Landau
Abdul D.

Messerstecher von Kandel: Warum die Staatsanwaltschaft eine Revision prüft

Mia wurde kurz nach Weihnachten in Kandel erstochen. Der Fall löste bundesweit Debatten aus. Jetzt hat das Landgericht ihren Ex-Freund wegen Mordes verurteilt.
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Polizisten stehen an einem Seiteneingang zum Landgericht in Landau. Rund acht Monate nach dem gewaltsamen Tod von Mia soll vor dem Landgericht Landau das Urteil gesprochen werden. Der mutmaßliche Täter und Ex-Freund von Mia soll die15-jährige wenige Tage nach Weihnachten in einem Drogeriemarkt in Kandel aus Eifersucht niedergestochen haben. Foto: Andreas Arnold/dpa
Polizisten stehen an einem Seiteneingang zum Landgericht in Landau. Rund acht Monate nach dem gewaltsamen Tod von Mia soll vor dem Landgericht Landau das Urteil gesprochen werden. Der mutmaßliche Täter und Ex-Freund von Mia soll die15-jährige wenige Tage nach Weihnachten in einem Drogeriemarkt in Kandel aus Eifersucht niedergestochen haben. Foto: Andreas Arnold/dpa

Im Landauer Mordprozess hat die Staatsanwaltschaft am Montag noch nicht entschieden, ob sie das Urteil von achteinhalb Jahren Haft für die tödliche Messerattacke auf eine 15-Jährige in Kandel akzeptiert. Die Anklagebehörde prüfe, ob sie in Revision gehe, sagte ein Sprecher am Montag. Das Gesetz lässt dafür eine Woche Zeit. Zuvor hatte die Verteidigung mitgeteilt, dass sie den Richterspruch hinnehme.

Rund acht Monate nach dem tödlichen Messerangriff auf die 15-jährige Mia in Kandel hat das Landgericht Landau ihren Ex-Freund zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Richter verurteilten den mutmaßlich aus Afghanistan stammenden Abdul D. wegen Mordes und Körperverletzung nach Jugendstrafrecht, wie das Gericht am Montag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger hatten zuvor eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert, die Verteidigung sieben Jahre und sechs Monate wegen Totschlags.

Die Tat kurz nach Weihnachten 2017 mitten in einem Supermarkt der kleinen Stadt in der Pfalz hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte außerdem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu an. Rechtspopulistische Gruppen hatten den Fall zum Anlass genommen, um in Kandel immer wieder gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren.

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt war, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nun nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte.

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Das Landgericht Landau entschied sich dafür, im Zweifel für den Angeklagten den gesamten Prozess nach Jugendstrafrecht zu führen. Die Öffentlichkeit war daher von der Urteilsverkündung wie auch von den Verhandlungstagen zuvor ausgeschlossen.

Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte. Zwölf Tage vor der Tat hatte Mia zudem Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, es ging um Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige ihres Vaters gegen den jungen Flüchtling.

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