Nach den Anschlägen auf türkische Läden im oberbayerischen Waldkraiburg vor knapp einem Jahr beginnt vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Deutschen kurdischer Abstammung versuchten Mord in 31 Fällen, schwere Brandstiftung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor.

Der Mann, der sich selbst als Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bezeichnete, plante Ermittlern zufolge weitere Anschläge auf türkische Einrichtungen und Moscheen und wollte Imame erschießen.

Im Mai vergangenen Jahres war der damals 25-Jährige nach einer mysteriösen Anschlagsserie gefasst worden. In der multikulturell geprägten Stadt Waldkraiburg, eine knappe Autostunde östlich von München, waren im April und Mai 2020 in mehreren Nächten Läden und Restaurants türkischstämmiger Inhaber mit einer übelriechenden Flüssigkeit attackiert worden, ein Laden brannte aus.

Die Festnahme des Mannes am 8. Mai 2020 könnte weitere Taten verhindert haben. Als die Polizei zugriff, hatte er Rohrbomben und kiloweise Sprengstoff dabei - wohl um Moscheen des Islamverbandes Ditib, das türkische Generalkonsulat in München und die Ditib-Zentralmoschee in Köln anzugreifen und Imame zu erschießen.

Seine tatsächlichen Taten gingen im Vergleich zu seinen Plänen nahezu glimpflich aus. Der Laden eines türkischen Gemüsehändlers ging in Flammen auf. Bei dieser schlimmsten Attacke in der Nacht zum 27. April wurden vier Bewohner des Hauses durch Rauchgas verletzt. Nur weil Bewohner den Brand bemerkten, gab es laut Bundesanwaltschaft keine Toten.

Extremismusexperten sahen in den Anschlägen eine neue Zielrichtung: Erstmals seien habe ein mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz IS türkische Ziele in Europa ins Visier genommen. Hintergrund könne die schärfere Gangart der türkischen Regierung gegen den IS sein. Für den Prozess sind 43 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte im August fallen.

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