• Der ältere Tatverdächtige (38) durfte keine Waffen besitzen
  • Am Freitag, 4. Februar, fand eine landesweite Schweigeminute statt
  • Die beiden Tatverdächtigen schon vorher straffällig geworden
  • Kiloweise Dammwild, verpacktes Fleisch und Tierabfälle gefunden: Das ist bisher bekannt

In der Nacht zum Montag, 31. Januar, sind bei einer Verkehrskontrolle im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet worden. Am Freitagmorgen, 4.2., fand um 10 Uhr eine landesweite Schweigeminute und eine nicht-öffentliche Trauerfeier für die getöteten Polizisten statt. Und noch mehr wird bekannt: Die zwei Tatverdächtigen sollen schon vorher straffällig geworden sein.

Abschlepphelfer meldete die Tatverdächtigen bei einer Anwältin

Auch mehr als eine Woche nach der Tat gibt es neue Erkenntnisse über die beiden Tatverdächtigen. So soll laut Staatsanwaltschaft Kaiserslautern Andreas S. weder die Erlaubnis gehabt haben, Waffen noch einen gültigen Jagdschein besessen haben. Nach Angaben des saarländischen Landkreistags musste der Mann bis Januar 2020 seine Waffen an berechtigte Personen abgeben, weil er keine Erlaubnis mehr zum Waffenbesitz hatte. An wen die Waffen überlassen wurden, werde derzeit überprüft. Dennoch wurden sowohl im saarländischen Sulzbach als auch am Wohnort von S., Spiesen-Elversberg, zahlreiche Waffen entdeckt.

Nach der Tat hätten die beiden Verdächtigen, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt, einen Unfall gehabt, berichtet zudem die Staatsanwaltschaft. Der Helfer, der den Transporter abgeschleppt hat, habe sich über eine Rechtsanwältin gemeldet, nachdem öffentlich nach S. gefahndet wurde. Der Zeuge gab an, "dass er auf Anruf eines der Tatverdächtigen das Auto abgeschleppt habe, das nicht mehr fahrbereit war." An dem sichergestellten Fahrzeug seien Einschüsse festgestellt geworden, die näher untersucht werden, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft.

Fahrlässige Körperverletzung und Verkehrsdelikte: Schon vorher waren die Tatverdächtigen auffällig

Inzwischen sitzen die zwei Männer im Alter von 32 und 38 Jahren in Untersuchungshaft. Die Polizei geht davon aus, dass die Männer mit der gemeinschaftlichen Tötung der Straftat des Wilderns entgehen wollten. Nach Spiegel-Informationen sind inzwischen Belege in Höhe von 40.000 Euro und vollgestopfte Kühlräume mit Wildtieren aufgetaucht. Das wirft die Frage auf: Handelt es sich bei dem Geschäft mit den Wildtieren um einen Wildtier-Großhandel?

Am Donnerstag, 3.2., wurde laut ntv-Informationen bekannt, dass die saarländische Justiz in der Vergangenheit gegen die beiden Tatverdächtigen bereits ermittelt hatte. Es seien Urteile unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Verkehrsdelikten gefallen, so die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken.

Damwild, Tierabfälle, verpacktes Fleisch: Das ist bisher bekannt

Im Auto der Männer seien insgesamt 22 Stück Damwild gefunden worden. Außerdem seien in der Wurstküche eines Tatverdächtigen im saarländischen Sulzbach Tierabfälle sichergestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern am Donnerstag, 3. Februar, mit.

Laut Staatsanwaltschaft wurden zusätzlich am Aufenthaltsort eines Tatverdächtigen in Spiesen-Elversberg im Saarland 20 ausgeweidete Wildtier-Kadaver sowie Tierabfälle entdeckt. Vor der Tür habe dort ein Kühlanhänger mit verkaufsfertig verpacktem Fleisch im Wert von mehreren tausend Euro gestanden. Die Ergebnisse der Durchsuchungen würden weiter ausgewertet, hieß es.

Einem der beiden Verdächtigen war nach Informationen des Deutschen Jagdverbandes 2020 wegen fehlender Zuverlässigkeit ein Jagdschein verweigert worden. Der 38-Jährige soll wohl als Wilderer aufgefallen sein.

Letzter Funkspruch der Polizisten: "Die schießen"

Wie die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, das Landespolizeipräsidium des Saarlandes und das Polizeipräsidium Westpfalz in einer Pressekonferenz am Dienstag, 1. Februar, mitteilten, seien in der Tatnacht von den Polizisten Kontrollmaßnahmen wegen Eigentumskriminalität durchgeführt worden. Die getöteten Polizisten seien mit einem Einsatzfahrzeug im Einsatz gewesen und hätten "dubiose Personen" und einen ganzen Kofferraum voller Wildtiere gemeldet.

Nach dem ersten informativen Funkspruch soll ein zweiter abgegeben worden sein: "Die schießen." Bei Ankunft der polizeilichen Unterstützung nach zirka zehn Minuten soll die 24-Jährige bereits tot gewesen sein. Ausweisdokumente von einem der Männer, die später festgenommen werden konnten, seien bei der toten Polizistin gefunden worden. Danach startete der Einsatz in Richtung Saarland. Dabei konnte sich der Fahndungserfolg zügig einstellen, so ein Polizeisprecher.

Der 38-jährige Tatverdächtige soll sich schließlich widerstandslos im Wohnhaus in Sulzbach festnehmen haben lassen. Auch das Haus sei danach durchsucht worden, teilt die Polizei mit. Der 32-jährige ebenfalls anwesende Mann habe sich auch widerstandslos festnehmen lassen. Die beiden Männer seien nicht miteinander verwandt, teilt die Polizei mit.

"Wir gehen davon aus, dass mit zwei Waffen geschossen wurde"

Die Männer sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Bei beiden Haftbefehlen geht der Ermittlungsrichter davon aus, dass sie beidseitig an der Tötung der Polizisten beteiligt waren, so die Polizei. Ziel der Tötung sei die Verdeckung von Wilderei gewesen, nachdem sie in die Polizeikontrolle geraten waren.

Eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr sind als Tatwaffen festgestellt worden. "Wir gehen davon aus, dass beide Waffen verwendet wurden", teilt die Polizei in der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag mit. Ein Schuss mit einer der Waffen führte bei der Polizistin zum Tod, auf den Polizeibeamten sei insgesamt viermal geschossen worden, teilt die Polizei in der Pressekonferenz mit. Beide seien durch Kopfschüsse getötet worden.

"In Gedanken sind wir bei den Familien und Freunden"

Die sozialen Verhältnisse der Tatverdächtigen sollen brüchig sein. Die Tatverdächtigen seien vorher polizeilich in Erscheinung getreten, allerdings wegen kleinerer Delikte.

"In Gedanken sind wir bei den Familien und Freunden", teilt die Polizei in der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag mit. "Wir haben aber auch eine unfassbare Welle der Solidarität erlebt." Zirka 200 Polizist*innen seien im Einsatz gewesen.

Schockiert sei man über die kaltblütige Tötung aus niederen Gründen, wie der Fortführung der Wilderei, und die Entwicklung, dass der Staat per se als Feind betrachtet werde. "Es gehört nicht zu unserer Vorstellung von Deutschland, dass jemand auf offener Straße mit Jagdwaffen schießt, weil er vielleicht beim Wildern erwischt wird", sagte Oberstaatsanwalt Udo Gehring. 

Die Waffe der jungen Polizistin wurde offensichtlich nicht eingesetzt, ihre Pistole steckte noch im Holster. Die 24-Jährige war nach Polizeiangaben sofort tot. Der 29 Jahre alte Beamte aus Kusel habe zunächst noch gelebt, sei aber gestorben, als die Rettungskräfte eintrafen, berichtete ein Polizeisprecher. "Er war ein absolut Guter", sagte ein Kollege traurig. Beide Opfer stammten wie die beiden Tatverdächtigen aus dem Saarland.

Weitere Ermittlungen sind im Gange - Den Tatverdächtigen droht lebenslange Haft

Die Ermittler wollen auch den rund 150 Hinweisen nachgehen, die zu dem Verbrechen bis zuletzt eingegangen waren. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat oder etwa Verbindungen in die sogenannte Reichsbürgerszene gebe es nicht.

Der Staatsanwaltschaft zufolge droht den Männern nun lebenslange Haft. 

Vorschaubild: © Harald Tittel (dpa)