• Corona-Maßnahmen: Karl Lauterbach (SPD) stellt drei Forderungen auf
  • Darunter auch eine verschärfte Ausgangssperre ab 20 Uhr
  • Auch für Maßnahmen in Schulen und Betrieben hat der Gesundheitsexperte Vorschläge

Der Lockdown in Deutschland zieht sich weiter in die Länge - und  gleichzeitig wird auch die Kritik an den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung immer lauter, denn noch machen sich die Beschränkungen kaum in den Infektionszahlen bemerkbar.

Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach rät daher zu einem kurzen, harten Lockdown - auch Kanzlerin Angela Merkel zieht einen "Bundeslockdown" in Erwägung. Im Gespräch mit der "Welt"  erklärte Lauterbach außerdem drei Maßnahmen, die sich auch kurzfristig umsetzen lassen und den Lockdown effektiver machen würden.

Lauterbachs Drei-Punkte-Plan: Mit diesen Maßnahmen hätte der Lockdown Erfolg

Zum einen seien Ausgangssperren notwendig, bevorzugt nach 20 Uhr. Diese hätten sich "bei der Bekämpfung von B.1.1.7, der Mutation, mit der wir hier ringen" bereits als wirksam erwiesen. Grundsätzlich scheinen sich Mediziner einig zu sein, dass eine konsequente Ausgangssperre ein effektives Mittel ist, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. In Großbritannien durften die Menschen zum Beispiel nur noch zum Einkaufen, zur Arbeit oder für Arztbesuche das Haus verlassen. Daraufhin sind auch die Corona-Zahlen wieder deutlich gesunken. Irland und Frankreich haben ebenfalls Ausgangssperren verhängt.

Wie der Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr im Podcast "Die Wochentester" vom"Kölner Stadt-Anzeiger" und"Redaktions-Netzwerk Deutschland" (RND) erklärte, könnte eine Ausgangssperre bei der Verbreitung des Coronavirus im privaten Umfeld gegensteuern. "Da die meisten Infektionen innerhalb von Familien erfolgen, sind tiefgreifende Corona-Maßnahmen dort am ehesten erfolgreich."

Allein eine nächtliche Ausgangssperre, wie sie Lauterbach vorschlägt und die bereits in deutschen "Hotspots" gilt, sei dagegen weniger wirksam. "Wenn wir Begegnungen zwischen 20 und 5 Uhr verhindern, bringt das kaum etwas. Es finden ja abends ohnehin keine Veranstaltungen statt", so der Frankfurter Virologe Martin Stürmer im Gespräch mit Focus Online. Die privaten Treffen werden dann in den meisten Fällen einfach zeitlich vorgezogen.

Schutz vor Corona in Schulen und Betrieben: Testpflicht und Homeoffice-Pflicht

Die zwei weiteren Maßnahmen, die Lauterbach empfiehlt, beziehen sich auf die Bereiche Arbeit und Schule: eine Testpflicht in Schulen und Betrieben sowie eine Homeoffice-Pflicht. Die Testpflicht für Schüler und Arbeitnehmer wurde in Niedersachsen bereits eingeführt und laut Kultusminister Hendrik Tonne bisher gut angenommen. Es dürfen dort also nur Schüler in den Präsenzunterricht, die einen negativen Corona-Test vorweisen könne. Dabei kommen vorwiegend Selbsttests zum Einsatz, damit sich die Kinder und Jugendlichen bereits zu Hause testen können. Auch in Bayern und weiteren Bundesländern ist eine derartige Testpflicht bereits in Planung.

Die Homeoffice-Pflicht ist ebenfalls kein vollkommen neuer Vorschlag. Auf Bundesebene wurde eine entsprechende Regel bereits diskutiert, bis zum 30. April gilt noch, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Homeoffice zum Schutz vor Corona ermöglichen müssen. Es ist jedoch nur Pflicht, "sofern nicht zwingende betriebliche Gründe entgegenstehen". Berlin hat seine Verordnung dahingehend kürzlich verschärft: Unternehmen müssen 50 Prozent der Arbeitsplätze im Homeoffice anbieten, außer die Reduzierung der Präsenz ist nicht "zweckmäßig" oder gefährdet die  Sicherheit. Diese Ausnahme gilt dann beispielsweise bei den Leitstellen der Polizei und Feuerwehr.

"Mit diesen drei Maßnahmen käme man schon sehr weit", so Lauterbach. Ausgangssperre, Testpflicht und Homeoffice-Pflicht sollen zusätzlich zu den bestehenden Regeln gelten, "dann hätte der Lockdown Erfolg." Wichtige Voraussetzung seien aber auch "stabil sinkende Fallzahlen". Das werde umso besser, früher und sicherer gelingen, "je früher wir damit anfangen", meint der Gesundheitsexperte.

Fazit: So sieht Lauterbachs Drei-Maßnahmen-Plan aus

Der Virologe hält folgende drei Punkte für nötig, um das Coronavirus auch auf lange Sicht effektiv einzudämmen: 

  • Ausgangssperre: Lauterbach fordert eine Ausgangssperre nach 20 Uhr, da sich diese gegen die Mutation B.1.1.7 als sinnvoll erwiesen hätte.
  • Testpflicht in Schulen und Betrieben: Nur Schüler, die ein negatives Testergebnis vorweisen können, dürfen am Präsenzunterricht teilnehmen. Gleiches gilt für Betriebe.
  • Homeoffice-Pflicht: Sofern möglich sollen alle Arbeitnehmer ihrer Arbeit im Homeoffice nachgehen.

Manche Punkte werden eher kritisch angesehen. Andere Virologen sind beispielsweise der Meinung, dass die Ausgangssperre nach 20 Uhr keinerlei Effekt auf die steigenden Fallzahlen habe. Die Testpflicht in Schulen wurde hingegen schon in manchen Bundesländern eingeführt.