Der Amokläufer von Dossenheim ist nach Erkenntnissen der Ermittler nicht psychisch krank gewesen. "Es gab dazu im Vorfeld keine Hinweise", sagte ein Heidelberger Polizeisprecher am Donnerstag. "Es ist für uns unerklärlich, wie man so reagieren kann." Wegen eines Streits um die Nebenkostenabrechnung hatte ein 71 Jahre alter Sportschütze am Dienstagabend in Dossenheim nahe Heidelberg bei einer Versammlung von Wohnungseigentümern zwei Nachbarn und sich selbst getötet. Fünf Menschen wurden verletzt.

Unter den Opfern ist auch die Ehefrau des Täters. Die 70-Jährige sei wie alle anderen Verletzten außer Lebensgefahr, sagte der Sprecher. Zwei Tage nach der Tat seien alle Verletzten vernehmungsfähig und auch bereits befragt worden.
"Der grobe Ablauf der Tat ist für uns zwar geklärt, die Aussagen helfen aber, um aufzufädeln, was genau passiert ist." Details zu den Aussagen veröffentliche man zunächst nicht.



Amokläufer besaß sieben Waffen
Die Polizei konnte am Donnerstag den Waffenschrank des Täters öffnen. Wie bereits vermutet, habe der Mann sieben Waffen besessen. "Die waren ordnungsgemäß verschlossen und von der Munition getrennt", sagte der Sprecher. Seiner Ansicht nach war der Mann nicht über die Maßen waffenverliebt. "Wenn jemand sieben Waffen hat als Sportschütze, ist er kein Waffennarr."

Die Ermittler untersuchen derweil weiter die Blutspuren am Tatort, um den Tathergang genau zu rekonstruieren und die Angaben der Zeugen zu überprüfen. "Die Wahrnehmung der Menschen ist das eine, aber harte Fakten sind das andere", sagte der Sprecher. "Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass da schnell Ergebnisse vorliegen. So was passiert nicht in zwei Tagen, das dauert mehrere Wochen."

Mit Ergebnissen von der Obduktion der Leichen rechnen die Ermittler frühestens am Freitag. Der Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes, Jürgen Kohlheim, bezeichnete die deutschen Waffengesetze als ausreichend. "So etwas kann man nur verhindern mit einem totalen Verbot von Schusswaffen", sagte er. "Damit wäre der Schießsport ausradiert. Ich glaube, das wollen selbst unsere ärgsten Kritiker nicht."



Ungewöhnlich viele Details
Die Polizei hatte am Mittwoch ungewöhnlich viele Details über den Amoklauf preisgegeben. Dies liege vor allem daran, dass der Täter tot sei und es daher keine Gerichtsverhandlung geben werde, erläuterte der Sprecher. So könnten die Ermittler auch sogenanntes Täterwissen verraten.

Der 71-Jährige war mit den Worten "Ich bring' Euch alle um" in die Versammlung gestürmt, nachdem er wegen des Streits aus dem Raum geworfen worden war. Dann feuerte er direkt los. Die Polizei fand nach eigenen Angaben 17 Patronenhülsen. Auch in den Fensterscheiben waren Einschusslöcher zu sehen. dpa