Karlsruhe (Baden)
Bundesgerichtshof

Mordurteil aufgehoben: Totraser könnten mit milderer Strafe davonkommen

Zwei Berliner Raser fuhren bei einem illegalen Autorennen einen Menschen tot und wurden wegen Mordes verurteilt. Der BGH hob das Mordurteil heute auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
01.02.2016, Berlin: Die gesperrte Tauentzienstraße nach einem illegalen Autorennen. Dabei ist ein unbeteiligter Fahrer ums Leben gekommen. Der Bundesgerichtshof hat heute die Verurteilung wegen Mordes gegen die beiden Raser aufgehoben. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
01.02.2016, Berlin: Die gesperrte Tauentzienstraße nach einem illegalen Autorennen. Dabei ist ein unbeteiligter Fahrer ums Leben gekommen. Der Bundesgerichtshof hat heute die Verurteilung wegen Mordes gegen die beiden Raser aufgehoben. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Das bundesweit erste Mordurteil gegen die beiden Berliner Raser ist aufgehoben. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab am Donnerstag in Karlsruhe der Revision zweier Männer statt, die nach einem illegalen Autorennen vom Landgericht Berlin zu lebenslangen Haftstrafen wegen Mordes verurteilt worden waren (4 StR 399/17). Die beiden damals 24 und 26 Jahre alten Männer waren in der Nacht zum 1. Februar 2016 auf dem Kurfürstendamm im Stadtzentrum mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde unterwegs, rasten über elf Kreuzungen mit mehreren roten Ampeln und fuhren dabei einen Mann tot.


Illegales Autorennen am 1.2.2016 in Berlin: 69-Jährigen totgefahren
 

Einer der beiden hatte an der Ecke Tauentzienstraße/Nürnberger Straße den Geländewagen eines 69-Jährigen erfasst, der bei Grün in die Kreuzung fuhr. Dessen Fahrer hatte keine Chance: Sein Auto wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert. Der 69-Jährige starb noch an der Unfallstelle.
Aus Sicht des Landgerichts haben die Raser den Tod anderer billigend in Kauf genommen, um zu gewinnen. Die beiden hätten "mittäterschaftlich und mit bedingtem Vorsatz" gehandelt und das Auto dabei als Mordwaffe genutzt. Neben der lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes wurde ihnen der Führerschein auf Lebenszeit entzogen.


BGH kippt Mordurteil: Raser können auf mildere Strafe hoffen
 

Der BGH sah einen Vorsatz vom Landgericht nicht belegt - er ist Voraussetzung für ein Mordurteil. Der BGH wies die Sache zur Neuverhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts zurück. Die beiden Raser können nun auf eine wesentlich mildere Strafe hoffen. Bei einer fahrlässigen Tötung reicht der Rahmen von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.


Teilnahme an illegalem Autorennen: Bis zu 10 Jahre Haft
 

Maximilian Warshitsky, Nebenkläger im Prozess und Sohn des getöteten Autofahrers, hatte gehofft, dass das Mordurteil in Karlsruhe Bestand hat. Er leidet noch immer am sinnlosen Tod seines Vaters.
Ein Freibrief für Raser ist das BGH-Urteil aber nicht: Raser können weiterhin als Mörder verurteilt werden. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Auch können Teilnehmer an illegalen Autorennen neuerdings mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Das Strafgesetzbuch wurde nach dem Berliner Fall verschärft - die Regelung kann für die beiden Raser aber nicht mehr angewandt werden.



Verwandte Artikel