München
Sexueller Missbrauch

Missbrauchs-Skandal bei Hilfsorganisationen weitet sich aus

Missbrauch, Ausbeutung, Sex-Partys mit Spendengeldern - die Vorwürfe sind hart. Und nun tauchen auf einer Liste von "report münchen" prominente Namen auf.
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Weltweit benötigen Menschen in Not Hilfe. Doch viel zu oft werden die Helfer dann selbst zu Tätern - und Menschen in not zu Opfern. Symbolfoto: Ärzte ohne Grenzen/dpa
Weltweit benötigen Menschen in Not Hilfe. Doch viel zu oft werden die Helfer dann selbst zu Tätern - und Menschen in not zu Opfern. Symbolfoto: Ärzte ohne Grenzen/dpa

Ist der Missbrauchsskandal bei der Hilfsorganisation Oxfam nur die Spitze des Eisbergs? Zahlreiche weitere Hilfsorganisationen müssen nach Recherchen des ARD-Politmagazins "report München" eingestehen, dass Mitarbeiter aus ihrem Haus Menschen in Not oder Kolleginnen und Kollegen sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Laut einer Umfrage unter den 50 größten Hilfsorganisationen gab es in den vergangenen Jahren mindestens 132 bestätigte Fälle von sexuellem Missbrauch, sexueller Belästigung oder Ausbeutung. Angefragt wurde über die deutschen Niederlassungen. Die Opfer sind Menschen, die in Not waren oder aus dem Kollegenkreis stammen.


Missbrauch-Skandal bei prominenten Hilfsorganisationen


Bei den betroffenen Hilfsorganisationen tauchen sehr prominente Namen auf. Zahlreiche Fälle bestätigen gegenüber "report München" demnach: Care International, UNICEF, Amnesty International, SOS Kinderdorf International, die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Save the Children und Ärzte ohne Grenzen.

Für die Menschenrechtsaktivistin Inge Bell sind Kontakte zu Prostituierten oder sexueller Missbrauch durch Mitglieder von Hilfsorganisationen seit vielen Jahren ein offenes Geheimnis. Inge Bell:

 


"report München": Fälle totgeschwiegen


"In Kriegs- und Krisengebieten sind Frauen und Mädchen die Verliererinnen - und um zu überleben, um das blanke Überleben zu gewährleisten, verkaufen sie alles, was sie haben, und das ist letztlich nur noch ihr Körper. Und leider ist es eben so, dass sich auch internationale Friedenshelfer zu Schulden kommen lassen, diese Notfallsituation auszunutzen."

Bell sagte "report" weiter, die Institutionen hätten viel zu lange versucht, diese Fälle totzuschweigen.

Die UNO gibt inzwischen jährliche Berichte zu sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung durch Soldaten ihrer Friedensmissionen und zivile Mitarbeiter heraus. Allerdings kann sie die Täter nicht strafrechtlich verfolgen. Gegenüber "report München" räumt ein UNO-Sprecher ein, man müsse darauf vertrauen, dass die zuständigen Staaten dies übernähmen.

 

 


Anklage gegen französische Soldaten: Kinder missbraucht


Zuletzt entgingen französische Soldaten einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft in Paris. Sie sollen in Zentralafrika mehrere Kinder missbraucht haben.

Die Recherchen von "report München" machen eines deutlich: Viele Hilfsorganisationen haben erst vor wenigen Jahren damit begonnen, professionelle Meldesysteme zu etablieren. Teilweise befinden sie sich noch im Aufbau. Nach Aussagen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, UNHCR, sind die dokumentierten Fälle von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung in den vergangenen Jahren auch deshalb gestiegen - erst durch die Verbesserung des Meldesystems kommen viele Beschwerden demnach ans Licht.
Das Erste strahlt "report München" am Dienstag, 6. März, um 21.45 Uhr aus.