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Studie

Kinderbetreuung in Deutschland mittelmäßig

Deutschland liegt bei der Betreuung und frühen Förderung von Kindern im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Analyse des Kinderhilfswerks Unicef zur Qualität von Kindergärten und Tagesstätten in 25 Industrieländern.
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Mitarbeiterinnen einer Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt beschäftigen sich während eines Notdienstes in einer Kindertagesstätte in Hannover mit den Jungen und Mädchen. Foto: Holger Hollemann/dpa
Beklagt wird in der am Donnerstag vorgestellten Studie vor allem die Kinderarmut in Deutschland, die mit 16 Prozent zu hoch sei. Auch müssten Erzieher besser ausgebildet werden und die unter dreijährigen Kinder stärker gefördert werden.
Von den Industrienationen erfüllt nur Schweden alle zehn Unicef- Mindeststandards für die Kleinen. Nach Schweden werden aber auch die anderen skandinavischen Länder und Frankreich gelobt. Deutschland erreicht auch nach Einführung des Elterngeldes maximal fünf Kriterien. Gefordert wird von Deutschland vor allem, dass der Anteil der Kinder aus armen Familien auf unter zehn Prozent gesenkt wird.

Kinder armer Eltern beachteiligt
In einer ergänzenden Studie wird zugleich kritisiert, dass gerade Kinder armer Eltern und aus Einwandererfamilien häufig die Betreuungsangebote nicht wahrnehmen. Dabei seien sie besonders auf frühe Förderung angewiesen, um später in der Schule nicht abgehängt zu werden, sagte die Bildungsforscherin Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Um diese Kinder und ihre Familien zu erreichen, seien spezielle Angebote notwendig. Spieß sagte: „Diese Familien müssen besser eingebunden werden.“
Die Studie verweist zudem auf Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Ostdeutschland besucht im Schnitt mindestens jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. Im Bundesschnitt ist es nur jedes zehnte Kind. Auch innerhalb der Bundesländer werde die Betreuung nicht überall gleich stark genutzt. In einigen Kreisen Thüringens seien etwa 27 Prozent der Kinder in Kindertagesstätten, in anderen 51 Prozent. In Baden-Württemberg gebe es Schwankungen bei der Beteiligung zwischen zwei und 23 Prozent.

Förderung von klein auf wichtig
Nach Auffassung von Unicef versäumen es viele Industrienationen, alle Kindern von klein auf am besten zu fördern. Dabei könnten gute Kindergärten und Krippen entscheidend zur sozialen, emotionalen, sprachlichen und geistigen Entwicklung der Kinder beitragen, sagte der Autor der Studie, Peter Adamson, in Berlin.
In Deutschland werden mehr als 80 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen täglich außerhalb der Familie betreut. Im Schnitt der anderen Industrienationen sind dies knapp 70 Prozent. In Frankreich und Italien sind es dagegen fast 100 Prozent, in Schweden etwa 90. Weltweit steigt der Anteil der unter Dreijährigen in Betreuungseinrichtungen - wobei Deutschland etwa zusammen mit Österreich und Ungarn die geringsten Werte aufweist.
Skandinavische Länder und auch Frankreich stellen nach Angaben von Unicef mindestens ein Prozent ihres Bruttonationaleinkommens der frühkindlichen Betreuung zur Verfügung. Deutschland gab bislang 0,4 Prozent aus. dpa