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Rheda-Wiedenbrück
Corona-Hotspot

Nach Corona-Ausbruch: Fleischfabrik schließt

Nach einem weiteren explosiven Ausbruch in einer Fleischfabrik muss der Branchenriese Tönnies das Werk schließen. Insgesamt 675 Infizierte konnten bereits festgestellt werden. Der Kreis Gütersloh schließt alle Schulen und Kitas, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
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Tönnies stoppt Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück
Ein Lastwagen verlässt das Werksgelände von Tönnies. Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gestoppt. Die Schlachtungen seien bereits am Mittwochmittag eingestellt worden, nun würden weitere Bereiche nach und nach heruntergefahren, teilte das Unternehmen mit. Foto: David Inderlied/dpa Foto: David Inderlied (dpa)

Bereits am Mittwochnachmittag (17. Juni 2020) fuhr der letzte Lastwagen von dem Werksgelände von Tönnies. Der Schlachtereibetrieb muss die Produktion nach dem Corona-Ausbruch stoppen. Mit 675 Neuinfizierten innerhalb einer Woche nimmt der Ausbruch immer größere Ausmaße an. Mittlerweile wurde rund die Hälfte der Belegschaft positiv auf das Coronavirus getestet. Bisher wurden 1050 Tests gemacht, weitere Tests stehen noch aus.

Grund für den explosiven Ausbruch in dem Unternehmen könnte zum Einen die Rückkehr vieler Mitarbeiter aus der Heimat Osteuropa sein und zum Anderen die Kühlung in Bereichen der Firma. Gekühlte Räume befördern offenbar das Übertragen des Virus auf viele Personen, so Tönnies-Vertreter Gereon Schulze Althoff. Sprecher Andre Vielstädte entschuldigte sich im Namen der Firma: "Wir möchten uns bei der Bevölkerung des Kreises im Namen der Familie Tönnies entschuldigen. Wir werden alles dafür tun, das Virus aus dem Betrieb zu bekommen, um wieder arbeitsfähig zu werden". Bisher ist noch unklar ob es einen oder mehrere Infektionsherde gibt. Die Tests von vor drei bis vier Wochen waren negativ gewesen. Das bedeutet das Virus wurde in den vergangenen Wochen in den Betrieb getragen.

Nach Corona-Ausbruch in Fleischbetrieb: Erneuter Shutdown soll verhindert werden

Im Kreis Gütersloh wurde dementsprechend gehandelt und 7000 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind alle Menschen, die auf dem Werksgelände gearbeitet hätten, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Diese werden nun auf das Virus getestet. Einen allgemeinen Lockdown wird es im Kreis Gütersloh allerdings nicht geben, obwohl die Zahl von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner im Landkreis deutlich überschritten wurde. Der Landrat ließ Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien erneut schließen. Er bezeichnete dies als "probates Mittel" das Virus in der Verbreitung zu stoppen. Er betonte, dass es ein milderes Mittel sei, als ein kompletter Shutdown des Kreises. 

Dieser Ausbruch trifft den Branchenriesen Tönnies und damit Deutschlands Marktführer bei der Schlachtung von Schweinen. Das hat große Auswirkungen auf die Fleischproduktion. Auch die Schweinezüchter stellt dies vor ein Problem. Ihre Schweine werden so gezüchtet, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt schlachtreif sind. Die Tönnies-Gruppe bemüht sich nach eigenen Angaben, an anderen Orten die Produktivität zu steigern, um den Ausfall so zu kompensieren.

Dieser Ausbruch ist nicht der erste in einer Fleischfabrik. Bereits im Kreis Coesfeld bei Westfleisch hatte es einen Ausbruch gegeben. Schuld daran sind überwiegend die Lebensumstände und Unterbringungen der Mitarbeiter. Dies wird nun stark kritisiert. Die Naturschutzorganisation Greenpeace äußerte sich, Tönnies nehme massive Infektionsrisiken in Kauf und gefährde die ganze Region. "Die Politik verkennt die Dimension des Problems. Die Produktion von Billigfleisch funktioniert nur auf Kosten von Gesundheit, Tier und Umwelt", sagte Greenpeace.

Auch von Seiten der Politik gab es viel Kritik. Bodo Ramelow ( Linke) betonte nach dem Treffen mit der Kanzlerin am Mittwoch, man müsse "endlich über Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Menschen reden. Und ich finde, man muss diese Arbeits- und Lebensbedingungen endlich unterbinden, weil das haben weder die Tiere verdient, noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdient, noch wir Verbraucher."

Eine frühere Version dieses Artikels enthielt die Information, dass  20 Prozent der Fleischprodukte auf dem deutschen Markt durch die Schließung der Fabrik fehlen würden. Diese Aussage ist nicht korrekt, hierbei wurde das Zitat eines Sprechers der Tönnies-Gruppe falsch interpretiert. Die 20 Prozent bezogen sich auf den gesamten Marktanteil der Unternehmensgruppe und nicht den des einzelnen betroffenen Werkes.