• Biontech-Impfstoff: weniger Dosen vorhanden, als von Ärzten bestellt werden
  • Gesundheitsminister Karl Lauterbach: Deutschland muss bereits auf Reserven zurückgreifen
  • Plan der neuen Ampel-Regierung: 90 Millionen Biontech-Dosen nachkaufen

Karl Lauterbach (SPD) sagt den nächsten Impfstoff-Engpass voraus: Bei der Impfkampagne gegen das Coronavirus ist nach Angaben des neuen Bundesgesundheitsministers der Biontech-Impfstoff bereits jetzt knapp bemessen. Innerhalb der nächsten drei Wochen könnten in Deutschland etwa 3,2 Millionen Dosen davon ausgeliefert werden, so Lauterbach am Mittwochabend (15. Dezember 2021). "Das ist aber viel weniger als das, was die Ärztinnen und Ärzte jede Woche abrufen." Der neue Minister hatte zuvor schon vor einem Mangel an Impfstoff im ersten Quartal 2022 gewarnt. Aus der Union sowie auch von Hausärzten kam deshalb Kritik.

Impfkampagne: Bundesregierung will Millionen Biontech-Dosen nachkaufen

"Wir können in der nächsten Woche 1,2 Millionen Dosen Biontech für ganz Deutschland ausliefern, in der Woche darauf 800.000 Dosen und dann noch einmal 1,2 Millionen Dosen", sagte Lauterbach im ZDF. "Das sind schon Reserven. Wir schütten hier alles aus. Denn die Kampagne muss ja laufen so gut, wie sie kann." Für 2,2 Milliarden Euro will die neue Bundesregierung nun mehr als 90 Millionen Dosen Biontech-Impfstoff nachkaufen.

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge ist der Grund für den Mangel, dass Deutschland und die EU im Frühherbst eine Bestelloption über mehrere Millionen zusätzliche Dosen Biontech verstreichen ließen. Mögliches Lieferdatum wäre der Januar 2022 gewesen. Weder der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hätten auf zusätzlichen Impfstoff gedrängt.

Aus der CDU kam der Vorwurf, Lauterbach rufe "Feuer", um dann Feuerwehr zu spielen. Der SPD-Politiker betonte jedoch, die Mitteilung über Impfstoffknappheit sei kein Vorwurf gegen Vorgänger Jens Spahn. Über das ganze Jahr hinweg sei auch genug Impfstoff vorhanden gewesen - aber nicht für eine sehr schnelle Booster-Kampagne. "Ich versuche jetzt, notfallmäßig Impfstoff aus osteuropäischen Ländern zurückzukaufen." Das dorthin gelieferte Serum könne zum Teil nicht verimpft werden.

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Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, kritisierte Lauterbachs Öffentlichkeitsarbeit. "Die einen bekommen Angst, dass sie nicht mehr geboostert werden können", sagte Weigeldt der Funke-Mediengruppe. "Die anderen nehmen Abstand von der Impfung, weil sie das Gefühl haben, es bringt nichts, sich darum zu bemühen." Das helfe nicht. Der Sozialverband VdK forderte, bei einem absehbaren Mangel an Impfstoffen jetzt schon Risikogruppen bei der Booster-Impfung vorzuziehen.

Arztpraxen benötigen Impfstoff-Nachschub

Ärztepräsident Klaus Reinhardt schlug vor, die Beschaffung und Verteilung von Impfstoffen auf den neuen Krisenstab im Kanzleramt zu übertragen. "Entscheidend ist nicht, was in den Bestellbüchern steht, sondern was am Ende bei den Ärztinnen und Ärzten vor Ort ankommt", sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Aus Sicht der Caritas hat die Corona-Pandemie lange angelegte Armutsrisiken sichtbar gemacht. "Einmal arm, immer arm - das ist für immer mehr Menschen eine reale Bedrohung", sagte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa der Deutschen Presse-Agentur. An diesem Donnerstag (16. Dezember 2021) will der Paritätische Wohlfahrtsverband einen Bericht zur Armutsentwicklung in der Pandemie veröffentlichen.

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