Ostritz

Ostritzer kaufen den Neonazis das Bier weg

Ostritz hat ein Zeichen gesetzt: Die ostsächsische Stadt möchte keine Neonazi-Treffen haben. Überstrahlt wird der Gegenprotest von einem besonderen Coup.
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Bier-Coup
Eine Frau und zwei Männer laden Bierkästen in der Nähe eines örtlichen Supermarktes auf einen Anhänger. Das ganze Bier des Supermarktes wurde in einer Aktion von Bürgern und des IBZ (Internationalen Begegnungszentrum des Kloster Sankt Marienthal) aufgekauft. Foto: Daniel Schäfer
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Fußball-Fest, prominente Unterstützung und ein Bier-Coup: Ostritz hat mit Zivilcourage ein deutliches Zeichen gegen das rechtsextreme «Schild und Schwert Festival» in der ostsächsischen Stadt gesetzt.

Man könne sehr froh sein, dass deutlich weniger Neonazis und Rechtsextremisten gekommen seien als erwartet worden waren, sagte Michael Schlitt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ), am Sonntag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Mein Eindruck ist, dass die Proteste der Zivilgesellschaft Wirkung zeigen. Die Neonazis sehen, dass sie nicht willkommen sind in Ostritz», sagte er.

Die Polizei zog am Sonntag eine positive Bilanz. Alle Versammlungen und Veranstaltungen seien friedlich verlaufen, sagte der Leitende Polizeidirektor Holger Löwe. Insgesamt wurden von Freitag bis Sonntag 32 Straftaten und 5 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Schwerpunkte bei den Straftaten waren 16 Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie 10 Fälle des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

An den Protesten gegen das rechtsextreme Festival beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 2000 Menschen - beim Friedensfest, dem 100-jährigen Jubiläum des örtlichen Fußballvereins und zwei Demonstrationen. Dazu waren auch prominente Besucher wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, sein Innenminister Roland Wöller (beide CDU) oder auch der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler Cacau gekommen.

Die Summe aller Maßnahmen zeige Wirkung, sagte Schlitt. Einen besonderen Coup beim Protest hatten die Mitglieder des IBZ gelandet: Nachdem gerichtlich ein Alkoholverbot für den Neonazi-Treff verhängt worden war, kauften sie mit mehr als 100 Kästen die Biervorräte des örtlichen Supermarktes auf. Schlitt: «Wir sind froh, dass wir damit ein Zeichen setzen konnten für Bürgerengagement.»

Zu dem Neonazi-Treffen waren nach Polizeiangaben zwischen 500 und 600 Teilnehmer angereist. «Ich hatte damit gerechnet, dass mehr als 2000 Leute kommen», sagte Michael Schlitt. Die Polizei war mit bis zu rund 1400 Beamten im Einsatz. Die Kräfte aus Sachsen wurden unterstützt von Hundertschaften aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin sowie der Bundespolizei und Kollegen aus Polen.

Nach Abschluss des Rechtsrock-Konzertes wurden dem Versammlungsleiter die 4200 Liter Bier wieder übergeben, die die Polizei am Freitag wegen eines Alkoholverbots auf dem Gelände beschlagnahmt hatte.

Die Polizei reagierte auch auf ein Video, das auf Twitter verbreitet worden war. Darin ist zu sehen, dass Polizeibeamte bei einem Mann eine Armbinde richten, über der das Tattoo eines verbotenen Totenkopf-Motivs zu sehen ist. Der Staatsschutz leitete laut Polizei gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein.