Dresden
Polizei kontert Kritik

Linke Zecken? "Wenden Sie sich bitte an einen Arzt" - Sächsische Polizei veräppelt AfD-Anhänger

Wie viel Humor ist im Umgang mit rechten Kritikern erlaubt? Die Polizei in Sachsen reagierte mit spitzer Zunge auf die Kritik an ihrem Kampf gegen Rechtsextremismus.
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Humorvoll reagierte die sächsische Polizei auf die Kritik an ihrem Vorgehen gegen Rechtsextreme. Foto: Screenshot Twitter
Humorvoll reagierte die sächsische Polizei auf die Kritik an ihrem Vorgehen gegen Rechtsextreme. Foto: Screenshot Twitter
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Wie geht man mit rechtsextremistischen Entwicklungen in Deutschland um? Die Polizei in Sachsen zeigte vergangene Woche gleich zwei Wege: Einerseits verkündete sie, dass die Bemühungen im Kampf gegen Rechtsextremismus mit einer eigenen Sonderkommission verstärkt werden sollen - schließlich ist die Zahl rechtsmotivierter Straftaten in dem Freistaat doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt.

Andererseits versuchte die Social-Media-Abteilung der Polizei Sachsen trotz der bedenklichen Lage in dem Bundesland auch mit Humor zu reagieren - und so in einer aufgeheizten Situation für etwas Auflockerung zu sorgen.

Zecken? Die Gefahren von Borreliose nicht unterschätzen

Erfolgreich war dieses Vorgehen - so empfanden es zumindest viele Nutzer bei Twitter und Facebook - gegenüber einem Twitter-User. Der hatte unter einem Tweet der sächsischen Polizei geschrieben: "Kümmert euch eher um die linken Zecken Antifa. Die sind das größte Problem."

Die Reaktion der Polizei ließ nicht lange auf sich warten: "Wenn sie Probleme mit Zecken haben, wenden Sie sich bitte an einen Arzt. Die Gefahren von Borreliose sind nicht zu unterschätzen."

Tweet sächsische Polizei

Der Tweet des Nutzers wurde nachträglich gelöscht: "Ich habe den Post gelöscht weil wenn ich merke das ich verloren habe dann lass ich es", twitterte der Nutzer dazu.

Hinter dem Twitter-Zank steckt derweil ein ernsthaftes Problem. Tatsächlich bemüht sich die sächsische Polizei, rechtsextreme Tendenzen in dem Bundesland einzudämmen.

Hintergrund: Polizei Sachsen gründet "Soko Rex"

Im Rückgriff auf den Namen einer früher bestehenden Sonderkommission werde deshalb nun eine neue "Soko Rex" gegründet, kündigte Innenminister Roland Wöller (CDU) am Montag in Dresden an. Diese solle unter dem Dach des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums (PTAZ) beim Landeskriminalamt angesiedelt werden und 45 Mitarbeiter haben, ergänzte er. Leiter werde der 47 Jahre alte Kriminaldirektor Dirk Münster. Die erste "Soko Rex" in Sachsen war von 1991 bis 2013 aktiv und hatte zeitweise bis zu 40 Mitarbeiter.

Die Einheit soll demnach von weiteren 33 Beamten in den mobilen Einsatz- und Fahndungsgruppen unterstützt werden und Außenstellen in den fünf sächsischen Polizeidirektionen in Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig und Zwickau bekommen.

Ziel sei es, den Druck auf die rechtsextreme Szene deutlich zu erhöhen, betonte der Minister. Dazu werde außerdem die Fahndung im Internet intensiviert und ein computerbasiertes System eingeführt, das Radikalisierungen frühzeitig erkennen soll. Der Schutz von Amts- und Mandatsträgern werde ausgebaut, hieß es.

Wöller sagte, trotz der Veränderungen in Landes- und Bundesbehörden seit dem Auffliegen des NSU vor acht Jahren könne und wolle man an diesem Punkt nicht stehenbleiben. Die neue "Soko Rex" solle insbesondere der Entwicklung Einhalt gebieten, dass die Zahl der rechts motivierten Straftaten in Sachsen 2018 mit 56 pro 100.000 Einwohnern mehr als doppelt so hoch gelegen habe als im bundesweiten Durchschnitt.