Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält Corona-Impfungen von Kindern ab zwölf Jahren für angemessen. Dass die Politik hier jetzt Fakten schaffe, sei richtig, sagte Lauterbach am Montag (02. August 2021) im Deutschlandfunk vor Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz zu dem Thema. Die wesentlichen Studien zur Impfung von Kindern zeigten, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante des Coronavirus gefährlicher sei als eine Impfung. Wissenschaftlich komme er klar zu dem Ergebnis, dass Impfungen Kindern helfen.

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC, die weltweit wohl die besten Experten habe, empfehle die Impfung von Kindern. In den USA seien mehr als sechs Millionen Kinder geimpft, die Immunisierung sei hier gut untersucht. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Lauterbach sagte, die Stiko vertrete hier eine "Außenseiterposition".

Lauterbach: Impfung für Kinder ab 12 Jahren angemessen

An diesem Montag (02. August 2021) beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über Corona-Impfangebote für Jugendliche. "Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten", schreibt das Bundesgesundheitsministerium in einem an die Länder versendeten Beschlussvorschlag. Speziell für Bayern erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek in einer Pressemitteilung am Montag, dass die Corona-Impfkampagne für Jugendliche und junge Erwachsene nun ausgebaut werde. 

"Mit gezielter Aufklärung und Information wollen wir sie zu einer Impfung bewegen. Der Impfstoff ist da! Lassen Sie sich jetzt impfen! Nutzen Sie die vielen Impfangebote ohne Termin und ohne Registrierung! Eine Impfung ist die beste Vorsorge für den Herbst und Winter und außerdem ein Akt der Solidarität im gemeinsamen Kampf gegen die Pandemie", appellierte Holetschek. Jugendliche im Alter zwischen 15 bis 19 Jahren und junge Erwachsene im Alter zwischen 20 bis 34 Jahren weisen aktuell mit 38,7 bzw. 27,8 die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen auf (Stand: 01.08.2021, 08:00 Uhr), heißt es laut Pressemitteilung. 

Holetschek bekräftigte: "Deshalb müssen wir diese Altersgruppe jetzt beim Impfen verstärkt in den Fokus nehmen. Denn COVID-19 kann auch für Jüngere gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Auch die Folgen des Post-COVID-Syndroms für junge Menschen dürfen wir nicht unterschätzen.“ Um junge Menschen zur Impfung zu ermutigen, wird nicht nur die Kampagne ausgeweitet, sondern auch die Möglichkeiten sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. "Mit mobilen Teams, über Sonderaktionen vor Ort und Impfterminen ohne Voranmeldung bringen wir die Impfungen direkt zu den jungen Menschen: in die Schulen, in Einkaufszentren, in die Sportvereine und in Fitnessstudios, in die Gastronomie, zu Fastfoodketten oder Kinos.“