Über dem Berliner Grunewald im Westen der Stadt sind dichte Rauchsäulen zu sehen, die Hauptstadtfeuerwehr ist im Großeinsatz: Am Morgen des Donnerstag (4. August 2022) ist es auf einem Sprengplatz zu einer Explosion gekommen, die ein Feuer verursacht hat. Dieses hat sich im Verlauf der vergangenen Stunden zu einem Waldbrand entwickelt.

Das Feuer breitete sich zunächst unkontrolliert aus. "Das bereitet uns Sorge", sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstagmorgen. Es gebe nach wie vor keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wie es am Sprengplatz im Wald genau aussehe. Am Morgen war eine Fläche von eineinhalb Hektar betroffen, das ist etwa so groß wie zwei Fußballfelder. Es besteht die Gefahr weiterer Explosionen und umherfliegender Trümmerteile. Auch am frühen Nachmittag (Stand: 14 Uhr) ist die Brandursache unklar. Es sei nicht bekannt, ob es zunächst eine Explosion auf dem Sprengplatz der Polizei im Grunewald oder zuvor bereits ein Feuer gegeben habe. 

Waldbrand in Berlin: Enorme Gefahr durch tonnenweise Munition und Feuerwerkskörper

Dieser Einsatz könne lebensgefährlich sein, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auf dem Sprengplatz der Berliner Polizei im beliebten Ausflugsgebiet Grunewald lagert Munition, die Experten dort normalerweise unschädlich machen. 

Wie die Bild berichtet, wird auf dem Platz Fundmunition gelagert. Dieses Material wird regelmäßig kontrolliert durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Berliner Polizei entschärft. Unter Fundmunition versteht unter anderem gefundene Munition, die noch nicht eindeutig identifiziert wurde. Das Nachrichtenportal zitiert Feuerwehrsprecher James Klein, wonach sich auf dem Sprengplatz im Grunewald bis zu 50 Tonnen Kampfmittelmunition und illegale Feuerwerkskörper befänden. Es gebe verschiedene Lagerungsklassen. "Die wirklich großen Kampfmittel werden unter großen Sicherheitsauflagen gekühlt in Stahlbehältern gelagert. Es geht von Feuerwerkskörpern bis zu Kriegsmunition", so Klein. 

Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) ist die Menge an explosiven Stoffen nur halb so hoch wie von der Bild angegeben: "Auf dem Sprengplatz lagern Polizeiangaben zufolge rund 25 Tonnen", heißt es, "unter anderem Feuerwerkskörper und Weltkriegsmunition".  Laut Feuerwehr könne im Sommer aufgrund der Hitze und der hohen Waldbrandgefahr nicht gesprengt werden. Die bislang letzten Sprengungen seien im Juni gewesen. Dementsprechend habe sich so viel Munition angesammelt, erklärt die Bild.

"Wird lange dauern": Lebensgefährlicher Einsatz für Feuerwehrleute 

Die gelagerte Munition und die Feuerwerkskörper stellen die Feuerwehr vor große Probleme. Noch Stunden nach dem Ausbruch des Brandes kommen die Einsatzkräfte nicht an das Feuer heran - wegen der hohen Gefahr weiterer Explosionen. Bilder aus der Luft mithilfe einer Drohne und eines Polizeihubschraubers sollen Orientierung geben. "Der Einsatz wird lange dauern", sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein. Zudem ist die Gluthitze belastend für die Kräfte von Feuerwehr und Polizei, die häufiger ausgewechselt werden müssen.

Die Löscharbeiten hatten am frühen Donnerstagnachmittag (Stand: 14 Uhr) noch nicht begonnen. Nun soll ein mit Kameras ausgestatteter Spezialroboter der Bundeswehr am Nachmittag zum Einsatz kommen. Mit dessen Hilfe erhofft sich die Feuerwehr ein klareres Bild der Lage.

Mit vier Kameras und Greifarm ausgerüstet, könne der Roboter näher an die Brandfläche herankommen, sagte Brigadegeneral Jürgen Karl Uchtmann am Donnerstag. Auf diese Weise lasse sich ein klareres Lagebild erstellen.

"Manipulationsfahrzeug Teodor" soll helfen - Löschhubschrauber "nicht sinnvoll"

Mithilfe von "Manipulationsfahrzeug Teodor" - so die offizielle Bezeichnung des Roboters - können nach Bundeswehrangaben etwa "Kampfmittel und behelfsmäßige Sprengvorrichtungen auf Abstand entdeckt, identifiziert, bewertet und beseitigt werden".

Zur Frage eines möglichen Einsatzes eines Löschhubschraubers der Bundeswehr sagte Uchtmann, derzeit sei das über dem munitionsbelasteten Gebiet nicht sinnvoll. Der Helikopter müsste so hoch fliegen, dass er dann aus der Luft nicht gut ausreichend löschen könne. Es müsse auch verhindert werden, dass Munition möglicherweise "den Hubschrauber vom Himmel holt".

Die Einsatzkräfte haben dennoch damit begonnen, das Feuer einzudämmen. In einem Radius von 1000 Metern um das Feuer herum begannen sie damit, die angrenzenden Waldgebiete zu bewässern. Das soll ein Ausbreiten der Flammen erschweren. Auch die Bundeswehr ist im Einsatz. Wohngegenden sind nach Erkenntnissen der Feuerwehr nicht in Gefahr. "Das werden wir verhindern", sagte ein Sprecher. Die nächsten Wohngebäude seien mindestens zwei Kilometer entfernt. Verletzte habe es bislang nicht gegeben.

Explosion war kilometerweit zu hören

Nach Angaben eines Polizeisprechers ist noch völlig unklar, wie es am frühen Donnerstagmorgen zu der Explosion kommen konnte. Die Explosion war nach Angaben von Anwohnern kilometerweit zu hören.

Auf Aufnahmen der Feuerwehr sind dicke Rauchschwaden zu sehen, die über dem Brandgebiet ziehen. Es sei davon auszugehen, dass die hohe Trockenheit in der Gegend den weiteren Verlauf des Feuers beeinflussen werde, hieß es.

"Der Wald ist knochentrocken", sagte am Donnerstag Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz. Die Wälder hätten sich durch die vergangenen Dürreperioden nicht erholen können. Zur Frage, wie sinnvoll ein Sprengplatz im Wald überhaupt noch sei, sagte er: "Mit den Sicherheitsfragen werden wir uns beschäftigen, wenn die Brandursache geklärt ist."

Warnung an die Bevölkerung, Avus und Bahnverbindungen gesperrt

Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung dringend davor, den Wald am Donnerstag zu betreten. Das Gebiet ist großräumig abgesperrt. Derzeit würden Aufnahmen einer Drohne und eines Polizeihubschraubers zusammengeführt und ausgewertet, so der Sprecher. Der Regional- und der S-Bahnverkehr in Richtung Westen sind unterbrochen. Die S-Bahn-Linie S7 fährt von Berlin aus nur noch bis Grunewald, wie ein Bahnsprecher sagte. Beim Regionalverkehr werden demnach die Linien RE1 und RE7 derzeit mit Halt in Charlottenburg über Golm umgeleitet. Die Halte Potsdam Hauptbahnhof und Berlin-Wannsee entfallen. Die Linien RB21 und RB22 sind zwischen Berlin-Wannsee und Berlin-Friedrichstraße unterbrochen. Nach Potsdam gelangen Fahrgäste nach wie vor mit der S1.

Im Fernverkehr ist lediglich die Intercity-Verbindung in Richtung Magdeburg/Hannover/Stendal/Amsterdam betroffen. Die IC-Züge werden derzeit über Spandau umgeleitet. Stopps in Berlin-Wannsee und Potsdam entfallen. Die Autobahn Avus in Berlin bleibt voraussichtlich den ganzen Tag über gesperrt.

Die Behörden warnten die Bevölkerung über den Brand auf den Warnapps. Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten. Lüftung und Klimaanlagen sollen ausgeschaltet werden. Das Jagdschloss Grunewald bleibt aufgrund des Feuers in dem Gebiet am Donnerstag geschlossen. Gefahr für das Jagdschloss bestehe aber nicht, teilte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg am Vormittag mit.

mit Material der dpa

Mehr zum Thema: