laut RKI sei die Zahl der Impfungen unter den 18- bis 59-Jährigen "bislang noch unzureichend". Das zeige sich auch darin, dass mehr 18- bis 59-Jährige auf den Intensivstationen betreut werden müssen als über 60-Jährige. 

Im Umkehrschluss mache diese Zahl aber auch den Effekt der Impfkampagne deutlich, denn von den Menschen ab 60 Jahren sind bereits 83 Prozent vollständig geimpft. Die große Mehrzahl der Corona-Infizierten sowie Covid-Patienten in Krankenhäusern ist nicht geimpft. Impfdurchbrüche seien weiterhin sehr selten, heißt es im Bericht.

Die Verbreitung des Virus wird weiter durch die Variante Delta bestimmt, die zu 99 Prozent der Ansteckungen beiträgt. Eine Sublinie dieses Typs (AY.3) wird zurzeit vor allem in Nordamerika gefunden. Dort gibt es Mutmaßungen, ob sie ansteckender sein könnte als Delta selbst. In Deutschland spielt diese Sublinie nach RKI-Angaben noch keine besondere Rolle. Bislang müsse davon ausgegangen werden, dass Sublinien die gleichen besorgniserregenden Eigenschaften besäßen wie die Varianten, von denen sie abstammten.