Als der einstige bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) Sprachtests für einbürgerungswillige Ausländer forderte, war die Aufregung groß bei SPD und Grünen. Rechtsaußen war noch die mildere Variante. Heute ist Becksteins Vorstoß das, was man Mainstream nennt: Ohne hinlängliche Beherrschung der deutschen Sprache ist berufliche und soziale Integration insgesamt nicht möglich.

Wenn die aktuell das Ziel der CSU wäre, dann stünden in ihrem Leitantrag zum Nürnberger Parteitag am Wochenende konkrete Vorschläge zu mehr und besseren Sprachkursen sowie zu deren Finanzierung. So aber tut sie mit ihrem "deutsch dahoam" das, was sie schon anstandshalber nicht tun sollte: Die angebliche Partei der Familien mischt sich in deren Privatleben ein. Ob ihn denn seine seine italienische Frau noch "Amore" nennen dürfe, fragt ein Deutscher süffisant.

Der Spott bleibt einem allerdings im Halse stecken, denn schlimmer als die Absurdität der CSU-Initiative ist deren Absicht: Sie fischt am rechten Rand im Trüben und möchte dort der Alternative für Deutschland (AfD) das Wasser abgraben. Dumm nur, das jedem, der sich in diesen Sumpf begibt, selbst ein übler Geruch anhaftet.
Mag ja sein, dass CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der sich anscheinend (noch) so ziemlich jede Peinlichkeit leisten kann, Aufmerksamkeit lenken wollte auf den ansonsten eher belanglosen Parteitag. Das wenigstens ist ihm gelungen - mehr allerdings, als seiner Partei lieb sein kann. Die steht nun für verantwortungslose Zündeleien, aus denen allzu leicht Brandstiftung werden kann.

Wirres Denken zeigt sich am schlampigen Umgang mit der Sprache. "Angehalten" werden soll zum Deutsch in der Familie, schreibt Scheuer. Wie, bitte, und von wem? Nun, in der korrigierten Fassung, soll "motiviert" werden. Ein verschwurbelter Versuch des Rückzugs.

Zu dem hatte die Chefin der CSU-Bundestagsabgeordneten, Gerda Hasselfeldt, zuvor schon geraten. "Etwas Gedanken" solle man sich machen. Aber nur über "die Formulierung". Nicht etwa über die allzu klare Absicht.
Die CSU muss sich nicht "etwas" Gedanken machen, sondern viele. Schon bei ihrer Kreuther Klausur zu Jahresbeginn landete sie ziemlich unsanft mit: "Wer betrügt, der fliegt". Sie will die viel beschworene Lufthoheit über den Stammtischen. Dort aber sind auch die CSU-Wähler nicht so dumpf, wie Scheuer annimmt.
Absurde Leitanträge, in welcher Formulierung auch immer, bringen nicht die Lufthoheit über, sondern den Absturz an den Stammtischen.