• Schweigeminute und Glockengeläut für getötete Polizisten in Kusel
  • An der Trauerfeier nahmen auch Malu Dreyer und Roger Lewentz (beide SPD) teil
  • Polizeipräsident dankt für weltweite Anteilnahme
  • Schweigeminute auch in anderen Bundesländern

Am Freitag, 4.2., um 10 Uhr fand eine Schweigeminute und eine Trauerfeier in Kusel in der Pfalz für die zwei getöteten Polizisten statt. Alle Polizist*innen aus Rheinland-Pfalz waren aufgerufen, in Gedenken an die ermordeten Polizisten innezuhalten. Doch auch über Rheinland-Pfalz hinaus trauerten Polizist*innen, Politiker*innen und Bürger*innen mit den Kolleg*innen, Freund*innen und der Familie der Getöteten.

Malu Dreyer: "Ganz Rheinland-Pfalz trauert um zwei junge Menschen"

Ministerpräsidentin Dreyer drückte ihre Anteilnahme am Freitagmorgen aus, wie der SWR berichtet: "Ganz Rheinland-Pfalz trauert um zwei junge Menschen, die mit großer Leidenschaft unser aller Sicherheit zu ihrem Beruf gemacht haben. Ich weiß, dass Worte nicht vermögen, im tiefen Schmerz um das geliebte Kind, den geliebten Partner, die Freundin, den Kollegen, Trost zu spenden."

Auch Innenminister Lewentz zeigte sich auf der nicht-öffentlichen Trauerfeier, wie der SWR schreibt, tief traurig und fassungslos: "Auch Tage nach der erschütternden Tat lässt mich der Tod der beiden jungen Polizeiangehörigen tief traurig und fassungslos zurück. Auch deshalb ist es für mich selbstverständlich, den Angehörigen und den Polizeikolleginnen und -kollegen heute bei ihrer Trauer beizustehen."

Die zwei Polizisten - ein 29 Jahre alter Oberkommissar und seine 24 Jahre alte Kollegin, eine Polizeianwärterin - waren am frühen Montagmorgen, 31. Januar, nur wenige Kilometer von Kusel entfernt bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden. Unter dringendem Tatverdacht stehen zwei 32 und 38 Jahre alte Männer, die noch am selben Tag festgenommen wurden und nun in Untersuchungshaft sitzen.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat nach den tödlichen Schüssen und noch vor der Trauerfeier hämische Kommentare im Internet scharf verurteilt. "Wir erleben im Netz gerade widerwärtige Dinge, dass diese Tat von manchen bejubelt wird", sagte Dreyer am Freitag, 4.2., im pfälzischen Kusel. Die Ministerpräsidentin nahm dort mit Innenminister Roger Lewentz (ebenfalls SPD) an einer nicht-öffentlichen Trauerfeier in der Fritz-Wunderlich-Halle teil, zu der zirka 200 Personen erwartet wurden.

Dreyer: "Das ist einfach nur menschenverachtend und schlimm"

Dreyer sagte am Freitag mit Blick auf Kommentare im Netz: "Das ist einfach nur menschenverachtend und schlimm." Die Behörden würden weder Beleidigungen noch Drohungen dulden - und nicht nur löschen, sondern verfolgen und bestrafen.

Innenminister Lewentz gab bekannt, in der Nacht auf Freitag, 4.2., habe es im Raum Idar-Oberstein bereits einen Zugriff gegeben. "Dort hatte eine Person im Netz aufgerufen, Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte auf Feldwege zu locken und dort zu beschießen", sagte er. Man habe die Wohnung geöffnet und die Person überwältigt. Der Staat akzeptiere solche Aufrufe nicht. "Das Verfahren läuft", sagte Lewentz.

Bei der polizeiinternen Trauerfeier in Kusel dankt der Präsident des Polizeipräsidiums, Michael Denne, der Unterstützung aus aller Welt. Über die Tat sagte er: "Diese Morde machen uns fassungslos". Die beiden Getöteten seien Freunde und Wegbegleiter gewesen, nicht nur Kollegin und Kollege, schreibt der SWR.

Schweigeminuten und Gedenken auch in anderen Bundesländern

Auch in anderen Bundesländern wurden Schweigeminuten für die getöteten Polizisten aus der Pfalz abgehalten. In Baden-Württemberg beteiligte sich auch der Innenminister Thomas Strobl an der Schweigeminute auf dem Heilbronner Marktplatz. Er sagt: "Wenn Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag mit viel Engagement für unsere Sicherheit sorgen, die sich selbst in Gefahr bringen, um uns zu schützen, angegriffen und sogar brutal ermordet werden, dann trifft uns das als Gesellschaft zutiefst. Dieser Angriff ist ein Angriff auf uns alle."

Auch Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz  spricht sich gegen Gewalt gegen die Polizei aus: "Es ist zutiefst verachtenswert, dass zwei junge Menschen, die noch ihr Leben vor sich hatten, durch eine solch abscheuliche Tat aus dem Leben gerissen wurden. Wir wollen über die Ländergrenze hinweg ein deutliches Zeichen der Verbundenheit senden und gleichzeitig auch ein unmissverständliches Signal an die Öffentlichkeit: Wir werden Gewalt gegen die Polizei niemals tolerieren."

Auch in Hamburg gedenkt die Hamburger Polizei den getöteten Polizisten aus der Pfalz: "Die Polizei Hamburg nimmt Anteil und ist in Gedanken bei den Kolleginnen und Kollegen der Polizei Rheinland-Pfalz, den Familien und Freunden der Verstorbenen. Wir gedenken in Stille."

Auch in Niedersachsen und Bremen haben Polizeibeamt*innen der beiden in Rheinland-Pfalz getöteten Polizisten gedacht. "Das Leid und der Schmerz, die diese abscheuliche Tat bei den Menschen im Umfeld der ermordeten Polizisten zurücklässt, sind kaum vorstellbar", äußerte sich Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius in Hannover. "Worte für das zu finden, was passiert ist, ist nahezu unmöglich."

In Bremen gab es ebenfalls eine Trauerfeier mit Gedenkminute. "Unsere Kolleginnen und Kollegen riskieren ihre Gesundheit und auch ihr Leben in diesem Beruf für die Gesellschaft", teilte Polizeipräsident Dirk Fasse mit. "Das ist ihnen in Zeiten, in denen Teile dieser Gesellschaft Polizisten den Tod wünschen oder sie aufs übelste beleidigen, hoch anzurechnen. Sie alle haben heute nicht nur Trauer und Mitempfinden zum Ausdruck gebracht, sondern auch ein Signal gesetzt für den Wunsch nach mehr Respekt für ihre Arbeit."

Anteilnahme in RLP und Saarland: Straßenbahn stand still - Kirchturmglocken läuteten

"Auch von uns sind mehrere Dutzend in Mainz raus auf den Schillerplatz gegangen", sagte ein Ministeriumssprecher in Mainz am Freitag, 4. Februar. Vor seinen Augen hätten auch eine Straßenbahn und ein Bus mit Warnblinklicht vorübergehend stillgestanden. An der Schweigeminute beteiligte sich auch der Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags zur Ahr-Flutkatastrophe im Juli 2021, teilt die dpa mit. 

Viele katholische und evangelische Kirchen in der Pfalz und im Saarland sollten läuteten ebenfalls ihre Kirchturmglocken. "Ich habe es gerade in St. Wendel gehört", teilte eine Sprecherin der Evangelischen Kirchenkreise an der Saar laut dpa mit.

Superintendent Markus Karsch vom Kirchenkreis Saar-Ost hatte bekanntgegeben: "Unsere Glocken rufen die Menschen zu Andacht und Gebet, ganz persönlich und auch in der Gemeinschaft. In den Kirchen, zuhause, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Als Zeichen der Mitmenschlichkeit, gegen die Gewalt."

Katharina Martin mit dpa