Der Teil-Lockdown wurde bis zum 10. Januar verlängert werden. Das könnte nach Ansicht des Arbeitspsychologen Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig weitreichende negative Auswirkungen auf die Psyche vieler Menschen haben.

Bereits während des ersten Lockdown im Frühjahr musste er bei einer Befragung feststellen, dass die Menschen vermehrt unter allgemeiner Verunsicherung und Existenzängsten leiden. Die Corona-Krise habe das "subjektive Wohlbefinden negativ beeinflusst", heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.  Der Arbeitspsychologe beobachte aufgrund dessen eine "große Pandemiemüdigkeit".

Der Lockdown Light trifft vor allem Alleinstehende und Kranke hart

"Die Verschärfung des Lockdowns Light trifft vor allem alleinstehende und kranke Menschen, aber auch Familien. Sie können nicht mehr spontan andere Leute treffen. Und da ist noch die anhaltende große Unsicherheit bezüglich ihrer wirtschaftlichen Lage. Das nimmt die Menschen schon mit", sagt Zacher.

Neben den familiären Stressoren sei die Angst um den Arbeitsplatz ein wichtiger Faktor, der die physische und psychische Gesundheit negativ beeinflusse. "Das ist oft schlimmer als die Arbeitslosigkeit selbst, denn es bedeutet Unsicherheit und Kontrollverlust", erklärt er. Und im Gegensatz zum Frühjahr steht aktuell die dunklen Wintermonate vor der Tür, das könnte diese Ängste weiter schüren. 

Zacher rät den Politikern von Bund und Ländern daher, nicht nur Virologen, sondern verstärkt auch Psychologen und Soziologen in die Einschätzung der Gesamtlage einzubeziehen. Es sei zudem wichtiger denn je die Perspektiven von Kindern und älteren Menschen zu hören. Ein weiteres Problem: die psychologischen Hilfsangebote für die besonders stark von der Pandemie Betroffenen seien unzureichend.

Arbeiten im Homeoffice kann zur psychischen Herausforderung werden

Das Corona-bedingt verstärkte Arbeiten im Homeoffice betrachtet der Experte zwiespältig: Einerseits haben Arbeitnehmer durch das Arbeiten von Zuhause aus mehr Flexibilität und Chancen für eine effektivere Arbeitsorganisation, etwa durch virtuelle Besprechungen oder den Verzicht auf Dienstreisen.

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Andererseits seien Arbeitnehmer im Homeoffice alleine, fern von den Kollegen im Büro. Dadurch sehen sie sich Zuhause als psychisch beanspruchter, denn sie setzten sich selbst stärker unter Druck. Der Grund: die meisten Menschen schätzen ihre eigene Arbeitsbilanz schlechter ein als es die Einschätzung des Chefs ist. Zacher empfiehlt Menschen in mobiler Arbeit daher, bewusst und stärker auf sich zu achten, Pausen einzulegen, den Kontakt zu Kollegen zu pflegen und – wenn möglich – auch Arbeitstage im Büro zu verbringen.  "Es gibt da Licht und Schatten. Soviel Normalität wie möglich ist wichtig", betont er. Das Arbeiten im Homeoffice werde auch in der postpandemischen Phase eine wichtige Rolle spielen.

Die aktive Bewältigung der Krise bringt aus psychologischer Sicht aber auch viel Gutes. Wer die derzeit schwierige Situation als Herausforderung sehe, könne ein "posttraumatisches Wachstum" erleben, das letztlich "zu höherer persönlicher Zufriedenheit führen kann". "Man lernt sich selbst besser kennen, kann das eigene Leben besser strukturieren", sagt Zacher.

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