Berlin
Übergriffe

Mehr als 600 Übergriffe im ersten Halbjahr: Angriffe gegen Flüchtlinge meistens mit rechtsextremen Hintergrund

Über 600 Angriffe auf Flüchtlinge gab es im ersten Halbjahr 2019. Die häufigste Ursache für die Angriffe sind rechtsextreme Hintergründe.
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609 Angriffe auf Flüchtllinge gab es im ersten Halbjahr 2019. Auch Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte zählen dazu. Symbolfoto: Ferdinand Merzbach/dpa
609 Angriffe auf Flüchtllinge gab es im ersten Halbjahr 2019. Auch Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte zählen dazu. Symbolfoto: Ferdinand Merzbach/dpa

Über 600 Angriffe auf Flüchtlinge gab es im ersten Halbjahr 2019. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Für das zweite Quartal verzeichnet die Statistik 330 Übergriffe, wie der Evangelischen Pressedienst mitteilt und über die zuerst die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtet hatte. Die Zahlen für die ersten drei Monate wurden nach Angaben der Linksfraktion durch Nachmeldungen auf 279 korrigiert. Auch für das zweite Quartal sei noch mit Nachmeldungen zu rechnen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen die Zahlen leicht zurück.

Straftaten gegen Flüchtlinge: häufig rechtsextremer Hintergrund

Die meisten Straftaten waren rechtsextrem motiviert. Zudem kam es noch zu 60 Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, sowie 42 Attacken gegen Hilfsorganisationen oder ehrenamtliche Helfer. Bei den Übergriffen seien 102 Menschen verletzt worden, darunter sieben Kinder, berichtete die NOZ.

Jeder vierte aktenkundige Angriff auf einen Flüchtling ereignete sich laut Auflistung in Brandenburg. Die Polizei verzeichnete dort 160 Delikte mit dem "Angriffsziel Flüchtling/Asylbewerber", so das Bundesinnenministerium. In anderen Bundesländern wurden demnach weit weniger Übergriffe aktenkundig. In Baden-Württemberg waren es 62, in Niedersachsen 58, in Sachsen 56.

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Bundestag, sagte, Flüchtlinge seien in Deutschland einer alltäglichen Bedrohung ausgesetzt. "Der Staat hat eine Schutzpflicht gegenüber diesen Menschen."

Angriffe auf Flüchtlinge: Zahl der Angriffe leicht rückläufig

Straftaten gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte hatten seit der Fluchtbewegung 2015 enorm zugenommen. 2016 hatte es der Statistik politisch motivierter Kriminalität zufolge 995 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte gegeben. 2018 lag die Zahl bei 173. Die häufigsten Delikte waren demnach Körperverletzungen und Brandstiftungen. 1770 Straftaten richteten sich 2018 gegen Flüchtlinge außerhalb der Unterkünfte. Rund 800 davon wurden im ersten Halbjahr 2018 gemeldet.

Auch im Jahr 2018 waren die Angriffe hauptsächlich rechtsmotiviert.