Durch regelmäßiges Vorlesen fördern Eltern bei Kindern nicht nur deren Freude am Lesen, sondern auch Schulerfolg, Fantasie und empathische Fähigkeiten. Dennoch lesen 32 Prozent aller Eltern in Deutschland ihren Kindern nie oder nur selten vor. Warum nicht? Und wie ließe sich das ändern? Das wollen die Stiftung Lesen und ihre Unterstützer von der "Zeit" und der "Deutschen Bahn" genauer wissen. 

In der Studie wurden 526 Eltern von Kindern im Alter von einem bis sechs Jahren bundesweit persönlich befragt. Die Eltern hatten zuvor angegeben, dass sie ihren Kindern nur ein Mal pro Woche, seltener oder nie vorlesen. So wollten die Forscher herausfinden, ob es den Müttern und Vätern an Lesestoff fehlt, an mangelnder Zeit oder am guten Willen.

Vorlesen ist für viele eine zusätzliche Belastung im Alltag 

Hier die Ergebnisse: 

  • Etwa die Hälfte der befragten Eltern gab an, dass es im Haushalt anderes zu tun gebe und sie zu erschöpft zum Vorlesen seien. "Vorlesen ist für viele der Befragten eine zusätzliche Belastung in ihrem Alltag", sagt Rainer Esser, Geschäftsführer der "Zeit"-Verlagsgruppe. 
  • Rund die Hälfte der Eltern gab außerdem an, Vorlesen mache ihnen keinen Spaß.  Sie glauben, sie müssen schauspielern und ihre Kinder zum geduldigen Zuhören zwingen. 
  • 48 Prozent der Eltern glauben außerdem, dass ihren Kindern woanders schon genug vorgelesen werde, vor allem in der Kita. 
  • In den befragten Familien haben Kinder deutlich weniger Bücher als im Durchschnitt. 68 Prozent gaben an, dass ihre Kinder maximal zehn Bücher haben. 
  • Mehr als ein Viertel der Eltern finden Vorlesen schlichtweg nicht wichtig. 

Dennoch ist die Lage nicht aussichtslos. Um Eltern zum Vorlesen zu animieren, vermittelt die Impuls Deutschland Stiftung Hausbesuche bei Familien. "Dabei kommt eine geschulte Mutter in die Familie und zeigt in einem Rollenspiel, wie sie ihrem Kind vorlesen können", erklärt Daja Wübbens von der Stiftung. So könnten Ängste vor Büchern abgebaut werden, da das Buch im Rahmen des Programms immer wieder auftauche. Mittlerweile habe die Stiftung mehr als 40.000 Familien erreicht. 

Zudem gibt es auf der Seite Einfachvorlesen.de die Möglichkeit, Bücher kostenlos herunterzuladen. Außerdem gibt es bei dem Projekt "Buchstart" für Kinder die Möglichkeit, Bücher geschenkt zu bekommen.  "Geschichten müssen zu den Familien kommen, egal ob als Buch oder digital", meint Jürgen Kornmann von der Deutschen Bahn Stiftung. 

Tipp: 3-Minuten-Vorlesegeschichten