• Wetterexperte Dominik Jung: extreme Niederschläge schon tagelang in den Wettermodellen enthalten
  • "Behörden hätten hellhörig werden müssen"
  • Hydrologin Hannah Cloke: Hinweise bereits vier Tage vor den ersten Überschwemmungen herausgegeben 
  • Opposition übt heftige Kritik gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer

In einem aktuellen Wettervideo hat Wetterexperte Dominik Jung die Wetterkarten seit vergangenem Sonntag (11. Juli 2021) untersucht. Laut seiner Einschätzung zeigen die Wetterkarten, dass die extremen Niederschläge schon tagelang in den Wettermodellen enthalten waren. Die Flut-Katastrophe sei nicht überraschend gekommen wie derzeit sehr oft behauptet werde. 

Hochwasser: Haben die Behörden versagt?

„Das war eine Flut-Katastrophe mit Ansage. Seit Tagen war klar, dass da etwas Großes im Anmarsch ist. Die Regenmengen wurden schon 3 bis 4 Tage vor dem Ereignis von den Wettermodellen nahezu perfekt erfasst. Auch der Deutsche Wetterdienst hat dazu schon am Dienstag Unwetterwarnungen vor Mengen um 150 bis 200 mm ausgegeben.

Auf diesen Niederschlagsdaten basieren auch die Hochwassermodelle der Behörden. Wieso haben deren Prognosemodelle für die Pegelstände nicht reagiert? Die angekündigten Niederschlagsmengen waren um ein Vielfaches höher als beispielsweise beim Hochwasser der Ahr im Juni 2016. Spätestens da hätten die Behörden hellhörig werden müssen.

Passiert ist aber nichts. Erst als die Flut schon da war, wurde gehandelt. Dann war es aber leider zu spät und die Flut hat viele Menschenleben gekostet“ so Diplom-Meteorologe Dominik Jung, Geschäftsführer beim Wetterdienst Q.met  gegenüber dem Wetterportal wetter.net und in einer Pressemitteilung. 

Hätte man besser auf die Unwetter-Katastrophe  vorbereitet sein müssen?

Eine britische Wissenschaftlerin warf den deutschen Behörden «monumentales» System-Versagen bei der Flutkatastrophe vor. Aus Sicht der Hydrologin Hannah Cloke von der englischen Universität Reading ist in Deutschland bei der Warnung der Bevölkerung viel schiefgegangen. Klare Hinweise, die im Rahmen des europäischen Frühwarnsystems EFAS (European Flood Awareness System, auf Deutsch: Europäisches Hochwasseraufklärungssystem) bereits vier Tage vor den ersten Überschwemmungen herausgegeben worden seien, seien offenbar nicht bei den Leuten angekommen, sagte sie der Zeitung Sunday Times.

Forscherin Cloke war laut Informationen der Deutschen Presseagentur am Aufbau von EFAS beteiligt, das nach den verheerenden Überschwemmungen an Elbe und Donau im Jahr 2002 gegründet wurde. Mithilfe meteorologischer und hydrologischer Daten sowie anhand von Computer-Modellen werden dabei Überschwemmungen und Sturzfluten vorhergesagt. Ziel ist es, Zeit zu gewinnen, um die Bevölkerung besser zu schützen.

Teile der Opposition im Bundestag richteten heftige Kritik gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zugeordnet ist. Seehofer, der nach seinem Besuch an der Steinbachtalsperre nach Bad Neuenahr-Ahrweiler weitergereist war, wies Kritik am Warnsystem des Katastrophenschutzes im Zusammenhang mit dem Hochwasser zurück. Die Dinge in Deutschland hätten gut funktioniert, sagte er. «Ich schließe nicht aus, dass wir das ein oder andere verbessern müssen.» Aber die Warnmeldungen hätten ohne jedes technische Problem funktioniert.

Katastrophenschutz - Warnung der Bevölkerung

Für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten sei nicht der Bund zuständig, sondern die Länder und die Landkreise. Seit einigen Monaten sei man aber dabei, die Unterstützungsleistungsleistungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für die Länder zu verbessern.

Signalpfeife und Notrufpfeife bei Amazon ansehen

Zuvor war teils heftige Kritik unter anderem aus der Opposition im Bundestag gekommen. FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sah schwere Versäumnisse. «Die rechtzeitigen Warnungen der Meteorologen sind weder von den Behörden noch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinreichend an die Bürgerinnen und Bürger kommuniziert worden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

«Es bietet sich das Bild eines erheblichen Systemversagens, für das der Bundesinnenminister Seehofer unmittelbar die persönliche Verantwortung trägt.»

Auch interessant: Katastrophenschutz: Wie zuverlässig warnen Bayerns Behörden?

Artikel enthält Affiliate Links
*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.