Würzburg
Ermittlungen

Neue Ermittlungen im Fall Maddie McCann: Verdächtiger soll Irin vergewaltigt haben

Vor 13 Jahren ist Maddie McCann um Urlaub mit ihrer Familie spurlos verschwunden. Eine Spur führte die Ermittler zu einem vorbestraften Sexualstraftäter in Deutschland. Nun hat sich ein weiteres mögliches Opfer gemeldet: Eine Irin soll 2004 ebenfalls von dem Würzburger in Portugal vergewaltigt worden sein.
 
Fall Maddie: Deutscher Sexualstraftäter unter Mordverdacht
Die Ermittlungen im Fall Maddie gehen nun weiter. Eine Irin hat sich gemeldet - ist sie ein weiteres mögliches Opfer des Verdächtigen? Foto: John Stillwell/dpa/PA Wire
  • Maddie McCann verschwand vor 13 Jahren in Portugal
  • Spur im "Fall Maddie": Mann aus Deutschland unter Mordverdacht
  • Polizei durchsucht Kleingarten in Hannover nach möglichen Hinweisen
  • Tatverdächtiger ist gebürtiger Würzburger und gilt als "Psychopath mit pädophilen Neigungen"
  • Verbindung zu anderen Vermisstenfällen werden überprüft
  • Irin meldet sich über britische Medien: Sie soll ebenfalls vom Täter vergewaltigt worden sein
  • Die neuesten Entwicklungen zum Fall im Überblick: 

Seit 13 Jahren gilt das britische Mädchen Madeleine McCann als vermisst. Die Ermittler gehen immer noch davon aus, dass Maddie ermordet wurde. Die heißeste Spur der Ermittler führte zu einem Mann, der aktuell wegen Drogenhandel in einer Gefängniszelle in Kiel sitzt. Der Lebenslauf des heute 43-Jährigen weist viele Straftaten und Verurteilungen auf. Unter anderem verurteilte ihn das Amtsgericht Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Der Tatverdächtige ist wohl gebürtiger Franke. 

Update vom 22.09.2020: Weiteres mögliches Opfer meldet sich - Irin soll vergewaltigt worden sein

Gegen den im Fall Maddie beschuldigten Deutschen haben Strafverfolger weitere Ermittlungen aufgenommen. Ein mögliches Opfer habe sich nach dem Zeugenaufruf in mehreren Ländern bei britischen Medien gemeldet, sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Montag (21. September 2020). Es werde inzwischen wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer jungen Irin im Jahr 2004 an der Algarve ermittelt, bestätigte er. Über das weitere Verfahren gegen den 43-Jährigen hatte zunächst die «Braunschweig Zeitung» berichtet.

Anfang Juni hatten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig gemeinsam mitgeteilt, dass sie im Fall der vermissten Britin Madeleine McCann gegen einen Deutschen wegen Mordverdachts ermitteln. Es handele sich um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter. Ein Zeugenaufruf, zu dem ein Beitrag in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" lief, löste Reaktionen und Hinweise in mehreren Ländern aus. Vor mehr als 13 Jahren war Madeleine «Maddie» McCann kurz vor ihrem vierten Geburtstag im portugiesischen Praia da Luz verschwunden - der Fall sorgt bis heute weltweit für Aufsehen

Maddies Eltern gehen durch die Hölle: Tochter seit 13 Jahre spurlos verschwunden

Der Verdächtige sitzt derzeit in Kiel wegen Drogenhandels in Haft. Zum Stand der Ermittlungen im Fall Maddie sagte Staatsanwalt Wolters am Montag, es gebe keinen neuen Stand: Gegen den Beschuldigten bestehe auch weiterhin ein "beweisgestützter Verdacht" des Mordes

Update vom 04.09.2020: Beschuldigter im Fall Maddie - Ermittler gehen weiterem Verdacht nach

Gegen den im Fall Maddie Beschuldigten gibt es weitere Ermittlungen. Es laufe ein separates Verfahren gegen den 43-Jährigen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Kindes, sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag. Im April 2007, also wenige Woche vor dem Verschwinden der kleinen Maddie, soll der Mann an der Algarve vor einem zehnjährigen Mädchen aus Deutschland masturbiert haben.

Über die seit dem Frühjahr 2019 laufenden Ermittlungen hatten zuvor der «Spiegel» und der TV-Sender RTP in Portugal berichtet. Einzelheiten wollte die Staatsanwaltschaft nicht nennen. Den Berichten nach ereignete sich der Fall etwa zehn Kilometer von Praia da Luz entfernt, wo Madeleine McCann am 3. Mai verschwand. Laut Spiegel meldete sich das Opfer nach der Veröffentlichung des Mordverdachts im Fall Maddie bei der Polizei.

Anfang Juni hatten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig mitgeteilt, dass sie gegen den in Kiel inhaftierten mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter ermitteln. Die Ermittler gehen davon aus, dass Maddie tot ist.

Update vom 29.07.2020: Polizei durchsucht Kleingarten in Hannover auf Spuren im Fall Maddie

Die Polizei in Hannover setzt an diesem Mittwoch die Durchsuchung eines Kleingartens im Zusammenhang mit der kleinen Maddie fort. Bis zum Sonnenuntergang waren Beamte am Dienstagabend auf der Parzelle am Stadtrand im Einsatz. Mit einem Bagger sowie per Spaten und Harke durchkämmten Polizisten das Erdreich. Die Grabungen stehen im Zusammenhang mit der 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwundenen dreijährigen Maddie McCann - dies bestätigt die Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Der 43-jährige Deutsche, gegen den in diesem spektakulären Fall wegen Mordes ermittelt wird, soll nach dem Verschwinden der kleinen Britin in Hannover gelebt haben. Welche Verbindungen es zwischen dem Mann und der Kleingartenparzelle geben könnte, sagten die Ermittler ebenso wenig wie, was sie sich auf dem Gelände erhoffen zu finden. An der Polizeiaktion beteiligt ist auch das Bundeskriminalamt (BKA).

Wie der Pächter der unmittelbar angrenzenden Nachbarparzelle der Deutschen Presse-Agentur sagte, war das Gartengrundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Grabungsarbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter. Zu sehen war, dass die Polizei neben Erdreich auch Fundamente hatte wegbaggern lassen.

Wie lange die Durchsuchung des Grundstücks noch dauern wird, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit. Für die Polizeiarbeit wurde ein Zelt in dem Garten aufgebaut. Ein Einsatzwagen und Beamte blieben zur Sicherung der Einsatzstelle über Nacht vor Ort.

Update vom 22.06.2020: Verdächtiger im Fall Maddie: Bundesgerichtshof soll über vorzeitige Haftentlassung entscheiden

Der Bundesgerichtshof Karlsruhe soll sich zum vorzeitigen Haftentlassungsantrag des im Fall Maddie verdächtigen Entführer äußern. Die Gerichte in Kiel und Braunschweig sind sich uneinig darüber, welche Strafvollstreckungskammer für die Entscheidung zuständig sei, ob der mögliche Entführer der Madeleine McCann vorzeitig aus seiner Haft entlassen werden kann. Seit 2011 sitzt der 43-Jährige in Kiel wegen Drogenhandel in Haft. Im Frühjahr 2021 soll die Haft enden.

Das Landgericht Kiel hatte den Antrag auf Bewährung nach Braunschweig zurückgewiesen, weil sich das Gericht dort bereits mit der Frage befasst habe, als der Verurteilte vor seiner Verlegung nach Kiel noch in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel inhaftiert gewesen war. Die Kollegen in Braunschweig sind allerdings der Ansicht, dass ihre Zuständigkeit abgeschlossen ist, weil der Antrag in Braunschweig zurückgenommen wurde.

Update vom 16.06.2020: Verbindung zum Fall Maddie? Zahlreiche Vermisstenfälle werden überprüft

Seit der Wende im Fall der vermissten Maddie, prüfen Ermittler in ganz Deutschland und auch in Nachbarländern mögliche Verbindungen des neuen Verdächtigen zu anderen Vermisstenfällen sowie ungeklärten Morden an Kindern. So untersuchen etwa Ermittler der Polizei Bonn laut Berichten des WDR einen Bezug zum Fall der vermissten Claudia Ruf aus Hemmerden, nahe Düsseldorf. Das damals 11-jährige Mädchen wurde 1996 entführt, sexuell missbraucht und anschließend umgebracht. Ihre Leiche wurde auf einem Feldweg in der Eifel entdeckt. Erst vor Kurzem wurde der Fall neue aufgerollt und ein Massengentest zur Suche nach dem Täter gestartet.

Am Montag (15.06.2020) erst gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt bekannt, das Parallelen zum vermissten Tristan Brübach überprüft werden. Der 13-Jährige wurde 1998 im Stadtteil Höchst in Frankfurt tot aufgefunden. Die Leiche des Junge wurde zuvor verstümmelt. Wie Frankfurter Oberstaatsanwalt Noah Krüger gegenüber der dpa mitteilte, sei es «eigentlich eine Routinemaßnahme», in solchen Fällen zu schauen, ob eine Verbindung bestehen könnte. Jedoch sei es bisher noch zu früh, um über einen Bezug zu spekulieren.

Eine Verbindung zwischen dem neuen Hauptverdächtigen aus Würzburg und dem Verschwinden der 5-jährigen Inga aus Sachsen-Anhalt wurde ebenfalls überprüft. Die zuständig Staatsanwaltschaft in Stendal, konnte bisher jedoch keine Hinweise zur Beteiligung des 43-jährigen Franken an dem Fall finden. Die kleine Inga war 2015 im Urlaub mit ihrer Familie verschwunden, ähnlich wie Maddie. 

Nach zahlreichen Spekulation in den Medien, wurde auch ein möglicher Zusammenhang mit dem Fall Peggy aus Oberfranken untersucht. Abgesehen von einer ähnlichen äußeren Erscheinung - beide Mädchen waren jung und blond - konnten die Ermittler "weder einen zeitlichen, örtlichen, noch persönlichen Bezug" zwischen den Vermisstenfällen herstellen. Peggy verschwand im Alter von neun Jahren auf dem Heimweg von der Schule im Mai 2001. Erst 15 Jahre später wurden Teile ihres Skeletts in einem Wald in der Nähe ihrer Heimatstadt Lichtenberg entdeckt. Zwar gestand ein Mann aus dem Landkreis Wunsiedel, für den Mord verantwortlich zu sein, jedoch widerrief er sein Geständnis kurz danach. Seither ist nicht klar, ob der Mann angeklagt oder das Verfahren eingestellt wird.

Im Fall des vermissten René zeigen sich ebenfalls Ähnlichkeiten, denen das Bundeskriminalamt auf Bitten seines Vaters nachging: Der 6-Jährige verschwand vor Maddie im Jahr 1996 ebenfalls in Portugal - nur 40 Kilometer entfernt von Praia da Luz, dem Urlaubsort von dem Maddie verschwand. Wie die Sprecherin der Polizei im Rhein-Erft-Kreis der dpa sagte, haben ihre Kollegen inzwischen Kontakt mit dem Vater gehabt und ihm gesagt, dass es auch nach dem Verdacht gegen den Mann aus Braunschweig im Fall Maddie keine neuen Hinweise zu René gibt.

Auch ausländische Polizeibehörden überprüfen eine Beteiligung des gebürtigen Würzburgers an ungeklärten Fällen. In Belgien wurde die Ermittlungen zum Mord an der 16-jährigen Deutschen Carola Titze wiederaufgenommen. Sie verschwand 1996 im Urlaubsort De Haan und wurde nahe einer Feriensiedlung tot aufgefunden. Die Behörden in den Niederlanden untersuchen, ob der Tatverdächtige etwas mit dem Verschwinden des 7-jährigen Jair Soares von einem Strand in Monster zu tun hatte. Dort wurde der Junge 1995 zuletzt gesehen.

Update vom 15.06.2020: Bekannter Anwalt übernimmt Verteidigung des Tatverdächtigen

Die Verteidiger des im Fall Maddie Mordverdächtigen haben ihr Mandat niedergelegt. Dies sei der zuständigen Ermittlungsbehörde angezeigt worden, teilten die Anwälte Jan-Christian Hochmann und David Volke der Deutschen Presse-Agentur mit. Eine Begründung für die Rückgabe des Mandats wollten sie am Mittwoch auf Nachfrage nicht abgeben.

Der 43 Jahre alte im Kieler Gefängnis einsitzende Mann wird nun vom Kieler Anwalt Friedrich Fülscher und dem Hamburger Anwalt Johann Schwenn vertreten. Fülscher sagte RTL/n-tv, sein Mandant möchte "momentan keine Angaben zur Sache" machen. "Wir bitten um Verständnis, dass wir als Verteidiger auch keine Angaben machen." Schwenn bestätigte der dpa das gemeinsame Mandat mit dem Kollegen Fülscher. "Nach Akteneinsicht sehen wir weiter", sagte er.

Für Schwenn ist es nicht der erste Fall, der in den Medien große Aufmerksamkeit erregt: Er verteidigte 2010 Jörg Kachelmann, als dieser wegen Vorwürfen der Vergewaltigung und Körperverletzung vor Gericht stand. Zu anderen bekannten Mandanten Schwenns zählen Gregor Gysi, Ex-Profisportler Jan Ullrich und Klaus Volkert, der ehemalige Betriebsratvorsitzende von VW.

Der Tatverdächtige wurde bisher noch nicht zu dem Fall befragt. Wie Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegenüber der dpa mitteilte, erfolge eine Vernehmung häufig erst zum Abschluss der Ermittlungen, um dem Beschuldigten auch konkrete Vorhalte zu den Ergebnissen machen zu können. 

Inzwischen wurde zudem bekannt, dass die Ermittler aus Braunschweig den 43-Jährigen bereits 2013 im Blick hatten. Laut Berichten des Spiegel, wurde der Verdächtige jedoch damals wegen einem Ermittlungsfehler nicht verhört.

Bislang geht die Polizei immer noch davon aus, dass das Mädchen getötet wurde. Einen forensischen Beweis dafür gebe es zwar nicht, daher bleibe eine "gewisse Hoffnung", sagte Wolters am Montag. Dies sei aber eine "rein theoretische Möglichkeit". Gegenüber britischen Medien gab Wolters zu verstehen, man wolle keine Hoffnungen zerstören. Dennoch gebe es so viele Anhaltspunkte, dass wegen einer Straftat ermittelt werde - in Deutschland eben Mord.

Update vom 10.06.2020: Gebürtiger Würzburger gilt als "Psychopath mit pädophilen Neigungen" und Tatverdächtiger im Fall Maddie

Im Fall um das wohl berühmteste verschwundene Mädchen der Welt kommt nach 13 Jahren wieder Bewegung. Ein Deutscher soll die damals dreijährige Maddie McCann in Portugal entführt haben. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde. Doch was geschah wirklich im Mai 2007? Die Beweislage ist noch dünn, doch das Bundeskriminalamt (BKA) arbeitet zahlreiche neue Hinweise im "Fall Maddie" ab.

Als Tatverdächtiger gilt derzeit ein 43-jähriger Mann, der laut Gutachten des BKA ein "Psychopath mit pädophilen Neigungen" ist. Der Mann ist Christian B., einschlägig vorbestraft und sitzt derzeit in einem Kieler Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätige dem Bayerischen Rundfunk "indirekt", dass der Mann aus Würzburg stammt. In einer Videoreportage von Spiegel TV wird die pädophile Neigung des Tatverdächtigen im Fall Maddie deutlich. Die Reportage zeigt einen Skype-Chatverlauf aus dem Jahr 2013. Unter dem Pseudonym "wahnsinnigerholger" soll sich der gebürtige Würzburger verbergen. In einem Chat mit dem Nutzer "panikspatz66" schreibt der damals 36-Jährige, dass es ihm schlecht gehe - "will endlich ne kleine ficken!"

Sein damaliger Chatpartner antwortet ihm: "ja wer will das nicht". Daraufhin offenbart "wahnsinnigerholger" dunkle Phantasien: "etwas kleines einfangen und tagelang benutzen, das wärs...".  Auf den Hinweis seines Chatpartners, dass das nicht ungefährlich sei, antwortet Christian B.: "och, wenn die beweise hinterher vernichtet werden...". Weiterhin wollte Christian B. "vieeeele filmchen drehen" und "genauestens dokumentieren wie sie gequält wird" - er wolle "nicht nur reden, sondern auch machen". 

Update vom 05.06.2020: Neue Details zum Tatverdächtigen aus Würzburg

Seit 13 Jahren gilt das britische Mädchen Madeleine McCann als vermisst. Die Ermittler gehen jetzt davon aus, dass Maddie ermordet wurde. Die heißeste Spur der Ermittler führt jetzt zu einem Mann, der aktuell in einer Gefängniszelle in Kiel sitzt. Der Lebenslauf des heute 43-Jährigen weist viele Straftaten und Verurteilungen auf. Unter anderem verurteilte ihn das Amtsgericht Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Das war im Jahr 1994. Damals war der Tatverdächtige 17 Jahre alt. Ein Gerichtsbeobachter beschrieb den Jugendlichen damals "verstockt", "einsilbig" und "sichtlich scheu". 

Der damals 17-Jährige brach 1995 seine Kfz-Mechanikerlehre ab und floh mit seiner Freundin nach Portugal, um einer Jugendstrafe von zwei Jahren im oben genannten Fall zu entgehen. Der angeklagte Auszubildende stand wegen eines Diebstahldeliktes noch unter Bewährung, als er sich im September 1993 auf dem Spielplatz einer Gemeinde im Kreis Würzburg einem Mädchen sexuell genähert hatte. Als die Sechsjährige zu schreien begann, lief er dem damaligen Bericht zufolge davon. Sechs Monate später näherte er sich dann einer Neunjährigen und ließ vor ihr die Hosen herunter - nur drei Tage vor dem Gerichtstermin, der wegen des ersten Falls angesetzt gewesen war.

Pädophil und kriminell

Eine problematische Kindheit mit Adoption und Heimaufenthalt, führte ein Gutachter damals an, der dem Angeklagten aber "volle Schuldfähigkeit" attestierte. Der Strafe entging er nicht. Die Flucht in Portugal ging mit der Verhaftung und der Auslieferung nach Deutschland zu Ende. Das pädophile und auch gerichtsdokumentierte kriminelle Verhalten des jungen Mannes blieb dagegen. Nach der Haftstrafe zog er zurück nach Portugal, wohin er auswandern wollte. Portugals Algarve war für den heute 43-Jährigen schon immer ein Sehnsuchtsort. 

Zwischen 1995 und 2007 lebte der Mann wohl mehr oder weniger dauerhaft an der Algarve, wie das Bundeskriminalamt (BKA) mitteilt. Er finanzierte sein Leben in Portugal als Kellner, Barkeeper, Automechaniker und -verkäufer, sammelte und verkaufe Golfbälle und Orangen. Im vergangenen Jahr (Ende 2019) wurde der Tatverdächtige im "Fall Maddie" vom Landgericht Braunschweig wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung anderer Straftaten zu sieben Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im Jahr 2005 - etwa eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies - eine damals 72-jährige US-Amerikanerin in Praia da Luz (dem Ort, an dem Maddie verschwand) brutal vergewaltigte und ausraubte. Weitere Straftaten des Mannes sind bislang nicht ausgeschlossen. Zu den aktuellen Vorwürfen wollte sich der Tatverdächtige bisher nicht äußern. 

Update vom 04.06.2020: Kommt der Mordverdächtige aus Würzburg?

Der 43-jährige Mordverdächtige im Fall Maddie McCann kommt laut Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus Franken. Konkret soll der Mann aus Würzburg stammen. 

Der Mann wurde als 17-Jähriger bereits im Jahr 1994 vom Amtsgericht Würzburg wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt. Später stand der mittlerweile 43-Jährige mehrfach im Norden Deutschlands vor Gericht. 

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig, da sein letzter gemeldeter Wohnsitz in der Region war, bevor er sich ins Ausland absetzte.

Update vom 04.06.2020: Verdächtiger 2017 wegen Kinderpornografie verurteilt

Der Verdächtige im Fall Maddie ist im September 2017 wegen Besitzes von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs eines Kindes vom Landgericht Braunschweig verurteilt worden. Das bestätigte am Donnerstag Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, die für alle Fälle in Niedersachsen mit Bezug zu Kinder- und Jugendpornografie zuständig ist. Der Mann habe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten erhalten, die er bereits verbüßt habe, sagte der Sprecher. Die Ermittlungen in diesem Fall hätten bereits 2014 begonnen. Einzelheiten zu dem Verfahren wollte Klinge nicht nennen.  

Das dreijährige britische Mädchen Maddie McCann war vor rund 13 Jahren in Portugal verschwunden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-jährigen Deutschen wegen Mordverdachts. Der bereits wegen Sexualstraftaten verurteilte Mann lebte im Zeitraum von Maddies Verschwinden an der portugiesischen Algarve. Nach dpa-Informationen sitzt er derzeit in Kiel hinter Gitter.

Erstmeldung vom 04.06.2020: "Fall Maddie" - Deutscher unter Mordverdacht

Im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine „Maddie“ McCann hoffen die Ermittler auf Hinweise aus der Bevölkerung, nachdem ein Deutscher unter Mordverdacht geraten ist. Der Fall war am Mittwochabend – wie schon früher – Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst".

Nach Angaben des "Bundeskriminalamts (BKA)" ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-Jährigen, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Er verbüße derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe, teilte das BKA am Abend in Wiesbaden mit.

Fall Maddie: Sogar ihre Eltern standen unter Verdacht

Die damals dreijährige Maddie war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Nach Informationen der Braunschweiger Zeitung handelt es sich bei dem nun Beschuldigten um einen Mann, der 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung einer damals 72-jährigen Amerikanerin verurteilt worden sei. Der Mann soll die Tat in demselben portugiesischen Ort begangen haben, in dem rund anderthalb Jahre später die kleine Maddie verschwunden sei.

Im Dezember 2019 sei der Mann vor dem Braunschweiger Landgericht zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, berichtet die Braunschweiger Zeitung. Das Urteil sei bislang nicht rechtskräftig. Der Angeklagte werfe der Justiz Rechtsfehler im Auslieferungsverfahren vor.

Nach "BKA"-Angaben hatte der Verdächtige zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. "Nach hier vorliegenden Erkenntnissen ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach", teilte das "BKA" mit.

Bereits nach einer Sendung von "Aktenzeichen XY... ungelöst" aus dem Jahr 2013 seien Hinweise auf den Deutschen eingegangen, sagte Christian Hoppe vom "BKA" am Mittwochabend (3. Juni 2020) in der ZDF-Sendung. Auch nach einem Bericht zehn Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens habe es Hinweise gegeben. Damals reichten die Informationen aber nicht für Ermittlungen oder eine Festnahme aus, wie Hoppe berichtete. Es gab demnach viele Indizien, der entscheidende Beweis fehle aber noch. Die Ermittlungen führten zu der Annahme, dass das Mädchen einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist.

Deutscher im Fall "Maddie" unter Mordverdacht: Verbindungen nach Bayern?

Wie "Scotland Yard" am Mittwochabend mitteilte, trug der Mann zur Tatzeit kurzes, blondes Haar und war etwa 1,80 Meter groß. Besonderes Augenmerk lenkten die britischen Ermittler auf zwei Fahrzeuge und zwei Telefonnummern, die der Verdächtige benutzt haben soll. Es geht um einen Caravan vom Typ VW T3 Westfalia mit portugiesischem Nummernschild, in dem der Mann zeitweise gewohnt haben soll, und einen Jaguar, Model XJR 6, mit einem deutschen Kennzeichen. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Jaguar auf einen neuen Halter umgemeldet worden. Es handelte sich um einen Wagen, dessen letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag von der Stadt Augsburg stammte.

An dem Abend, als Maddie verschwand, soll der Verdächtige einen Anruf erhalten haben unter der Nummer +351 912 730 680 mit portugiesischer Ländervorwahl. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. "Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen sie dazu auf, in Kontakt zu treten", hieß es in der "Scotland-Yard"-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

Die Erkenntnisse seien das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit, der britischen, deutschen und portugiesischen Polizei, hieß es weiter. "Nach dem 10. Jahrestag erhielt die "Metropolitan Police" Informationen über einen deutschen Mann, der sich bekanntermaßen in und um Praia de Luz aufhielt. Wir haben mit Kollegen in Deutschland und Portugal zusammengearbeitet und dieser Mann ist ein Verdächtiger im Fall des Verschwindens von Madeleine", sagte Detective Chief Inspector Mark Cranwell der Mitteilung zufolge. "Scotland Yard" betonte jedoch, dass es sich weiterhin um einen Vermisstenfall handle.

Madeleines Eltern hatten sich mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. "Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“, heißt es in einem Statement der Eltern in der "Scotland-Yard"-Mitteilung. "Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen."